Druckschrift 
4 : 2, Der Felzug von 1807. - 1851 (1855)
Entstehung
Seite
458
Einzelbild herunterladen
 

458

bereits von Stettin aus bedeutende Lieferungen ausgeschrieben,und bei den unbeschützten Behörden willigen Gehorsam gesundenhatte; ja cs war ganz offenbar, daß die Bewohner viel lieber ihrHab und Gut den vaterländischen Truppen überliefert haben wür-den, da sie, abgesehen von aller Liebe zu ihrem Könige, hoffendurften, nach dem Frieden einigen Ersatz zu erhalten. Im Nebli-gen darf indessen nicht übersehen werden, daß der Kommandantfür den Nothfall auf die ansehnlichen Vorräthe der Kaufleute ge-rechnet und bereits Anfangs Dezember alle Ausfuhr verbotenhatte. Sehr günstig wirkte es, daß der Kriegsrath Wisselingder pommerschen Kammer nach Kolberg kam, und nun>mit demlebendigsten Eifer an die Proviantiruug der Festung ging. Nach-dem er einen Ueberschlag des Bedarfs angefertigt hatte, war ernach Königsberg zum Könige geeilt, mit ausgedehnten Vollmach-ten zurückgekehrt und hatte dann, unter militärischer Hülse, dienvthigen Subsistenzmittel gegen Empfangsscheine herbeigetrieben.Nach dem Bericht des Hauptmanns Waldenfels an den König,war die Festung auf diese Weise Mitte Mai's für eine Garnisonvon 7000 Mann mit Brot bis Anfangs August, mit Fleischund Speck bis zum 10. Juli, mit Erbsen, Graupen und Grützebis zum 1. Oktober, mit Branntwein bis zum 19. Juli verpflegt,und aus Riga und Kopenhagen wurden noch ansehnliche Trans-porte erwartet. Die Festung würde aber auch selbst bei geringe-rer Vorsorge nie Mangel an Lebensmitteln gehabt haben, so langeihr die Verbindung mit der See verblieben war, denn noch wäh-rend der Einschließung und der Belagerung wurden ihr aus denentfernteren Küstendörfern Lebensmittel zugeführt, und zwar eineZeitlang in solchem Ueberfluß, daß die Kommandantur den Marktvollständig freigeben konnte.