Druckschrift 
4 (1795) [Wilhelm Meisters Lehrjahre. Bd. 2]
Entstehung
Seite
368
Einzelbild herunterladen
 

363

Sie versank in sich - »und nach einer kur-zen Pause rief sie heftig aus: ihr seyd ge-

wohnt, daß sich euch alles an den Halswirft, nein ihr könnt es nicht fühlen- keinMann ist in, Stande, den Werth eines Wei-bes zu fühlen, das sich zu ehren weiß. Beyallen heiligen Engeln, bey allen Bildern derSeeligkeit, die sich ein reines gutmüthigesHerz crfchafk, es ist nichts HimmlischerS, alsein weibliches Wesen, das sich dem geliebtenManne hiligiebk.

Wir sind kalt, stolz, hoch, klar, klug,wenn wir verdienen Weiber zu heißen, undalle diese Vorzüge legen wir euch zu Füßen,sobald wir lieben, sobald wir hoffen, Gegen-liebe 'zu erwerben. O wie Hab' ich ineinganzes Daseyn so mit Wissen und Willenweggeworsen; aber nun will ich auch ver-zweifeln, absichtlich verzweifeln. Es soll keinBlutstropfen in mir seyn, der nicht gestraft

wird.