384 Ueber die mcnfchliche Natur,
werden. Es ift unmöglich irgend einen Plan mitErfolg auszufahren, wenn er nicht mit Klugheit undGefchicklichkeit angefangen und betrieben wird,und die Gute unfrer Abfichten ift allein nicht hin-reichend, unfern Unternehmungen einen glücklichenAusgang zu verfehaffen. Die Menfchen find überdie Thiere vornemlich durch die weit höhere Kraftihrer Vernunft erhaben; und es find ebenfalls dieGrade diefes Vermögens, welche eirien fo unordent-lichen Unlerfchied zwifchen dem einen Menfchenund den andern ausmachen. Alle Vortheile derKunft find wir der menfchlichen Vernunft fchuldig;und wenn das Glück nicht gar zu eigenfinnig ift, fomufs der gröfste Theil diefer Vortheile dem Klugenund Vernünftigen anheim fallen.
Wenn man fragt, ob ein fchnelles oder langfa-mesFaffungsvermögen mehr werth fey? ob einer, dergleich beim erften Blick in die Materie eindringt,aber auf Nichts anhaltenden Fleifs wenden kann,oder ein entgegengefetzter Charakter vorzüglicherfey, der zu jeder Arbeit viel Anftrengung nöthighat? ob ein heller Kopf, oder ein reicher' Erfin-dungsgeift, ein tieffinniges Genie oder eine fichereUrtheilskraft; kurz, was für ein Charakter oderbefondere Verftandesart vor der andern den Vor-zug verdiene? fo ift offenbar, dafs man keine die-fer Fragen beantworten kann, ohne zu erwägen,welche unter diefen Eigenfchaften einenMenfchen fürdie Welt am brauclibarften macht, und ihn in irgendeiner feiner Unternehmungen am weiteften bringt.
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