weit mehr Wohlwollen und Menfchenliebe hinein,als ein kühner und unternehmender Menfch, dervon Natur mehr auf eine gewiffe Erhabenheit derSeele bei feiner Vorftellung von dem vollkommen*ften Charakter fleht. Diefes mufs unftreitig von ei-ner unmittelbaren Sympathie herrühren, wel-che Menfchen mit den Charakteren haben, die ih-ren eignen ähnlich find. Sie dringen mit weit mehrWärme in folche Gefinnungen und Empfindungenein, und fühlen das Vergnügen, welches darausentlieht, weit inniger.
Es ift merkwürdig, dafs einen Mann, derMenfchenfreundlichkeit he fitzt, nichts mehr rührt,als ein Beifpiel von aufserordentlicher Delikateffein der Liebe oder Freund Ich aft, wo eine Perfon aufdie kleinlten Angelegenheiten ihres Freundes auf-merkfam ift, und bereit ilt, ihnen feine eignen al-lergröfsten Vortheile aufzuopfern. Dergleichen feineZüge haben wenig Einfiufs auf die Gefellfchaft; weilfie nur auf die gröfsten Kleinigkeiten gehen: aberfie find um fo anziehender, je kleiner und unbedeu-tender die Theilnehmung zu feyn fcheint, und findein Beweis von dem allerhöchften Verdienft in ei-ner Perfon, die ihrer fähig ift. Die Leidenfchaf-ten find fo anfteckend, dafs fie mit der gröfstenLeichtigkeit von einer Perfon in die andere überge-hen, und harmonirende Bewegungen in den Her-zen aller Menfchen hervorbringen. Sobald lieh dieFreundfchaft in aufserordentlichen Beifpielen her-vorthut, fo fühlt mein Herz die nämliche Leiden-feh aft,