i,\6 Ueber die menfchllche Natur.
Falle werden die Eigenfchaften, welche mir gefal-len, fämmilich als nützlich für die Perfon felbft undals gefchiekc angefehen, feinen Vortheil uricl feinVergnügen zu befördern. Sie werden blos als Mit-tel zu einem Zwecke betrachtet, und gefallen nachdem Maafse ihrer Tauglichkeit zu diefem Zwecke.Der Zweck mufs alfo für mich angenehm fevn. Aberwas macht den Zweck angenehm? Die Perfon iftein Fremder; mein Vortheil ift auf keine Art mitihm verknüpft, und ich habe keine Verbindlich-keit gegen ihn. Seine Glückfeligkeit intereffirt michnicht mehr als die Glückfeligkeit jedes andernmenfchlichen und in der That jedes empfindendenGefchöpfs: das heifst, es afficirt mieh blos durchSympathie. Aus diefem Grunde nehme ich einenfo ftarken Antheil an feiner Glückfeligkeit und'anfeinem Wohlbefinden, dafs ich dabei eine fehr ficht-bare Bewegung empfinde. Die Erfcheinung derEigenfchaften, welche gefchickt find, fie zu be-fördern, macht einen angenehmen Eindruck aufmeine Einbildungskraft, und zwingen mir Liebeund Hochachtung ab.
Diefe Theorie kann es erklären, weshalb dienämlichen Eigenfchaften in allen Fällen beides Stolzund Liebe, Demuth und Hafs hervorbringen; undweshalb der nämliche Menfch allemal tugendhaftoder lafterhaft, geachtet oder verachtet bei andernift} der bei fich felbft in einem folchen Kredit fteht.Eine Perfon, in der wir eine Leidenfchaft oder eine^Fertigkeit entdecken, die urfprünglich allein ihr
felbft