K. L. Weisser
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Schulzeit heraimahte, im Jahre 1831, nahm sie dasSöhnlein wieder in ihre eigene Obhut. Sie ließ eszuerst die lateinische Schule besuchen; denn das schiensich von selbst zu verstehen, daß der stille, fleißigeKnabe den geistlichen Stand erwähle, für den sich auchder um acht Jahre ältere Bruder Adolf") entschiedenhatte. Allein über Ludwig war schon anders verfügt.Der Sondelfinger Oheim hatte in seiner Studirstubeein Paar Bilder aufgehüngt und besaß in seiner kleinenBibliothek einige alte, zum Teil mit Illustrationenversehene Chroniken. An diesen bescheidenen Kunst-werken war dem kleinen Mann zuerst die Lust zumSehen und bald auch die Neigung zum Nachbildenaufgegangen. In Reutlingen lieferten die Bibel derMutter und die dortigen Volksbücher weiteren Stoffzum Beschauen. Nach kurzer Zeit sproßten eigene Kom-positionen, Zeichnungen aller Art in Scherz und Ernst,üppig auf und gerieten in die Hände der bewunderndenKameraden, um nicht wieder zurückzukommen. Einalter Reutlinger Maler, von dem wir ihn oft erzählenhörten, daß er Fensterläden sehr gut angestrichen undBildnisse nicht ganz schlecht gemalt habe, nahm sichdes Jungen an und befürwortete bei der Mutter, ihnKünstler werden zu lassen. Der erste Schritt dazuwar, wie man damals allgemein für nötig hielt, derUebertritt von der Latein- in die Realschule, ein Wechsel,den der nebenbei sehr lern- und leselustige Knabe un-gern einging und später aufs bitterste bereute.
Schriftsteller, geb. zu Unterjcttingeu am 30. Juli 181o,gest. zu Göppingen im I- 1863.