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I. A. Gegenbaur
Noch einmal, nach der Mitte der fünfziger Jahre, er-hielt Gegenbaur von König Wilhelm einen großen, in denJahren 1850—1860 ausgeführten Auftrag, mit dem erzu der Stoffwelt seiner Jugendwerke zurückkehren durfte:die Ausschmückung des neu hergestellten weißen Saalesim südlichen Flügel des königlichen Schlosses. Er maltefür das große Oval in der Mitte der Decke Helios,den Sonnengott, der feinen Wagen hcraufführt, um-schwebt von den Musen, Grazien, Heroen und anderemGefolge, in Oel auf Leinwand, versah aber das Bildnachher mit einem Wachsfirnisse, der demselben dasAussehen von enkaustischer Malerei gibt. In derselbenBehandlung fügte er noch oben und unten an demHauptbilde kleinere Ovale dazu mit Bacchus undAriadne auf der einen und Venus und Amor auf derandern Seite. Vier Götterpaare, die vier Elementevorstellend, zieren die Eckzwickel unter der Decke. HGruppenweise oder einzeln erfüllen, da und dort verteilt,reizende Amoretten mit Behagen ihre dekorativen Pflichten.Der an den Schlachtenscenen erwachte dramatische Nervdes Künstlers verlieh diesen mythologischen Bildern inLinienschwung und Farbenkraft einen größeren Stilals seine Rosensteinarbeiten an sich tragen. Wem eseinmal vergönnt war, das Hauptbild mit aller Ruhezu genießen, dem wird der edle Rhythmus des frohenGötterreigens wie ein musikalischer Hochgenuß in derErinnerung bleiben.
Dem durch eine so lange Reihe von Jahren allezeit
^ Eine Aquarellskizze zu der ganzen Decke kam in dasStuttgarter Kupferstichkabinet.