Druckschrift 
3 (1795) [Wilhelm Meisters Lehrjahre. Bd. 1]
Entstehung
Seite
20
Einzelbild herunterladen
 

2V

ruhe schien ihre Zärtlichkeit zu vermehren;sie war das lieblichste Geschöpf iu seinenArmen.

Als er aus dem ersten Taumel der Freu-de erwachte, und aus sein Leben und seineVerhältnisse zurückblicktc, erschien ihm allesneu, seine Pflichten heiliger, seine Liebhabe-reyen lebhafter, seine Kenntnisse deutlicher,seine Talente kräftiger, seine Vorsähe ent-schiedener. Es ward ihm daher leicht, eineEinrichtung zu treffen, um den Vorwürfenseines Vaters zu entgehen, seine Mutter zuberuhigen und Mariancns Liebe ungestört zugenießen. Er verrichtete des Tags seine Ge-schäfte pünktlich, entsagte gewöhnlich demSchauspiel, war Abends bey Tische unterhal-tend, und schlich, wenn alles zu Bette war,in seinen Mantel gehüllt, sachte zu demGarten hinaus und eilte, alle Lindors undLeanders im Busen, unaufhaltsam zu seinerGeliebten.