und Sitten der Waldenser. 49 r
schaffen sey. Denn wo dieses nicht mit jenem übereinstimmet, sohalten wir sie billig nur für ein tönend Ertzt und für eine klin-gende Schelle. Wer bey Jacobs Stimme Efaus Hände hat,der reist mit der einen Hand schon wieder ein was die andere zubauen noch im Begriffe ist. JEsus sagte einmal selber von denSchriftgelehrten und Pharisäern; sie sagens wohl und thunes nicht, und rief deswegen einmal über das andere das Weheüber sie aus. Und dieses mag man auch noch von allen denen sa-gen, die in ihre Fusstapffen treten: an statt aus ihren Wortengerechtfertiget zu werden, häufen und beschleunigen sie dadurchihre Verdamnis, und gelangen dahin, wo sie mit den Knechten,die ihrer Herren Willen wissen und nicht thun, doppelte Streicheleiden sollen. Am Saum des Hohenpriesterlichen Rocks im Al-ten Testamente musten Schellen, aber auch eben so vielGranat-Aepffel seyn: dasheist: Lehre und Leben musten einerley seyn;und im Neuen Testament ist der Glaube durch die Liebe thätig.Was hilfts lieben Brüder, so jemand saget er habe den Glauben,und hat doch die Wercke nicht? kan auch dieser Glaube ihn seligmachen ? Der Glaube wenn er nicht Wercke hat, ist er todtan ihm selber.
Die Lehre der Waldenier ist uns nun bekant genug. Lastuns diese Leute nun auch von der andern Seite kennenlernen, undrecht genau auf ihre Wercke, ihr Leben, ihren Umgang mit an-dern Leuten, ihre Sitten und ihre Zucht, mit einem Worte, aufalles ihr Thun und Lassen Achtung geben. Die bereits aus ih-ren Glaubensbekentnissen sowol als aus den eigenen Schriften ih-rer Widersacher angeführten Stellen, sollen zwar wohl schon zu-länglich genng seyn, ihren unschuldigen und frommen Lebens-Wandcl darzuthun, und sie wider alle ihre Feinde und Verläum-der in Sicherheit zu stellen: jedoch damit diesen das Maul vol-lends auf ewig möge gesperret werden, wird es nicht undienlichsondern selbst nöthig seyn, im folgenden zuförderst die Beschuldi-gungen anzuführen, womit man sie von Seiten der Römischen
Qqq z Kirche