Pas Vaterland der weifsen Rübe ist nichtgenau bekannt; wahrscheinlich ist das südlicheEuropa als solches anzunehmcn.
Die Wurzel dieser zweijährigen Pflanze istgewöhnlich eine starke oft mehrere Pfund schwere,walzenförmige oder rundliche fleischige Knollen—wurzel (Ilhizom a tuberosum); seltner ist sie ineiner Spielart (Br. Rapa oleífera) klein unddünn.
Der Stengel wird drei bis vier Fufs hoch;er ist aufrecht, gerade, und in viele aufrecht-ab-stehende, lange ßliithentragende Aeste gelheilt, da-bei rund, ganz glatt, blafs grün und bläulich-bereift.
Die S a a m e n b 1 ä 11 ch e n (Folia seminalia)sind verkehrt - herzförmig glatt; die Wurzelblät-tcr sind leierförmig gefledert und borstig—rauch-haarig.
Die untern Stengclblätter sind ebenfallsleierförmig gefledert-zerschnitten und die an dprBasis des rinnenförmigen Blattstiels herablaufendeBlattsubstanz umfafst den Stengel; sie sind stumpf,am Rand unregelmäfsig-gezahnt, glatt, oben blafsgrün, unten bläulich-bereift, an 9 Zoll lang undüber 3 Zoll breit. Die oberen Blätter sind pfeil-förmig-lanzettförmig stumpf, am Rand wellenför-mig und schwach gekerbt, mehr blaugrün.
Die zuerst doldentraubig-gestellten ßlüthengehen, wie bei allen Pflanzen dieser Familie inlange Fruchttrauben über, doch stehen die of-fenen Blumen höher als die Blumen-knospen.
Die B lut he n stiel e sind abstehend, ungefährein Zoll lang, glatt. »
Die vier Kelchblättchen sind aufrecht-abstehend, linienformig, rinnenförmig ausgehöhltglatt, blafsgrün, fast so lang als die Staubfäden.
Die vier gelben Blumenblätter haben ge-rad-aufrechte Nägel (ungues); die Platte (lamina) isthorizontal abstehend, verkehrt-eiförmig stumpf.
Auf jeder Seite der vier längern Staubfädensteht aufserlialb an der Basis eine runde dunkel-grüne Drüse; eine andere ähnliche findet sich zwi-schen jedem der zwei kürzeren Staubfaden unddem Fruchtknoten.
Der walzenförmige Fruchtknoten ist glatt,der Griffel ist fast von derselben Dicke <ünd unare-
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fahr ein Drittheil so lang als dieser; die Narbe istetwas verdickt und gelb.
Die reifen Schoten stehen auf abstehenden8—9 Linien langen Fruchtstielen; diese Schoten sindblafs gelblich netzförmig-aderig, ohne den schnabel-förmigen Fortsatz ungefähr anderthalb Zoll lan°-:der Fortsatz ist zusammengedrückt, ohne Saamen, (iLinien und darüber lang.
Die Saamen sitzen abwechselnd auf beiden Sei-ten an dem Rande der durchsichtigen Scheidewand
20 bis 24 in jeder Schote so an, dafs sie eine Reihebilden (semina uniserialia) ; sie sind rundlich braun,immer weifs, kleiner als bei den verwandten Arten,und enthalten den Embryo der mit seinen rundenzusammengefalteten Cotyledonen das rückwärtsge-krümmte Würzelchen aufnimmt, (cotyledones incum-bentes conduplicatae-orthoploccae Dec.)
Die Wurzel dieser Pflanze ist als Gemüse sehrbekannt und auch neuerlichst wieder in unserePharmacopoe aufgenommen worden ; sie zeichnetsich durch einen bedeutenden Gehalt an.Zucker, mitdem mehr oder minder von dem scharfen Stoff ver-bunden ist, aus. Die Saamen enthalten ein fettesOel und eine Spielart mit dünner Wurzelwird daher auch als Rübsaamen gebaut; der Gehaltan Oel soll aber bedeutend geringer sein, als in demSaamen von Br. Napus L. (Winterreps) die sichschon durch doppclt-gröfsere Blumen unterscheidet.— Mit diese/ Br. Napus (Napus oleifera Spen.) istBr. ca mp es trie Dec. die auch auf Oel benutztund unter dem Namen Kohlsaat (grofser Oelsaamen)ebenfalls cultivirt wird, sehr nahe verwandt; dieBlüthen und Früchte sind wie bei Br. Rapa; derBlülhenstand ist wie bei Br. Napus. Das aus diesenSaamen erhaltene fette Oel stellt im gereinigten Zu-stand das gewöhnliche Brennöl dar.
A n m. Wir geben hier eine möglichst vollstän-dige Abbildung dieser Pflanze, weil sie in unsrerPharmacopoe aufgenommen ist, anderntheils aberauch deshalb, weil sie, wie so viele der gemeinstenund nützlichsten Pflanzen noch nicht gut dargestelltwurde, und noch jetzt mit den genannten verwandtenArten oft verwechselt wird.
Abbildungen.
Mart. Flor, rust tab. 4o- 5o.
Erklärung der Tafeln.
A. 1. Die blühende Spitze des Stengels.
2. Ein ganz junges Pflänzchen.
3. Ein Cotyledonenblatt.
4* Ein Kelchblatt.
5. Dasselbe vergröfsert.
G. 7. Blumenblätter.
8. Die Staubgefäfse.
9. Dieselbe mit dem Pistill.
10. Dieses letztere, (alle Figuren von Fig. 7 anvergröfsert).
11. Eine unreife Schote.
12. Dieselbe im reifen Zustande.
13. Dieselbe, geöffnet.
14. Der Embryo, von verschiedenen Seiten ge-
zeichnet.
ß. 1. Die Wurzel.
2. Eine junge Pflanze.
3. 4. Untere und obere Stengelblätter.