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Icones plantarum medicinalium oder Sammlung officineller Pflanzen : mit lithographirten Abbildungen und Beschreibungen ; ... mit 120 Taf.
Entstehung
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Der Gerberstrauch ist an Hecken im südli-chen Europa und im n ö r dl i ch en A fr ik a ein-heimisch.

Er bildet einen von Grund an sehr ästigenStrauch; die Aeste sind] sehr lang, gebogen undüberhängend; die jungen Zweige sind von den her-ablaufenden Blattstielen scharf viereckig und voll-kommen glatt.

Die Blätter stehen gegenständig und fast horizon-tal auf sehr kurzen Blattstielen ; sie sind eiförmig zu-gespitzt, ganzrandig, dreinervig, oben dunkelgrünund glänzend, unten blafs und auf beiden Seitenganz glatt; in Rücksicht der Gröfse sind sie sehrverschieden, im gewöhnlichen Zustand sind sie an-derthalb Zoll lang und acht Linien ungefähr breit,an jungen Trieben erreichen sie eine Länge vondrei und eine Breite von zwei Zoll.

Die kleinen Blut h en erscheinen an den Spit-zen der jungen Zweige und zwar gewöhnlich zwei-mal im Jahr; sie bilden einfache kurze Trauben,so dafs jede Blüthe abwechselnd, auf einen unge-fähr zwei Linien langen glatten Blüthenstielchensteht, welches von einem lanzettförmigen spitzenDeckblättchen unterstützt ist; diese Deckblättchensind öfters länger als die Blüthenstiele, gewöhnlichaber eben so lang.

Die Blüthenhülle (perianthium) ist bis aufdie Basis in fünf eiförmige spitze aufrechte glattegrüne Blättchen gespalten; mit diesen abwechselndstehen fünf kürzere fleischige stumpfe Schuppen(perianthium internum, Nectarium). Zehn sehrkurze Staubfäden stehen theils zwischen diesenSchuppen, theils ihnen entgegengesetzt. Die Staub-beutel sind aufrecht-länglich, etwas zugespitzt, län-ger als die Blüthenhülle, undeutlich-zweifächrig.(Ich konnte kein Aufspringen bemerken.)

Die fünf kreisständigen glatten Fruchtkno-ten sind auf dem Rücken etwas gewölbt. DieNarben ragen weit hervor, sind fadenförmig zuge-spitzt, schön purpurroth.

Die Schuppen, welche den Fruchtknoten um-geben, wachsen nach der Blüthe bedeutend schnellheran, werden länger als der Fruchtknoten, flei-schig-saftig und die grüne Farbe geht durchpurpurroth in braun über.

Die dazwischen stehenden einsaamigen Kam-merfrüchte sind bei der Reife schwarzbraun undenthalten einen Embryo ohne Eiweifskörper, des-sen Würzelchen nach der Spitze der Frucht gerich-richtet ist.

Diese Pflanze ist in der neuern Zeit deshalbfür die Medizin wichtig geworden, weil man inFrankreich ihre Blätter unter den Scnnesblättern

I (Folia Sennae) fand, die dadurch eine giftige Wirk-samkeit angenommen hatten.

Nach Pese hier enthalten diese Blätter:

Ein fettes in Weingeist lösliches Oel.

Ein Harz.

Ein eigenthümliches Alkaloid.

Einen gelben extractiven Farbestoff.

Gummi, Gerbestoif, Chlorophyl, freie Gallussaure,gallussaures Kali.

Nach ihm sind alle diese Bestandlheile ganz un-schädlich. (Trommsd. Journ. XVI. 2. p. 65.)

Dieser Angabe Pese hiers wird von verschie-denen Seiten widersprochen, und auch mein ver-ehrter College, Herr Professor Mayer, fand meh-rere Präparate, die ich aus der Coriaria bereitete,sehr giftig, indem sie besonders fleischfressendeThiere unter den heftigsten Convulsionen tödteten.

Aus der oben angegebenen Beschreibung derBlätter geht hervor, dafs man sie nicht wohl mitden Blättern der Cassia lanceolata oder denender C. Senna, noch mit denen der C. acutifolia,die die Sennesblätter liefern, verwechseln kann. DieVermischung mufs wohl mit den sogenannten FoliaSennae parvae vorgegangen seyn, deren Anwen-wendung aber überhaupt verboten ist.

Bei dem Verdacht einer solchen gefährlichenZumischung rathe ich etwas von den falschen Blatt-stücken, die immerhin durch ihre dicke und starkeNerven zu erkennen seyn werden, auszulesen undmit heifsem destillirtem Wasser zu übergiefsen. DasInfusum der Blätter der Coriaria ist kaum gelblich-gefärbt, giebt mit salzsaurem Eisenoxid einen reich-lichen schwarzblauen Niederschlag und färbt dieverdünnte Goldlösung purpurroth, wodurch sichdie Coriaria mit ihrem bedeutenden Gehalt an Ger-bestoff von den ächten Sennesblättern, die kaumeine Spur des eisengrüu enden Gerbestoffsenthalten, leicht wird unterscheiden lassen.

Anmerk, lu Bezug auf die oben angeführte

I Analyse von Peschier müssen wir noch bemer-ken, dafs uns die Abscheidung eines Pflanzenalka-loids nicht gelingen wollte. Sollte vielleicht dergenannte Chemiker, da er seine Pflanze unschädlichfand, die Blätter einer andern Pflanze erhalten ha-ben, was aber freilich kaum anzunehmen ist?

Abbildungen.

Duhamel Arb. I. tab. 73.

Erklärung der Tafel,

i. Ein blühender Zwei« 1 .

4 o

2. Ein unfruchtbarer Trieb, um die verschiedeneBlattform zu zeigen.

3. Eine ganze Blüthe mit dem Bliithenstiel unddem Deckblättchen.

4. Dieselbe ohne die äufsere Blüthenhülle.

5. 6. Zwei Staubgefäfse, von der vordem und hin-tern Seite gesehen.

7. Der heran wachsende Fruchtknoten mit der äus-sern und innern Blüthenhülle.

8. Dieselbe Figur ohne die Griffel, in einem etwasällern Zustand.

g. Die Fruchtknoten ohne die Blüthenhülle (alleFiguren vergröfsert).

10. Ein Zweiglein mit Früchten,

il. Die zur Fruchthülle gewordenen Theile der Blü-the, ohne die Kammerfrüchte.

12. Eine Frucht in natürlicher Gröfse.

i3. Dieselbe vergröfsert.

14. Die Fruclitscliaale (pericarpium).

i5. Die Saamenschaale (testa).

16. 17. Der Embryo.