Der Kelch bildet vor der Blüthe eine kegel-förmige etwas gekrümmte ganz geschlossene Blü—thenhülle. Er öifnet sich, indem er unterhalb derMitte ringsum aufspringt und so den oberen Theilabwirft. Die Blume me nkr one fehlt oder bleibtals Innenhaut mit dem abfallenden Deckel ver-wachsen.
Zahlreiche freie Staubgefäfse stehenauf dem Rand des becherförmigen Kelchrohrs. DieAnther en sind rundlich, zweifächrig, beweglich.
Der eiförmige Fruchtknoten ist vondem Kelchrohr eingeschlossen, aber nicht ganz mitihm verwachsen. Der Griffel hat die Länge derStaubgefäfse und endigt in eine stumpfe Narbe.
Die Kapsel ist rundlich-dreiseitig, dreifäch-rig, dreiklappig und vielsaamig.
Die S a a m e n sind gröfstentheils unvollkom-men, spreuartig; einer oder der andere vollkommenausgebildete ist viel gröfser, verkehrt-eiförmig, aufzwei Seiten gefurcht, glatt und glänzend.
Nach White, der in seiner Reisebeschreibungdie erste Nachricht von diesem Baume giebt, erhältman durch Einschnitte in die Rinde eine bedeu-tende Menge Saft, der zu einer gummi harzi-gen rot h en adstringirenden Substanz er-härtet; in Weingeist löst sich dieses Gummiharzleicht und vollständig, in Wasser ist nur der sechsteTheil löslich; beide Lösungen schmecken adstrin-girend.
Es ist allgemein angenommen, dafs dieser ein-getrocknete Saft diejenige Sorte des Kino darstelle,die v,br einiger Zeit in England als Neu hollän-disch es Kino im Handel war. Diese Sorte Kinosoll in ziemlich grofsen chocoladefarbigen spröden,innen stark glänzenden Stücken Vorkommen, diezerrieben ein braunes Pulver geben. In Wassersoll die gröfsere Hälfte, in Weingeist ungefähr zweiDrittel gelöst werden. Diese Lösungen werden nachGeiger durch Eisenvitriol b r a unschwarz gefällt.
Wir sehen, dafs diese Beschreibung der Phar-macologen nicht ganz mit der von White gegebe-nen übereinstimmt, doch mag immerhin diese Sub-stanz als Kino vorgekommen seyn.
Wenn wir aber diese drei hier abgehandeltenfalschen Kino-Sorten mit dem ächten afrikanischenvergleichen, so fällt uns zunächst in dem Verhaltengegen die Eisensalze ein bedeutender Unterschied
in die Augen, indem sie alle mit diesem Reagensblauschwarze oder braune Niederschläge hervorhrin-gen, während sich das ächte Kino durch seinenGehalt an eisengrünendem Gerbestoff auszeichnet.
Anmerk. Eine geringere Sorte Kino meinerSammlung, die ich früher für Neuholländisches hielt,gab sich bei einer genauem Untersuchung als Ex-tractum Ratanhiae amer, zu erkennen. Dadieses Extract mit dem ächten Kino sehr nahe ver-wandt ist und gewifs öfter damit verwechselt wird,so sind die unterscheidenden Merkmale beider Sub-stanzen um so wichtiger für dea Pharmaceuten.Das ächte Kino giebt mit Wasser eine dunkelweinrothe Lösung, welche das Lackmus röthet. MitBleizucker entsteht ein reichlicher graulich-violetterNiederschlag. Der damit in Berührung gelasseneAether färbte das Kalkwasser kaum etwas gelblich.
Das Ext r. Ratanhiae giebt eine mehr braun-rothe Lösung, die das Lackmus nicht röthet. MitBleizucker entsteht ein dunkel-ileischrother Nieder-schlag. Der damit digerirte Aether färbte das Kalk-wasser gelblich - roth, und wenn selbst bereitetesExtract angewendet wurde, entstand ein rother Nie-derschlag. Auf jeden Fall scheint es uns, dafsdiese beiden Substanzen häufiger verwechselt, alsdafs die hier beschriebenen Kino-Sorten für äclrtesgegeben werden. (S. Fr. Nees v. E. in Buch. Repert.XXXI. 2.)
Abbildungen.
White Voyage tab. 25.
Andrews Bot. Repos, tab. 4«o.
Hayne Getr. Darst. X. tab. 5.
Erklärung der Tafel.
1. Ein blühender Zweig nach Andrews Bot. Repos.
2. Der obere Theil des Kelchs.
3. Der untere Theil mit einem Theil der Staub—
gefäfse und dem Fruchtknoten.
4- Ein Staubgefafs, vergröfsert.
5. Der untere Theil des Kelchs mit dem Frucht-*
knoten, in natürlicher Gröfse.
6. Die ganze Frucht mit dem Kelchrohr.
7. Dieselbe von der Seite geöffnet.
8. Dieselbe mit aufgesprungener Kapsel.
9. Unvollständige Saamen.
10. Zwei reife Saamen.