Die grofson dreizähligen Blätter fallen in derkälteren Jahreszeit ab und kommen im Frühlingmit den Blüthen wieder hervor. Sie bestehen ausdrei rundlich-eiförmigen an der Spitze ausgeran-deten, oben glatten und glänzenden, unten schwach-behaarten Blättchen. Der gemeinschaftliche Blatt-stiel ist stielrund, in der Jugend behaart, so langals die Blättchen; die Afterblättchen sind klein, zu-rückgekrümmt.
Die grofsen und schönen Blüthen bildengrofse Trauben, die an den Spitzen der Zweigeaber auch an den Blattwinkeln und an den nacktenblattlosen Zweigen hervorkommen. Der gemein-schaftliche Blüthenstiel ist dick, steif und mit einemstarken dunkel-grünlich-purpurfarbigen Filz be-kleidet. Die besondern Blüthenstielchen sind un-gefähr einen Zoll lang, gegliedert und eben so be-haart.
Der glockenförmige Kelch hat eine breiteschwach - ausgerandete Oberlippe und eine dreizah-nige Unterlippe, er ist mit demselben Filz bedeckt.An der Basis des Blüthenstielcbens steht ein schma-les lanzettförmiges und am Kelch stehen zwei ähn-liche kleine hinfällige Deckblättchen.
Die Blumenkrone zeichnet sich durch ihredunkel orange -rothe mit silberfarbigen Haarüber-zug schön schattirte Färbung aus. Die Fahne istzurückgeschlagen, zugespitzt, wenig länger als dieFlügel. Die Flügel sind aufsteigend, lanzett-förmig, so lang als der Kiel. Der zweitheiligehalbmondförmig-aufwärts gekrümmte Kiel ist vonder Länge der Fahne und der Flügel.
Die Staubfäden sind halbkreisförmig ge-krümmt, von der Länge der Blumenkrone; die An-theren sind aufrecht, linienförmig.
Der kurze Fruchtknoten ist gestielt, lan-zettförmig, filzig. Der aufsteigende GrifFel ist et-was dicker als die Staubfäden und endigt in einekleine drüsige Narbe. Die breite herabhängendeHülse ist bis zur Spitze, wo sie den einzelnenSaamen birgt, behaart; sie wird an sechs Zoll langund zwei Zoll breit und springt nie von selbst auf.Der Saamen ist oval, flach, braun und glatt, i5-i8Linien lang und einen Zoll breit.
Aus der verwundeten Rinde dieses Baums trittwährend der heifsen Jahreszeit ein rother Saft her-vor, der an der Sonne zu einem rubinrothen ad-stringirenden leicht zerbrechlichen Gummi erhärtet.Wenn diese Substanz länger der Sonne ausgesetztbleibt, als zum Austrocknen nöthig ist, so geht dieschöne Farbe verloren.
Der Geschmack derselben ist rein adstringirend ;sie schmilzt nicht in der Wärme, in der Flammeeiner Kerze bläht sie sich auf und verkohlt ohneGeruch. In Wasser löst sie sich zu einer dunkelro-then klaren Flüssigkeit auf; in Weingeist wird sie nurtheilweise gelöst und die Lösung ist blasser undetwas trübe. Die wäfsrige Lösung wird durch Weingeist getrübt; mit kohlensaurem Kali entsteht einedunkel blutrothe Farbe. Verdünnte Schwefelsäurebewirkt in beiden Lösungen eine Trübung. Mit Ei-sensalzen entsteht eine dauerhafte Dinte.
Roxburgh.
Aus dieser sorgfältigen Beschreibung sehen wir,dafs dieser eingetrocknete Saft als eine aus Gerbe-stoff und Gnmmi bestehende Substanz, dem Kinoder Officinen ähnlich, aber durch das Verhaltengegen Eisensalze, wodurch es seinen ei-senbläuenden Gerbestoff anzeigt, hin-länglich von ihm verschieden ist. —Uebri-gens dürfen wir kaum zweifeln, dafs nicht dieserStoiF diejenige Sorte des Kino darstellt, welche unsrePharmacologen als Ostindischen Kino beschrei-ben. — Mir ist diese Sorte noch nie vorgekommenund ich glaube überhaupt, dafs alles Kino, was wirgegenwärtig in unsern Apotheken finden, das afri-kanische Kino ist, wie wir in diesem Werk beiPterocarpus senegalensis bereits angegebenhaben.
Das von Thomson untersuchte ostindischeKino weicht von dem hier beschriebenen so bedeu-tend ab, und kommt dem gewöhnlichen afrika-nischen Kino so nahe, dafs wir vermuthen möch-ten, cs sey afrikanisches Kino, was auf dieselbeWeise zu dem Namen des Ostindischen gelangtsey, wie die langen Sennesblätter von Cas-sia acutifolia den sonderbaren Namen der Ost-indischen Sennesblätter bekommen haben.
Anm. Butea superba Roxb., eine naheverwandte Art, soll denselben rothen adstringiren-den Saft enthalten.
Abbildungen.
Roxb. 1. c. tab. 2 t.
Kern Ic. select. I. tab. 4*
Erklärung der Tafel.
1. Ein blühender Zweig nach Roxburgh.
2 . Die verwachsenen Staubgefäfse mit dem Griffel.
3. Die Hülse, an der Spitze geöffnet, um den Saa-
men zu zeigen.