Zwei ungleiche hinfällige Deckblättchen, vereinigendie Basis der Ränder (1er Blattstiele. In den Blatt-achseln stehen einfache zurückgekrümmte Ranken(cirrhi).
Die Blütlienstiele kommen einzeln aus den .Blattwinkeln hervor, sind in der Mitte gegliedertund mit drei oder vier in einen gezähnelten Ringverwachsenen Dcckblättchen versehen, sie tragen einrundes Köpfchen aus kleinen zierlichen grün undrothen Blüthen gebildet. Der allgemeine Kelchwird von den eben beschriebenen Bracteen gebildet;der besondere Kelch ist sehr kurz, seidenartig-be-haart, fünfzähnig.
Die Blumenkrone hat ein langes dünnes Rohrund einen in fünf stumpfe Abschnitte gespaltenenSaum; sie ist aufsen und am Schlund behaart. Diebreiten Antheren stehen auf kurzen Staubfäden amSchlund des Blumenrohrs.
Der untere mit dem Kelch verwachseneFruchtknoten ist kreiselförmig, seidenartig be-haart. Der Griffel ist oft so lang als das Blumen-rohr; die Narbe ist keulenförmig.
Die Kapsel ist länglich - keulenförmig, mitdem stehenbleibenden Saum gekrönt, zweifächrig,zweiklappig.
Die ¡Sa am en sind zahlreich, flach, geflügeltund liegen dachziegelförmig übereinander an demfadenförmigen centralen Saamenhalter.
Durch Auspressen oder durch Auskochen derBlätter und Zweige dieses Strauchs und Abdampfenund Austrocknen des Absud’s wird in mehreren Ge-genden von Ostindien eine Sorte des Catechu s.Terra Japonica, wie schon Retzius a. a. O.sagt, gewonnen.
Man giebt ihm nach dem genannten Verfasserder Flora indica die Gestalt viereckigerStücke durch Ausgiefsen in kleine vier-eckige Formen.
Nach Dr. Cam pb el kommt dieses Extractauch in runden Stücken vor. Er sah es auf derReise nach Coch inchina in grofser Menge beidem Sultan von Moco bereiten, der zu der Ge-winnung des Gambir’s eine besondere grofse An-stalt errichtet hat. (Flora indica 1 . c.)
Die Nauclea Gambir liefert also kein Kino,wie jetzt so oft angegeben wird, sondern diejenigeSorte des Catechu, die in würfelförmigenStücken vor kommt. Woher die Meinung ent-standen, dafs das Kino von Nauclea abstamme, ver-stehen wir nicht anders zu erklären, als durch dieAehnlichkeit des Wortes Gambir (womit man inIndien dieses Extract bezeichnet), mit dem WortGummi Gambiae, was Kino bedeutet. Wir ha-ben hierauf (in Buchn. Repert. L s. c.) schon früheraufmerksam gemacht.
Das Gambir besteht aus viereckigen Stücken, dieungelähr einen Zoll im Durchmesser haben; sie sindso leicht, dafs sie auf dem Wasser schwimmen, bissie davon etwas aufgenommen haben, auch leichtzerbrechlich’, sehr trocken, aufsen an einzelnenStellen dunkler braun, übrigens aber, und beson-ders im Innern, fast gleichförmig heller oder dun-kler und zimmtfarbig. Der Geschmack ist sehradstringirend, und nur wenig bitter; der Geruchfehlt ganz. — Es löst sich nach einer damit unter-nommenen Untersuchung bis auf 12 p. C. in kaltemWasser auf und wird, wenn auch noch Weingeistangewendet wird, bis auf 2 ? p.C. Rückstand gelöst.Die wäfsrige Lösung ist gelblich-roth, die geistigedunkel-rothbraun. Wir fanden in diesem Katechu:Einen in Wasser, Weingeist und Aether löslicheneisengrünenden Gerbestoff 36 - 4o p. C,
einen eigenthümlichen weil’sen harzigen inkaltem Wasser unslöslichen Gerbestoff,einen dem Chinarotli äh nlichen Gerbestoll-Absatz, von dem die Farbe des Catechuherrührt und Gummi. Zwanzig Gran gabenuns einen halben Gran sehr leichter Asche ausThonerde mit Spuren von schwefelsauren und salz-sauren Salzen bestehend, so dafs dieses Catechuganz aus. verschieden modificirtem eisengrünendemGerbestoff zusammengesetzt ist. Wir müssen dem-nach dieses Catechu für eine der bessern Sorten er-klären und freuen uns, dafs Herr Professor Geigerhierin mit uns übereinstimmt. Wenn statt dessen einaus Thonerde nachgekünsteltes Catechu gegebenwerden sollte, wie unsre neue Pr. Pharmacopoe an-giebt, so wird dieser Betrug bei Vergleichung deroben angegebenen Eigenschaften des ächten Gam-birs leicht zu entdecken seyn.
Aufser dieser Sorte des Catechu finden sichgegenwärtig noch zwei andere im Handel: 1 ) dasCatechu von Bengalen; es kommt in gröfsernkuchenförmigen Stücken vor, ist aufsen braun, in-nen mit hellem und dunklern Schichten durchzo-gen und hat ein spez. Gewicht von i,58o. Auchin dieser Sorte fanden wir den eigenthümlichenweifsen GcrbestolF, der sich schon aus dem erkal-tenden Decoct niederschlägt. Nach Davy soll es48 p. C. Gerbestoff enthalten. 2 ) Das Catechuvon Bombay; diese Sorte zeichnet sich durch ihregleichförmige duukelbraune Farbe im Innern aus,(gleicht in dieser Hinsicht einem trocknen Opium);sie hat ein noch gröfseres spez. Gewicht, was wirzu 1,090 bestimmten; der Geschmack ist übrigenssehr adstringirend, doch etwas brandig; dieses Ca-techu soll nach Davy 45 p.C. Gerbestoff enthalten.
Man schreibt die erste dieser beiden Sorten derAcacia Catechu, die zweite der Are ca Cate-chu zu. Nach Hamilton’s neuern Untersuchun-gen soll aber diese Palme keine Catechu liefernund nach Roxb. Fl. of Corom. wird auch ausder Acacia Catechu kein Extract bereitet*
Aus der grofsen Uebereinstinnnung, die wir beider vergleichenden Untersuchung mit Reagentienfanden, möchten wir schliefsen, dafs alle drei Sor-ten von Nauclea Gambir bereitet werden unddafs die Verschiedenheit derselben auf der ver-schiedenen Bereitungsart beruhe. Wenn nemlich,wie in der Flora Indiae angegeben, nur geringeWärme zum Ausziehen angewendet und das Ver-dunsten in der Sonne bewerkstelligt wird, so mufsein minder gefärbtes, wahrscheinlich aber auch et-was minder adstringirendes Extract entstehen, alswenn man, wie es an andern Orten geschieht,gröfsere Wärme zu Hülfe nimmt. Das erstere Ver-fahren ist wahrscheinlich bei unsrer ersten Sorte(dem wirklichen Gambir) angewendet worden, wäh-rend das Catechu von Bombay nach der letztenWeise bearbeitet scheint.
Abbildungen.
Hunter Lin. Transact. 1. c. tab. 22 .
Ru mph. 1. c. tab. 34- fig. 2 . 3.
Erklärung der Tafel.
1 . Ein Zweig mit Blüthe und Frucht (nachHunter).
2 . Eine Blüthe, von der Seite gesehen.
3. Eine Blumenkrone, der Länge nach geöffnet und
vergröfsert dargestellt.
4* Der Kelch mit dem Griffel.
5. 6 . Die mit dem Kelch verwachsene Kapsel.
6 . Das eine Fach der Frucht, von der Fuge gese-
hen, mit der fadenförmigen Axe.