Die Blätter stehen horizontal auf sehr kur-zen Blattstielen, sie sind oval - länglich, bald kurzzugespitzt, bald mehr in eine stumpfe Spitze aus-gedehnt, ganzrandig, vollkommen glatt und glän-zend. (Die Pflanze aus den wärmern Gegenden solllänger zugespitzte Blätter haben und ist wahrschein-lich eine eigene Art ) Zwischen den Blattstielen(aber nicht in den Blattwinkeln) stehen sich gegen-über zwei sehr kleine, fest anliegende und daherkaum sichtbare Afterblättchen, die aus einer sehrbreiten Basis in ein kurzes Spitzelten auslaufen.
Die Bl ü then kommen in einfachen horizon-tal-abstehenden Trauben aus den Winkeln der Blät-ter hervor; der gemeinschaftliche ßlüthenstiel istgewöhnlich kürzer als das Blatt, glatt (nach Kuntliin einer Spielart auch weichhaarig). Die besondernBliithenstielchen sind ungefähr zwei Linien lang, nacheiner Seite gerichtet (secundi) und von einemsehr kleinen Deckblättchen gestützt.
Der mit dem Fruchtknoten verwachsene Ke Ichist glockenförmig, undeutlich-fünfeckig mit fünfkurzen, eiförmigen spitzen Zähnen am Saum.
Die einblättrige Bl u m en k r o n e ist trichterför-mig, ungefähr vier Linien lang, glatt, blafs-gelblich ;die ei-lanzettförmigen Abschnitte des Saums sindstumpf, horizontal ausgebreilet oder zurückgebogen.
Die fünf Staubgefäfse sind kürzer als dasBlumenrohr; die Staubfäden sind an der unterstenBasis der Blumenkrone ansitzend, kürzer als dieStaubbeutel und unter diesen weifs behaart; dieStaubbeutel sind aufrecht, blafs-gelb.
Der Fruchtknoten ist mit dem Kelchrohrverwachsen, zweifächrig. Der Griffel ist glatt, weifsund ragt mit der verdickten zweilappigen Narbeaus dem Blumenrohr hervor; die beiden Lappenschliefsen aneinander, weshalb wohl das »Stygmaindivisum» in den Gattungscharacter gekommen ist.
Die Frucht soll nach den Autoren eine kleineschwammige schneeweifse Steinfrucht mit zwei Stein-kernen seyu, die an der Spitze mit dem stehen-bleibenden Kelchzähnen gekrönt ist.
Nach der oben angeführten Nachricht des Herrnvon Langsdorf stammt von dieser Chiococcaracemosa und der folgenden Ch anguifugaM.die Iladix Caincae, Cainca- Wurzel, die inder neuern Zeit auch in Deutschland hie und daals Arzneimittel angewendet wird. Die Wurzel deshier beschriebenen kleinen Bäumchens hatte einesehr ästige Faserwurzel; nach dem Trocknen gingdie Farbe derselben aus gelblich braun in ein dun-kles Grau über; die Rindensubstanz ist innen weifs,etwas mehlig, der holzige Kern ist mehr gelblich.Die frische Wurzel zeichnete sich besonders durchihren starken und unangenehmen, dem Mist —pfulil höchst ähnlichen Geruch aus, der auchnach dem Trocknen noch gröfstentlieils erhallenist; der Geschmack ist sehr unangenehm, etwas bit-ter und scharf. Herr von Langsdorf nennt denGeruch dem Baldrim und der Ipecacuanha ähnlich,was nicht auf unsere Wurzel pafst; es bleibt daherimmer noch die Vermuthuns: übrig, dafs die bra-silische Ch. racemosa eine andere Pflanze sey.Uebrigens stimmen die dünneren Stücke derCainca-Wurzel, die ich der Güte des Herrn Med. RathBergemann verdanke, in Gestalt und Farbeziemlich gut mit unserer hier beschriebenen Wur-zel überein. Im Allgemeinen sind die erhaltenenWurzelstücke sehr verschieden, einige sind mit demuntersten Theil des Stammes versehen, bei andern
ist ein horizontal liegender Theil des Stengels vor-handen, aus dem sich dünne und lange Wurzelfa-sern entwickeln; diese Fasern kommen aber auchgesondert vor. Die stärkern Stücke haben ungefährdie Dicke einer Feder bis zu der eines Fingers unddarüber, sind gekrümmt und drei bis vier Zoll lang;die Rinde bängt fest an dem holzigen Kern an, istkaum eine Linie dick, aufsen grau-braun, zuweilenetwas röthlich, mehr oder minder bestäubt und mitentfernten Querrunzeln oder auch Querrissen be-zeichnet. Im Innern ist die Rinde graulich, dichtund etwas harzig, das Holz ist schmutzig - weifsund sehr porös. Gerieben entwickelt die Wurzeleinen eigenthümlichen unangenehmen Geruch, derdem unsrer frischen Wurzel ähnlich, nur viel schwä-cher. Vielleicht geht durch das Alter der Geruchso weit verloren ?
Nach einer Analyse von Hey land enthält dieWurzel in 200 Gr. Extractivstoff mit Benzoesäurevon widerlichem Geschmack in kaltem Wasser un-löslich 24, ein dunkelbraunes Harz 4> ein gelbesHarz 3, Extractivstoff mit Benzoesäure in kaltemWasser löslich (gummigen Extractivstoff) 2, eine ei-genlhümliche zähe braungelbe adstringirende undsaure Substanz 36, eine balsamisch-bittere Materie6, schwach-bittern adstringirenden Extractivstoff ig,Harz von Vanille-Geruch und Geschmack, Stärk-mehl, phosphorsauren und sauerkleesauren Kalk.
Herr von Santen fand dagegen Emetin,Kautschuk, Gallussäure, Stärk mehl und.Wachs (ßuehn. Repert. XXVII.) — Die Gegen-wart des Emetins bestätigt auch Brandes (ArchivXXVII/) und es ist auch, nach der natürlichenFamilie zu urtheilen, hier zu erwarten. — Sollenaber die beiden Analysen wirklich von derselbenWurzel seyn? Scheint mir fast unmöglich.
An merk, ln Bezug auf die oben angeführteSchrift von Loe wen stein möchte ich noch fol-gendes bemerken: Ich hin nämlich ganz mit Herrnvon Martius einverstanden, wenn er die Ch. an-gui fuga für eine eigene, von Ch. racemosaverschiedene Art hält, Avie diefs auch aus den bei-den hier gegebenen Abbildungen hervorgeht. Wennaber die Wurzel der im bot. Garten zu Münchencultivirten Pflanze ohne Geruch seyn soll, so stehtdiefs mit der unsrigen im directen Widerspruch,wobei ich übrigens noch anführen mufs, dafs ichdie meinige im Winter (nicht Avährend der Blütlie-zeit) aus der Erde nehmen liefs. Wahrscheinlichkommen in diesem Geruch alle Arten der GattungChiococca mehr oder minder überein.
Abbildungen.
Hooker 1. c. tab.
Dill. Hort. Eltham. II. tab. 228. fig. 2 q 5.
Andr. Bot. Repos, tab. 284.
Erklärung der Tafeln.
1. Ein blühender Zweig.
2. Die Bliithe in natürlicher Gröfse.
3. Dieselbe vergröfsert.
4. Ein Staubgefäfs.
5. Eine geöffnete Blumenkrone.
6. Der Kelch mit dem Griffel.
7. Der Fruchtknoten im Durchschnitt.
8. Ein Glied des Stengels mit dem Afterblättchen
(alle Figuren vergröfsert).
Q. Die frische Wurzel eines jungen Sliimmchens.10. Die getrocknete Wurzel, xvie sie im Handelvorkommt.
*) Nach einer neuen Analyse von Brandes, die uns während der Correctur dieses Bogens zukommt, enthält dieWurzel: Emetin an Apfelsäure gebunden, Harz, Weichharz, bittern kratzenden Extractivstoff, eisengrünendenGerbestoff; Schleimzucker, Bassorin, Kautschuk, Satzmehl und Benzoesäure (?). — Archiv. XXX.