Druckschrift 
Icones plantarum medicinalium oder Sammlung officineller Pflanzen : mit lithographirten Abbildungen und Beschreibungen ; ... mit 120 Taf.
Entstehung
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Der Spargel ist auf Sandboden besonders amSeestrande in den wärmeren Gegenden Europas ein-heimisch.

Die Wurzel ist percnnirend und besteht auseinem mehr oder minder verlängerten schuppigenWurzelstock, aus dem sich zahlreiche einfachefleischige gelbe Wurzelfasern entwickeln. Der kraut-artige stielrunde glatte Stengel bildet mit seinenabstehenden zahlreichen Zweigen ein zierlichesBäumchen.

Die Blätter stehen büschelförmig zu vier bisfünf, selten mehrern beisammen, so dafs ein sol-cher Blätterbüschel an der Basis mit einem sehrkleinen Schüppchen versehen ist * sie sind borsten-förmig, ganz glatt, sechs bis zehn Linien lang, auf-recht abstehend oder auch ausgebreitet; an derAveiblichen Pflanze finde ich während der Blütliewenige und kleinere Blätter.

Die Blüthen sind zweihäusig oder polyga-misch und stehen einzeln oder zu zwei auf über-hängenden Blüthenstielen in den Winkeln derAcste und Blätter; die Blüthenstiele sind sechs bisacht Linien lang, glatt und gegliedert; dieses Ge-lenk (der Anfang des Blumenrohrs) ist bei denmännlichen Blüthen ungefähr in der Mitte, beiden Aveiblichen oberhalb derselben.

Die männlichen (oder Zwitter-) Blüthensind etwas gröfser; die Blüthen hülle bestehtaus sechs nur am Grunde verwachsenen aufrechtenovalen stumpfen an den Spitzen etwas auswärts ge-bo genen glatten grünlich - gelben Blättchen. Mankann füglich den obern Theil des Blüthenstiels vondem Gelenk an als das sehr verengte Rohr derBlüthenhülle betrachten. Die sechs Staubfäden ste-hen auf der Basis der Blüthenhülle ; sie sind faden-förmig, glatt, Aveifs und tragen aufrechte gelbeStaubbeutel, mit denen sie in der Blüthenhülle ein-geschlotsen sind; der dreiseitige Fruchtknoten trägteinen kurzen aus drei verwachsenen Spitzen gebil-deten Griffel ohne Narbe.

Die Aveiblichen Blüthen sind nur halb sogrofs als die männlichen ; die Staubgefäfse sind sehrkurz und verkümmert; der Fruchtknoten ist gros- Iser und aus drei verAvachsenen Fächern (Carpellen) Igebildet; der Griffel zeigt ebenfalls deutlich die IEntstehung aus drei vereinigten Griffeln und trägt Idrei verdickte Aveifse flockige Narben. Nach der IBlütlie verAvachsen die Fächer mehr und mehr, Ider Fruchtknoten AA'ird runder und erscheint im IQuerdurchschnitt deutlich dreifäclirig mit zwei Eier- |chen in jedem Fach. I

Die reifen Früchte sind kugelrunde Scharlach- Irothe glänzende Beeren von der Gröfse einer Erbse; Isie sind am Grunde mit der stehenbleibenden Blü- I

thenhüllc venvachsen und enthalten in einem dünnensaftigen rothen Mark sechs ziemlich gröfse halb rundeschwarze Saamen, die aus einem fleischigen Eiweifs-körper bestehen, indem der keulenförmige Embryoin schiefer Richtung liegt.

Die oben beschriebene Wurzel ist die RadixAsparagi der Oflicinen; auch Avaren früher dieFrüchte und Saamen, Baccae et Semina As-paragi olficinell.

Im getrockneten Zustand sind die Wurzelfasernblafs gelblich-grau leicht und biegsam, von schwam-miger Substanz, ohne Geruch und fadem Geschmack,der sich im Alter ganz verliert. Die Wurzel enthältnach Dulong einen schwach bittern Extractivstoff,ein Harz, Zucker, Gummi, Eiiveifs mit salzsaurem,apfel- und phosphorsaurem Kali- und Kalksalzen.

Die jungen Stengeltriebe (Turiones) sind alsein sehr gesundes und Avohlschmeckend es Gemüsesehr beliebt; sie zeichnen sich auch chemisch durcheinen eigenlhümliclien Bestandtheil, das Aspara-gin, und durch den Gehalt an Mannit (nachVau-tjuelin) aus.

Noch müssen wir hier auf die Spargelwurzeldeshalb aufmerksam machen, Aveil sie, besonders inFrankreich, zur Verfälschung der Sassa-parill dienen soll. Sie unterscheidet sich übri-gens leicht von allen uns bekannten Sorten derSassaparill durch ihre av eiche lockere undscliAvammige Struetur ohne einen deutli-chen holzigen Kern.

Anm, Man hat neuerlich auch das Kraut derPflanze als ein sehr wirksa mes diureticum angewendet.

Abbildungen.

Flor. Dan. tah. 8o5.

Hay ne Getr. Darst. VIII. tab. 2 g.

Erklärung der Tafel.

A. l. Ein ZAveig mit weiblichen -

2 . Ein anderer mit männlichen Blüthen.

3. Eine weibliche Blütlie.

4. Dieselbe vergröfsert und mit Entfernung vondrei Schuppen gezeichnet.

5. Eine männliche Bliilhe.

6 . Dieselbe, avíc bei Fig. 4- dargestellt.

7. Ein Blättchen der Blüthenhülle mit einem Staub-gefäfs.

8. Die Frucht, in natürlicher Gröfse.g. io. Dieselbe, im Durchschnitt.

11. Der Saamen.

12 . Derselbe im Längsdurchschnitt und vergröfsertmit dem Embryo.

13. Ein Stückchen der Wurzel.

14 . Ein anderes mit einer austretenden Faser.

B. Die Wurzel mit den jungen Sprossen.

Ein Zweig mit reifen Früchten.