umgeben, der nach der Blüthc zusammenschrumpft. Die Staubbeutel sind grofs, gelb.
Die weiblichen Blülhen bilden in denBlattwinkeln (zwischen den Blattscheiden) grofse,längliche Kolben, die von mehren gerippten undbehaarten Scheiden (spathae) dicht eingewickeltsind, so dafs an der Spitze nur die langen Narbenhervorragen. Bei dein Oeffnen dieser Scheiden fin-det man eine fleischige Axe, an der die zahlreichenBlüthenährchen in schiefen Reihen, zu zwei ein-gesenkt, ansitzen. Die einzelnen Aehrchen sindtheils ein— oder gewöhnlich zweiblüthig, dieseszweite Blüthchen ist aber unfruchtbar, besteht nur, aus den Spelzen und dem Rudiment eines Frucht-knotens, der als ein Spitzelten oder seltner als einrunder weifser fast durchscheinender Körper er-scheint. Die Spelzen besteheu aus vier oder sechsdurchsichtigen breiten, weifsen, nervlosen Schup-pen, welche sich an der Seite umfassen und an derSpitze in der Mitte ausgerandet sind; die äusserndieser Schuppen, (die untern Kronspelzen) sind ge-wimpert. Die Deckspelzen (lodiculae) stehen ander oberen Seite am Grunde des Fruchtknotens alszwei kleine fleischige ebenfalls ausgerandete Schüpp-chen.*) Der Griffel ist sehr lang und trägt eineeinfache verlängerte mit entfernt - stehenden Här-chen besetzte (gefiederte) Narbe.
Die Cariopsen (die Früchte) sind rundliche,etw'as zusammengedrückle Körner von der Gröfse einergrofsenErbse, siesind in verschiedenen Spielarten vongoldgelber oder rother oder auch weifser, violetteroder selbst bunter Farbe, innen weifs und mehlig.
Man hat in der neuern Zeit dieses Gras alsArzneipflanze empfohlen; besonders hat Dr. An-dri eux die männlichen ßlüthen als ein wirksamesdiureticum gerühmt, was uns zunächst veranlafste,hier eine möglichst vollständige Darstellung dieserausgezeichneten Pflanze aufzunehmen, um so mehr,da uns noch keine gute Abbildung davon bekanntist. Als Nahrungsmittel sind die Körner des Maysfür den gröfsten Theil von Amerika eben so wichtig,wie bei uns die bekannten Getraidearlen. Aufser diesenmehlreichen Samen ist der Mays aber auch in man-cher andern Hinsicht nützlich; die dicken Halmesind in den lieifseren Ländern reich an Zucker,eben so die unreifen weiblichen Blüthenkolben,welche auf verschiedene Weise zubereitet genossenwerden. Endlich ist das ganze Gras unter allenFutterpflanzen die trefflichste Nahrung der PferdeDie Cultur dieses Grases ist daher in den wärmernGegenden Deutschlands nicht genug zu empfehlen.
Die Mayskörner enthalten nach Gorham undßizio Stärkemehl 77 pCt. Kleber oder Pflanzen-leim (Zein) 3 . mit Pflanzeneiweifs, Zucker, Gummi,Extractivstolf, phosphorsauren und schwefelsaurenKalk.
Anm. Nach Roulin kommt in den tieferliegenden Gegenden von Columbien nicht seltenauf dem Mays die durch einen Pilz (Sphacelia Lev.)entstehende Misbildung des Fruchtknotens vor, diewir Mutterkorn nennen. Dieses Mutterkorn desMays zeigt dieselbe narçotisch - giftige Wirksamkeitauf Thiere und Menschen, wie unser gemeines Mut-terkorn; Papagaien und Affen sollen von dem Ge-nufs desselben sterben und den Menschen fallendie Haare und selbst die Zähne dadurch aus. Merk-würdig ist hierbei, dafs diese giftige Wirksamkeitdurch den Transport über die hohen und kaltenCordilleras- Gebirge ganz zerstört werden soll.
Nach einer neuen chemischen Untersuchung desgemeinen Mutterkorns auf Secale cereale vonWiggers enthält es folgende Stoße : Schwammsub-stanz (Fungin) 46 pCt. ein farbloses fettes Oel 35 ,einen dem Osmazom ähnlichen Stoff 7, einen gum-migen stickstoffhaltigen Extractivsloff 2, eigenthüm-liclien Zucker 1 , 5 , Eiweifs 1,4, Ergotin (der wirksa-me Stoff 1,2, eine weiche crystallisirte Substanzund Cerin (S. Annalen der Pharm. 1 . 1. und Buchn.. Rep. XXXVI.) Es geht aus dieser Untersuchungeine grofse Uebereinstimmung in dem chemischenVerhalten des Mutterkorns mit dem der Schwämmehervor und es ist gewifs sehr merkwürdig, dafs derkrankhaft veränderte Fruchtknoten jetzt gar keinSatz mehl mehr enthält. Uehrigens ist man überdie Natur des Mutterkorns noch immer nicht ganzim Reinen und wir müssen vor der Hand bei uns-rer früher ausgesprochenen Meinung beharren, dafsdie auf dem Fruchtknoten sich ansetzende Spha-celia Lev. die gänzliche Umbildung desselben indas sogenannte Mutterkorn veranlasse; der so pilz-artig gewordene Fruchtknoten ist der Träger oderdas Stroma der Sphacelia und wenn wir das Ganzeals einen Pilz betrachten wollen, so ge-hört er doch nicht zu den Sclerotiaceen,sondern als eigene Gattung zu den Conio-mycetes suffulti. Betrachten wir aber das Mut-terkorn nur als die nicht zu der Sphacelia ge-hörige Unterlage, so ist diese zunächst mit Gym-nosporangium oder Podisoma verwandt.
ln botanischer Hinsicht verdient dieses schöneGras noch einer besondern Berücksichtigung, weiles der einzige bekanntere Représentant der Oly-reen ist und uns an die Verwandtschaft der Gräsermit den Palmen erinnert, die bei der Betrachtungder gemeinen Grasformen schwieriger zu finden ist.
Abbildungen.
Blackw Herb. tab. 547 -
Erklärung der Tafeln.
A. 1. Die blühende Pflanze, verkleinert dargestellt.
2. Die männlichen Blüthenähren, in natürlicherGröfse.
3 . Ein Blüthenährchen, vergröfsert.
4 . Eine Kelchspelze.
5 . Eine äufsere Kronspelze.
G. Eine innere.
7 . Die Staubgefäfse mit dem schildförmigen Kür-per.
B. 1. Der weibliche Blüthenkolben.
2. Ein Stück Blatt mit den Haaren auf der obernSeite.
3 . Ein Kolben mit reifen Früchten.
4 . Ein weibliches Aehrchen, ausgebreitet undvergröfsert.
5 . Die beiden Aehrchen.
6. Die fruchtbaren Blüthchen mit abgeschnitte-nem Griffel.
7. Eine Kelchspelze.
8. Eine innere Kronspelze.
9. Eine äufsere.
10. Der abortirte Fruchtknoten.
11. Derselbe mit dem Spitzelten.
12. i 3 . Die Frucht (caryopsis).
14. Der Fruchtknoten mit den Deckscliuppen (lo-diculae), stark vergröfsert.
15 . Der Fruchtknoten mit dem Griffel, in natür-licher Gröfse.
*) Wenn man ein weibliches Blüthenährchen nach ¿1er Blüthe untersucht, so kann man clie Stellung dieser Schuppenbesser beobachten: Auf der untern Seite steht eine sehr breite ausgerandete Kelchspelze, unter ihr liegt eineetwas kleinere Kronspelze, in deren Winkel der Fruchtknoten abortirt ist, dann folgt eine ähnliche und nocheine, die zu dem fruchtbaren Blüthchen gehört und den Fruchtknoten deckt. Auf der oberen (oder hinteren)Seite fehlen blofs die Kronschuppen des abortirten Blüthchens. Die Analyse dieser Blüthentheile ist etwasschwierig, daher auch der Gattungscharakter bei den verschiedenen Autoren ganz verschieden aufgestellt wurde.Wir fanden den Bau dieser Grasblüthen am besten mit der von Schreber (Gen. plant.) gegebenen Beschrei-bung und mit Raspa ils Untersuchung übereinstimmend. — Link sagt (in dem Handb. der nutzb. Gew.):„Germen valvis truncatis indeterminatis inclusa.“