Der gemeine oder Feld-Schachtelhalmist auf Feldern durch ganz Deutschland als gemei-nes Unkraut verbreitet.
Der unterirdische Theil der Pflanze, ein wah-rer Mittelstock, ist ästig gegliedert, oft sehr tiefund weit verbreitet; er ist dunkel braun mit helle-rem Filz bedeckt und an den Gelenken mit dünnenschwärzlich quirlförmig stehenden Wurzelfasern ver-sehen; zuweilen findet man nachßisclioff an denGelenken der Wurzeln eirundliche Knollen.
Aus der Spitze dieses Stocks und seiner Aesteentspringen im Frühling die sogenannten Frucht-schäftc (Scapi fructiferi). Sie sind aufrecht,einfach, gegliedert, gestreift, glatt, innen hohl, blafsrüthlich-weifs; an den Absätzen, die an der Basisviel näher als gegen die Spitze beisammen stehen,sind etwas aufgeblasene, ungefähr einen halben Zolllange Scheiden, die fast bis zur Hälfte in 10 — i3lang und fein zugespitzte breite Zähne gespaltensind. Die Fruchtähre (Fruchtkätzchen oderFruehtzapfen) ist walzenförmig, besteht aus denkleinen fünf- oder sechseckigen schildför-migen Fruchtböden (receptacula), an derenuntern Seite die zarten weifsen häutigen weit auf-springenden Sporenfrüchte (sporocarpia)ansitzen. In diese sind die runden Sporen mit ih-ren so eigenthümlichen keulenförmig-ver-dickten Fäden (Schleudern) enthalten, die mauaber nur vor dem Auseinandergehen der Schildchenfindet.
Etwas später steigen seitlich aus dem Wurzel-stock dieBlattwedel (frons s. caules steriles) auf.Diese unfruchtbaren Stengel sind aufrecht, aberschwach und schwank, gefurcht, rauli^ grün, einenbis anderhalb Fufs hoch; sie sind an den Absätzenmit kürzern ebenfalls spitz-gezahnten Scheiden undquirlständigen langen tief vier- bis fünfsei-tigen gegliederten Aesten besetzt; dieseAeste sind an dem untern Theil der üppig wachsen-den Pflanze gewöhnlich wieder ästig; man zählt audiesen Wedeln gewöhnlich zehn Furchen und ebenso viel Aeste.
Die unfruchtbaren Wedel sind das Schaft-heu, Herba Equiseti der Officinen. Dieses Krautist ohne Geruch; den Geschmack finden wir auchim frischen Zustand nur sehr wenig scharf.
Die Wurzelknollen sollen nach Smelowskygegen 18 p. C. Stärkmehl mit Kleber und Schleirn-zucker enthalten, so dafs sie nach dieser Zusam-mensetzung als Nahrungsmittel gebraucht werdenkönnen. — Braconnot fand in 5oo Theilen des
Equisetum fluviatile folgende Bestandthoile:.Wasser 4o6, Faser 26 , Kieselerde 21 , Gallertsäure11 , schwefelsauren Kalk 6 , equisetsaure Magnesia 5,schwefelsaures Kali 5, schwach zuckerige Materie 4»Spuren eines feiten Stoffs mit Chlorophyll, einerstickstoffhaltigen Materie und phosphorsauren Kalisund Kalks. (Br. Ann. de Chimie XXXIX.) — Sehrwahrscheinlich kommen alle die nahe verwandtenArten dieser Gattung in ihren chemischen Eigen-schaften überein. *
Anm. Man kann diese Art nicht leicht miteiner andern verwechseln. Eq. pallustro hat ei-nen giatten (nicht rauhen) Wedel mit fünfeckigenAesten und trägt auf diesen die Früchte. — Eq.fluviatile s. eburneum ist viel gröfser unddurch den rein weifsen, Elfenbein ähnli-chen Wedel ausgezeignet. — Eq. limosumwächst im Wasser und Eq. liyemale, der eigent-liche Schachtelhalm der Schreiner, hat einen sehrrauhen, ganz einfachen, an der Spitze eine Frucht-ähre tragenden Wedel.
Abbildungen.
Bischoff 1. s. c. lab. 3 et [\.
Vaucher 1. c* tab. I.
Erklärung der Tafeln.
A. 1 . Ein Fruchtschaft mit der Wurzel.
2 . Die Wurzelknollen, von zwei Seiten.
3. Eine Wurzelknolle im Durchschnitt.
4. Die Knospe eines Fruchtschaftes.
5. Ein Fruchtboden mit einigen Sporenfrüchten,
von der Seite gesehen.
G. Ein ganzer Fruchtboden, von der unternSeite.
7 . Eine Spore mit den zusammen gewickelten
Schleudern.
8 . Dieselbe mit ausgebreiteten Schleudern.
9 . Eine Spore, noch stärker vergröfsert mit
ihrem körnigen Inhalt.
B. 1 . Ein Blattwedel.
2 . Ein Stück vom Stengel mit abgeschnittenen
Aesten.
3. Ein Stück eines Astes.
4 u. 5. Durchschnittè von Aesten, alle Figurenvon Fig. 3 an stark vergröfsert.
G. Ein sehr stark vergröfserter Durchschnitt desStengels um die innere Struktur zu zeigen,nach Bi sch off’s Zeichnung.
7 . Die Knospe eines Wedels, in natürlicherGröfse.