Benenn
Holl.
Spoor.
D a e n.
Söm.
Engl.
The spur.
Franz.
Ergot.
Ital.
Grano allogliato.
Das Mutterkorn (Secale cornutum, cla-vus), entsteht bei ungünstiger, besonders allzufeuchter Witterung ziemlich häufig auf verschiedenenGrasarten, doch ist es besonders häufig auf demRoggen Secale cereale und nur dieses ist alsMutterkorn allgemein bekannt.
Ueber den Grund der Entstehung dieses Mut-terkorns sind die Naturforscher bis jetzt sehr ver-schiedener Meinung gewesen, indem man theils dasganze Gewächs als einen Pilz betrachtete oder esfür eine durch den Stich eines Insects entstandeneDeformität des Fruchtknotens betrachtete. Wir neh-men jetzo mit Le veille an, dafs sich auf dem nochganz jungen Fruchtknoten die Sp ha celia als eineklebrige übelriechende Flüssigkeit ansetzt, und dafsder dadurch erkrankte Fruchtknoten zu dem so-genannten Mutterkorn heran wächst.
Es erscheint zwischen den Spelzen (nicht»Spitzen,» wie es durch einen Druckfehler in demHandbuche heifst) als ein walzenförmiger etwas ge-krümmter, auf zwei Seiten mit einer vertieften Li-nie versehenen Körper, einen halben bis ganzenZoll lang und eine bis zwei Linien dick; auf deräufsern Seite ist es schmutzig-violett oder schwärz-lich, innen weifs. Unter starker Vergrößerung zeigtsich, dafs es aus rundlichen Zellchen besteht, diegegen die Peripherie noch kleiner werden und sichdicht aneinander schliefsend gleichsam eine Epider-mis bilden. Man kann hierin den krankhaft-ver-änderten (monströsen) Fruchtknoten des Roggensnicht verkennen.
An der Spitze bemerkt man (aber nicht an al-len Exemplaren, weil dieser Theil leicht abfällt) ei-nen kleinen gelblichen oder bräunlichen etwas runz-ligen zuweilen am Grund unregelmäfsig-gelapptenAufsatz, den wir als die vertrocknete Spha-celia, den eigentlichen Pilz ansehen. Im Wasserwird diese gleichsam ein Mülzchen bildende hin-fällige Spitze des Mutterkorns weich, gallertartig,
erschien uns unter dem Mikroskop als eine gefalteteMembran, aus der sich sehr zahlreiche äufserstkleine Keimkörner (Sporae) absonderten.Bei noch stärkerer Vergröfserung betrachtet zeigtees sich, dafs diese ganze Haut aus Sporen (?) be-stand, die bei einigem Druck gänzlich auseinanderfielen.
Da dieser Pilz, im Verhältnis zu dem ganzenGewächs, nur ein kleiner Theil ist und oft ganzfehlt, so kann man die Wirksamkeit des Mutter-korns nicht ihm, sondern dem krankhaft-verän-derten Fruchtknoten zuschreiben.
Der Geruch des Mutterkorns ist unbedeutend,der Geschmack ist schwach bitterlich, etwas scharf.Nach Winkler hat das wäßrige Destillat einen be-täubenden Geruch. — Nach Vauquelin enthältdas Mutterkorn: einen blafsgelben übelriechendenExtractivstofF, ein fettes Oel, einen gummigen vio-letten Farbestoff, eine Säure, wahrscheinlich Phos-phorsäure und eine stickstoffhaltige (dem Kleberanaloge) Substanz. — Die Analyse von Pettenko-fer stimmt hiermit ziemlich überein.
Die Abwesenheit des Satzmehls wird schon durcheinen einfachen Versuch mit Jod, wodurch keineblaue Farbe erzeugt werden kann, bestätigt; es istdaher um so auffallender, wenn nach einer Analysevon Schräder Satzmehl und die gewöhnlichenBestandtheile der Grassaamen in dem Mutterkornangegeben werden.
Erklärung der Tafel.
1. Eine Kornähre mit Mutterkorn.
2. Ein Stück mit zum Theil entfernten Spelzen.
3 . 4 * 5 . Mutterkorn von verschiedenen Seiten ge-
zeichnet, mit der noch aufsitzenden Sphacelia.
6. Die Spitze desselben, vergrÖfserl.
7. 8. Mutterkorn ohne den Pilz, in natürlicher
Gröfse.
g. Ein Stückchen des Mutterkorns im Querdurch-schnitt, sehr stark vergröfsert.
10. Ein Stückchen der Sphacelia, unter sehr star-ker Vergröfserung gezeichnet.
11. Ein anderes dünneres Stückchen, noch stärkervergröfsert, um das Zerfallen in Sporen zuzeigen.