Druckschrift 
1 (1790) Ueber den menschlichen Verstand
Entstehung
Seite
647
Einzelbild herunterladen
 

Dritter Verfuch.

647

Torftellen laffen, und dafs man wenigftens die Prä-dikate diefer formellen Bedingungen unabhängigvon den Dingen, welche der Form gemäfs geordnetlind, betrachten könne, dafs es gewiffe Bedingun-gen giebt, ohne welche unfer Erkenntnifsvermögengar nicht Gegenftände erkennen kann, und dafseben um deswillen a priori beftimmt werdenkann, dafs alle erkennbare Gegenftände diefen Be-dingungen gemäfs feyn miiffen, dafs diefe Bedingun-gen felbft Gegenftände unfers Erkenntnifsvermügenswerden können u. f. w.; fo würden jene Schwierig-keiten lieh alle von felbft geholten haben. Denn esift zwar wahr, dafs fich gewöhnlich zu der Vorftel-lung des Baums und der Zeit irgend ein Bild gefel-let; aber wir wiffen auch', dafs wir von der Quali-tät diefes Bildes, das heifst im Grunde fo viel alsvon dem Bilde felbft, fo fern es ein Bild ift, gänz-lich abftrahiren miiffen, und dafs das Bild ein blof-fer Behelf utifrer Einbildungskraft ift, um in dem-felben die reiu.cn Raum - und Zeitverhältnifle deftobeffer anfehauen zu können. Denn wir haben fchonoben die Eigenfchaft unfers Erkenntnifsvermögensbemerkt, dafs die Einbildungskraft fogleich gefchäf-tig ift, zu den abftrakten Vorftellungen Bilder her-beizuführen, um die Realität derfelben fogleich inConcreto vorzuftellen. Aber die Qualitäten dieferBilder felbft gehören nicht zu den Merkmalen die-fer abftrakten Vorftellungen. Es darf fich daherniemand wundern, dafs er den Raum und die Zeitnicht als wirkliche Geeenftände anfehauen kann,

w*

ohne