200 Ueber die menfchliche Natur.
der gröfsten Geheimniffe in der Philofophie gewe-fen zu feyn; wiewol keiner nicht einmal vermu-thet hat, dafs eine Schwierigkeit darin läge, diefeszu erklären. Ich für meinen Theil mufs geftehen,dafs ich fehr grofse Schwierigkeiten hierbei finde,und dafs ich, felbft wenn ich die Sache ganz zuverftehen glaube, doch wegen den Ausdrücken inVerlegenheit bin, wodurch ich meine Meinung aus-drücken foll. Ich fchliefse durch eine Induktion,die mir! fehr evident zu feyn fcheint, dafs eine Mei-nung oder ein Glaube nichts fey, als ein Begriff,der von einer Erdichtung nicht feiner Natur oderder Ordnung feiner Theile nach verfchieden ift,fondern blos der Art und Weife nach, wieer vorgeftellt wird. Aber wenn ich diefe Art und.Weife erklären follte, fo finde ich kaum einWort, welches das, was ich fagen will, vollkom-men ausdrückt, fondern felie mich genöthigt, michauf Jedermanns Gefühl zu berufen, um ihm einevollkommne Erkenntnifs von diefer Operation derSeele zu geben. Ein Begriff, der Glauben erweckt,erregt ein Gefühl, das von einem folchen, derblos erdichtet ift, und den die Phantafie uns [alleindarftellt, ganz verfchieden ift: Und diefen Unter-fchied des Gefühls bemühe/ich mich dadurch deut-lich zu machen, dafs ich ihm eine grüfsere Stär-ke, oder Lebhaftigkeit, oder Solidität,oder Feftigkeit, oder Beftändigkeit bei-lege. Diefe Mannichfaltigkeit der Ausdrücke, wel-che freilich nicht fonderlich philofopliifch zu feyn
fcheint,-