78 Ueber die menfchliebe Nattfr.
icli mich aber in eine fpecielle Unterfuchung dieferGründe und Einwürfe einlaffe, will icli fie hier allein eins zufammenfaffen, und mich bemühen, kurzund entfeheidend mit eineminale darzuthun, dafses ganz unmöglich ift, dafs fie hinreichend gegrün-det i’evn können.
Es ift ein fefter Grundfatz in der Metaphyfik,dafs, was die Seele fich deutlich vor-ftellt, auch den Begriff d e r \ möglichenExiftenz in fich fchliefse, oder mit an-dern Worten, dafs nichts, was wir unseinbilden, abfolut unmöglich fey. Wirkönnen uns einen Begriff von einem goldenen Ber-ge machen, und daraus fchliefsen, dafs ein folcherBerg auch wirklich exiftiren könne. Wir könnenuns keinen Begriff von einem Berge ohne Thal ma-chen , und feilen alfo ein folches Ding als etwasUnmögliches an.
Nun aber ift es gewifs, dafs wir einen Begriffvon der Ausdehnung haben. Denn wie könntenwir fonft darüber riifonniren? — Es ift ferner ge-wifs , dafs diefer Begriff, der in der Einbildungs-kraft formirtift, nicht ins Unendliche theilbar ift,denn ob er gleich in kleinere Theile aufgelöft wer-den kann, lo befteht er doch nicht aus einer un-endlichen Anzahl von Theilen, weil dies die Faf-fungskraft unfrer eingefchränkten Fähigkeiten über-fchreitet. Hier ift alfo ein Begriff von Ausdehnung,welche aus Theilen befteht, die ab:olut untheilbarlind, folglich enthält cliefer Begriff nichts Wider-