Deutschlands aufgefordert wurden, Entwürfe zur Ausmalung des Saaleseinzusenden. Der Stoff derselben sollte der Geschichte Karls des Grossenentlehnt werden. Alfred Rethel, der vierundzwanzigjährige Jüngling,schlug seine Konkurrenten siegreich aus dem Felde. Ihm wurde auch dieAusführung seiner Kompositionen übertragen. Indessen verzögerte sichdiese durch allerlei Zwistigkeiten, welche sich in Aachen, durch ultramon-tane Einflüsse hervorgerufen — Rethel war Protestant—, erhoben. Inzwi-schen unternahm Rethel im Jahre 1842 eine Reise nach Dresden. Die Schätzeder dortigen Gemäldegalerie machten einen gewaltigen Eindruck auf denmit grossen Plänen erfüllten Künstler. Vor der Raffaelschen Madonnades heiligen Sixtus ward ihm nach seinen eigenen Worten »eine herr-liche Bestätigung«, dass der Weg, den Veit ihm angegeben, der richtigesei. Dieses Selbstbekenntniss ist für die Beurtheilung des Künstlers un-gemein schätzbar. Ist Veit auch nicht sein Lehrer im eigentlichen Sinnegewesen, so war er doch für ihn der Vermittler der Ideen des Cor-nelius. Die Schwingen seines Genius trugen ihn auch bald über Veithinweg an die Seite des Cornelius, den er zwar nicht an Universalitätdes Geistes erreichte, aber doch auf dem engeren Gebiete der Historien-malerei übertraf, indem er gleich Cornelius an Dürer anknüpfte und,auf Cornelius’ Spuren weiter fortschreitend, die Reckenhaftigkeit dermittelalterlichen Helden zu einem vollendeten, durch keine Bizarrerienund Unbeholfenheiten getrübten Ausdruck brachte.
Nachdem er noch im Römer zu Frankfurt a. M. vier Kaiserbildnisse,Philipp von Schwaben, Maximilian I. und II. und Karl V., und für diedortige Nikolaikirche den »auferstandenen Christus« (Karton in der Ber-liner Nationalgalerie) ausgeführt hatte und von 1844 bis 1845 in Italiengewesen war, begann er mit den Entwürfen und 1847 mit den Kartonsfür die Aachener Fresken. Während der Sommer von 1847 bis 1851arbeitete er auch selbst an der Ausführung, wozu er sich in Frankfurtdadurch vorbereitet hatte, dass er den Schutzengel des Kaisers Maxi-milian auf der Martinswand in Gestalt eines Hirten, einer Figur auseinem in Oel ausgeführten Gemälde, an die Wand seines Ateliers malte.Die Figur ist später von der Wand losgelöst und in das neue StädelscheMuseum überführt worden. Ks war Rethel nur beschieden, vier von denacht Kompositionen zur Geschichte Karls des Grossen in Karton undFresko auszuführen: die Zerstörung der Irmensäule bei Paderborn, KarlsEinzug in Pavia, die Sarazenenschlacht bei Cordova und Kaiser Otto III.in Karls des Grossen Gruft. (Diese Kartons und ein fünfter, die TaufeWittekinds, befinden sich in der Berliner Nationalgalerie.) Die vierübrigen Fresken und Kartons — ausser der Taufe Wittekinds noch die