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2 (1894) Die deutsche Kunst : Abschnitt 1 ; 1795-1848
Entstehung
Seite
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Richter eine glückliche, nur durch die Kriegsereignisse von 1813 ge-trübte Jugend. Das »bürgerliche Kleinleben«, welches sich besondersin dem Kramladen seines Grossvaters abspielte, regte frühzeitig seinePhantasie an, und die damals gesehenen Typen und Szenen blieben inseinem Gedächtniss haften. »Das kleine Müllerlädchen, schreibt er inseinen Erinnerungen, mit seiner Kundschaft, die in einem armen Stadt-viertel eine meist bunt-charakteristische ist, hat gewiss auf mein künst-lerisches Gestalten in späteren Jahren viel Einfluss gehabt, unbewussttauchten diese Geister alle auf und standen mir Modell.« Daneben ent-wickelte sich in dem Knaben frühzeitig eine warme Liebe zur Natur,die' sich freilich an das Einzelne hängte, an die Blumen und Früchtedes Gartens, an Bäume und die Vögel in ihren Zweigen, was später zueiner Eigenthümlichkeit Richters wurde. Mit zwölf Jahren trat er indie Werkstatt des Vaters, dem er bei seinen Kupferstichen half, die jenerfür Kalender und andere buchhändlerische Unternehmungen anfertigte.Im Winter besuchte er die Gypsklasse der Akademie, wo er nach derAntike zeichnete; im Uebrigen aber bildete er sich durch Kopiren vonKupferstichen und Radirungen älterer Meister. Bald wurde ihm auchein grösserer Auftrag zu Theil, nämlich eine Reihe von malerischen An-sichten von Dresden und seiner Umgebung zu radiren, zu welchen erdie Zeichnungen nach der Natur aufzunehmen hatte. Aber die von demVerleger vorgeschriebene Auffassung widerstrebte seinem malerischenGefühl; »denn man suchte meistens weite Aussichten, die mehr Land-karten als in malerischen Formen abgeschlossenen Bildern ähnelten.«Ende 1820 kam in das ewige Einerlei des Vedutenzeichnens und Ko-pirens eine Abwechslung hinein. Richter wurde gegen ein Jahrgehaltvon hundert Dukaten bei freier Station von dem russischen FürstenNarischkin als Begleiter auf einer Reise nach Frankreich, England undItalien engagirt, um während derselben Skizzen nach der Natur anzu-fertigen. Die Reise führte jedoch nur durch das südliche Frankreichbis nach Paris und dauerte nur sieben Monate. Richter wurde auchnicht künstlerisch durch dieselbe gefördert, abgesehen davon, dass ereinige südfranzösische Motive heimbrachte, die er in einer weichen, ver-schwommenen, sentimentalen Manier in Oel und Sepia ausführte. Erstin der Heimath, wo er eine neue Folge von Prospekten aus der Um-gebung Dresdens für den Kunsthändler Arnold begann, fühlte er sichwieder wohl. Die Radirungen des Idyllenmalers Salomon Gessner undDaniel Chodowieckis waren um diese Zeit die künstlerischen Vorbilder,an denen er sich weiter entwickelte. »Die landschaftliche Naturauffas-sung Salomon Gessners, sagt er in seinen Erinnerungen, und Daniel Cho-