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2 (1894) Die deutsche Kunst : Abschnitt 1 ; 1795-1848
Entstehung
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mit fein ausgebildetem Schönheitssinn die Natur zu erfassen und dabeidas Wesentliche von dem Unwesentlichen zu scheiden habe.« Spätersetzte Schnorr die ihm lieb gewordene Beschäftigung mit den Reizender italienischen Natur fort, und so entstanden gegen hundert sauber inFeder, Sepia und Tusche ausgeführte Landschaftsbilder fast aus allenTheilen Italiens, von Florenz bis Taormina, welche den Zeitraum von1819—1827 umfassen*). JJine besondere Vorliebe widmete Schnorr demAlbanergebirge und den Sabinerbergen mit Olevano^} Der Hauptvorzugdieser anmuthigen Landschaften liegt auf der Seite des Architektoni-schen , das Schnorr mit ausserordentlichem Scharfblick für das Cha-rakteristische der Formen wiederzugeben wusste. Diese architektonischenStudien waren späterhin für ihn von grossem Nutzen. Auf seinen reif-sten Schöpfungen zeigt er sich als selbstständig erfindender Architektvon hervorragender Begabung. Eine andere Frucht seines italienischenAufenthalts war eine Serie von Bildnissen aus den Jahren 1818—1824.Mit den einfachsten Mitteln — Bleistift, Feder und Sepia — erreichteSchnorr eine Lebendigkeit, eine Frische, in der ihm keiner von den Mit-strebenden auf dem Gebiete des Bildnisses gleichkam. Corneliusfehlte der Sinn für das Individuelle, Persönliche bekanntlich ganz. InSchnorr tritt uns ein Bildnissmaler entgegen, der alle Eigenschaften einessolchen in vollem Maasse besitzt und der es namentlich versteht, diegeistigen Qualitäten des dargestellten Individuums auf das deutlichsteund verständlichste zum Ausdruck zu bringen. Es sind meist Künstlerund Schriftsteller, die er portraitirt hat: Thorwaldsen mit seinem ehr-furchtgebietenden Jupiterkopf, den vornehmen Karl Begas, Overbeck,Riickert, Wilhelm Müller, den Dichter der Griechenlieder, dann seinenGönner den Marchese Massimi, den Freiherrn von Stein u. a. m.

Die Ausführung der Ariostofresken nahm Schnorr während derJahre 1820—1826 in Anspruch. Der Zeitraum war lang genug, dass erwährend desselben alle Schwankungen überwinden konnte, welche seinemStile bis dahin anhafteten. Er fühlte daher das Bediirfniss, nach Ab-schluss der Arbeiten noch einmal die geistige Erhebung , welche er ausdem Gedichte geschöpft, bei völlig gereiftem Können in einem Cyklusvon sechs Federzeichnungen »Angelika und Medoro« (1827, Leipzig, imstädtischen Museum) zum Ausdruck zu bringen. Auch in seinen letztenLebensjahren wurde die Erinnerung an die erste ruhmvolle That seinerJugend wach, indem er 1869 denselben Cyklifs in Sepia wiederholte.

®) Fünfundzwanzig dieser landschaftlichen Studien, deren Motive Frascati, Genzano,Albano, Ariccia, Nemi, Castel Gandolfo, Olevano, Palestrina, Sorrent, Neapel, Taorminaund Agrigent entnommen sind, hat Max Jordan 1S7S (Berlin)'in Lichtdrucken veröffentlicht.