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2 (1894) Die deutsche Kunst : Abschnitt 1 ; 1795-1848
Entstehung
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Die Mehrzahl der jungen Künstler, welche Frankreich verliessen, um ihreStudien in Italien zu machen, kehrte nach einem gewissen, meist sehrkurz bemessenen Zeiträume wieder in die Heimath, besonders nach Pariszurück, während viele deutsche Künstler froh waren, wenn sie die Heimathhinter sich hatten und den Rest ihres Lebens in Italien zubringen konnten.Der Zug nach Italien wurzelt tief im deutschen Gemüth. Was Dürereinst in Erinnerung dessen, was ihm seine Vaterstadt bot und bietenkonnte, aus Venedig schrieb: »O, wie wird mich nach der Sonnen frieren!«,dieses Wort hat seitdem in den Herzen aller deutschen Künstler nach-gezittert, welche über die Alpen nach dem gelobten Lande zogen undwieder heimkehren mussten, ehe sie des Herzens Sehnsucht vollkommengestillt:

Diejenigen deutschen Künstler aber, welche für längere Zeit oderfür immer in Italien bleiben durften, haben darum ihr nationales Geprägenicht verloren. Auch in der wälschen Umgebung blieb der germanischeKunstgeist so kraftvoll und selbständig, dass er seine eigenen Wegesuchte und fand, dass er sich die Schöpfungen vergangener Kunstepochenassimilirte und unterthan machte, dass er sich schliesslich über allemFremdartigen in seiner ursprünglichen Eigenthümlichkeit erhob und sichindividüeller und bedeutsamer entwickelte als in der politisch zerrissenenHeimath. Auf italischem Boden fand sich sogar zu einem gemeinsamenStrome zusammen, was sich gesondert in England und Dänemark, inSchweden und Deutschland entwickelt hatte. In Italien fallen die natio-nalen Schranken: Carstens und Thorwaldsen sind keine Dänen, Corneliusund Overbeck keine Deutschen mehr. Die Stammeseinheit verwischtdie lokalen Unterschiede, und eine allgemeine germanische Kunst erwächstauf italienischer Erde. Auch für eine Darstellung der Anfänge der neuerendeutschen Kunst müssen diese Schranken beseitigt werden. Carstens undThorwaldsen gehören der deutschen, nicht der dänischen Kunstgeschichtean. Eine dänische Kunst im nationalen Sinne giebt es überhaupt nicht,ebensowenig wie eine schwedische und norwegische. Nicht eine be-stimmte nationale Eigenthümlichkeit, sondern nur der Zufall der Geburtentscheidet über die Zugehörigkeit eines Künstlers zu einem der skandi-navischen Länder.

Was wir von der Erneuerung der deutschen Kunst auf italienischemBoden gesagt haben, gilt nur von der Malerei und von der Plastik. DieArchitektur, welche schon durch ihre Grundbedingungen an die Schollegebunden ist, hat die Keime des neuen Aufschwungs nicht durch direkteBerührung mit Italien, sondern gewissermaassen durch literarische Studienin sich aufgenommen, welchen die Baukünstler später praktische Er-