SSofaJellerncn. Jßolabltlartflt. $as einzelne 2Bort bitbet bei ber Erlernungunb für ben ©ebraudj ber ©prad[je bie erfte ©runblage, ben natürlichen 2tuggangg=punft; bie ÜSbrter finb bie thatfädjlidjen Seftanbteile ber ©pradjmaffe, bie ©lieber,nu§ benen ein ©anjeg ober bag ©anje fid; zufammenfe|t. Sag 2Bort f)at bie erfte©teile, gleid;oiet ob eg fid) um Erlernung ber fOiutterfpradje burd) ©eroöljnung oberum Erlernung einer fremben toten ober lebenben ©pradje unter meljr ober roenigerfcfjulmäfjigem unb methobifd;em Verfahren Ijanbelt. Sag Kinb, wenn eg fid) jur©prad;fäl;igfeit entroidett tjat, fafjt bie SBörter, roeld;e bie in feinen ©efidjtgfreig fal=lenbett ©egenftänbe bejeid;nen, mit bern Dl;r auf, fpridjt fie attmäl;lid; richtig nach unbgenannt nad) unb nadj einen SSorrat oon SBörtern, b. i. oon lautlichen ^Bezeichnungenfür ©adjeit unb begriffe, föiujt bag Kinb im frül;eften 2llter bei Erlernung berSOiutterfpracfje in ber Siegel ben ©egenftanb unb bag ihn bejeidjnenbe 2öort gleichzeitigauffaffen unb lernen, fo hat eg fpäter, raenn eg eine frembe ©prache lernt, ben ©egen=ftanb bereitg mehr ober roeniger beutlid) aufgefafjt ober befitjt roenigfteng bie $äl;igfeit,ihn nad; ber 3tl)nlid;feit mit anberen burd; iBefdjreibung unb Angabe ber Eigentüm=lid;feiten aufjufaffen unb mer!t nur noch ^ en bafür in ber ©prad;e »orl;anbenen2lugbrud.
fölufj nun aber auch bag SSort alg bie erfte ©runblage ber ©prache unb bag2lufnel;tnen, 2lugfpredjen unb Gehalten begfelben alg ber erfte ©chritt zum Erlerneneiner ©prad;e betrachtet roerben, fo finb bodh SBörter nod; nicht bie ©praclje, unb bieKenntnig Dieter SBörter beroirft ober beroeift noch uid;t bie Kenntnig ber ©prache.2Bie bie rohen SDlaterialien in ber Statur, Holz unb ©teilte, bearbeitet, geformt, zu=fammengefügt roerben müffcn, um alg Seile eineg ©anjen zu bienen unb einen or=ganifchen 33au barjuftellen, fo l;aben bie einzelnen SBörter für bag Erlernen, ben©ebraudj unb bie Übung ber ©praclje nur bann 3Bert, roenn fie alg lebenbige Seileber ©prad;e oerftanben, beljerrfd;t unb oerroenbet roerben, roenn fie in ihrem ,3ufammen=l;ange mit anbern Sßörtem, in ihrer Entfteljung, Silbung unb Erroeiterung gefaxtunb im ©atje angeroenbet roerben fönnen. SBag in biefer 23eziel;ung bei Erlernungber SJtutterfpradje burch h äufigeS Hören, lebenbigen 9tad)ahmunggtrieb unb natür»lid;eg Sprachgefühl rafd; unb unoermerft unb roenn auch mel;r mechanifch, hoch untergünftigen Umftänben richtig erlernt roirb, bag muh beim Erlernen ber fremben ©pracheburch metl;obifd;e Stnroeifung angeeignet, zum SSerftänbnifs gebracht unb burd) häufigeÜbung alg beraubter Seft^ erroorben roerben. Sie 2lbroanblungen beg Sßorteg aber,bag ©efdjlecht, bie SSerbinbung mehrerer zum ©at), bie Slbleitungen unb alleg, roagEtymologie unb ©pntap fcftfetd, muff zugleid; am SfBortc gelernt roerben, bie SBörtermttffen bemnad; in einer met(;obifd;en, ber jebegittaligen Xtnterrid;tg =ftufe entfprechenben SBeife gelernt roerben.
Sie Stotroenbigfeit, Wörter leimen zu taffen, l;at fidh ftetS, feitbem frembe ©prad;engelel;rt roorben finb, aufgebrängt unb roar in ben Sehrplänen ber ©d;uten oorge=fd;rieben. $n ben lateinifdjen ©djulen zur 3eit ber Sieformation unb fpäter roar bagSüiemorieren lateinifc^er DSofabeln unb moralifcher ©prüche eine Hauptaufgabe ber unterftenKlaffe ober Klaffen neben bem Erlernen ber Seflinationen, Konjugationen, gelegenelid; auch uodj oor bemfelben. Überhaupt roar bag babei beobachtete Verfahren
5ßäbag. Gnctytto^äbie. X. 2. 2lufl. 1