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Vergerius und Vegius.
währende körperliche und geistige Beschäftigung zu kräftigen sucht. Hauptsache aber ist es,heilige Scheu vor Gott und seinem Gesetz in sie zu pflanzen. „Denn wie wird dem etwasMenschliches ehrwürdig sein, der das Göttliche verachtet?" Aber auch zu Ehrfurcht vordem Alter ist die Jugend anzuhalten: Jünglinge, welche gern mit bejahrten Männernumgehen, von denen sie etwas lernen können, berechtigen zu den schönsten Hoffnungen.Auch zu edlem Anstand, der ebenso fern von bäurischer Schwerfälligkeit wie von gecken-hafter Beweglichkeit ist, muß die Jugend frühzeitig angehalten werden. Es gehört dazu,daß sie freundliche Zurechtweisung und wolgemeinten Tadel willig und dankbar aufnehme.Und das gilt besonders auch von den Fürstenkindern, die, weil sie so selten Widersprucherfahren, so selten mit Menschen in Berührung kommen, welche ihnen die Wahrheit zusagen den Blut haben, nur allzusehr in Gefahr sind, Fehltritte zu thun. „Wer dieWahrheit hören will, findet leicht jemand, der sie ihm sagt."
Da das Werk der Erziehung im häuslichen Kreise durch Nachsicht und Milde derEltern oft gefährdet wird, verdient die Sitte mancher Völker Billigung, die Jugend außerdein Vaterlande, oder doch außer dem Baterhause bei Verwandten und Freunden erziehenzu lassen. 'Nur selten wird die Familie die erforderliche geistige Bildung geben können.Bei dieser hängt für den Erfolg sehr viel davon ab, daß mau die verschiedenen Naturenverschieden behandelt. Die einen lassen sich durch Liebkosungen und kleine Geschenke, dieanderen durch Lob und Auszeichnung gewinnen; nach Verschiedenheit der Umstände kannbei denselben Zöglingen Verschiedenes wirksam werden. Der Lehrer darf weder zu mild,noch zu streng sein. Fortwährendes Schelten schüchtert ein und bewirkt, daß die Schülergerade die Fehler machen, von denen man sie entfernen will. Ein Fehler des Lehrerswäre es, wenn er vorzugsweise mit den begabten Schülern sich beschäftigen wollte; geradeden schwächeren muß er besondere Sorgfalt widmen.
Wissenschaftliche Bildung ohne sittliche Grundlage ist ohne Wert, ja gefährlich. Bonden Wissenschaften aber stellt man billig Geschichte und Sittenlehre am höchsten. Beidegehen Hand in Hand. Denn während diese die Vorschriften für ein sittliches Lebenenthält, bietet jene die Beispiele dazu; übrigens darf man von der Sittenlehre sagen,daß, wie die übrigen Wissenschaften freie heißen, weil sie für den freien Mann sich schicken,sie selbst diesen Namen verdient, weil sie frei macht. Zunächst steht die Beredsamkeit,welche das als wahr und recht Erkannte treffend und kräftig zum Ausdrucke bringt.Rhetorik und Dichtkunst schließen sich an, jene zu kunstmäßiger Rede Anleitung gebend,diese in besonderer Weise den Sinn für das Schöne bildend, aber auch die Sittlichkeitfördernd und die Beredsamkeit mit besonderen Mitteln ausrüstend. Die Musik gewährtdem Geiste nicht allein Erholung, sie beruhigt auch die Leidenschaften und läßt das Wesenund die Macht der Töne erkennen. Die Verhältnisse der Zahlen und Größen lernen wirdurch Arithmetik und Geometrie verstehen, die Astronomie aber erhebt uns aus derFinsternis und aus unserer dicken Atmosphäre und lenkt Auge und Geist zu der glänzendenSternenwelt empor. Besonders nahe liegt für menschtiches Erkennen die 'Naturwissenschaft,durch welche wir ein Wissen von den Erscheinungen wie von den Gesetzen der belebtenund leblosen Natur erlangen und von vielem, was der Menge als wunderbar erscheint,die Ursachen auffassen lernen. Auch die Zeichenkunst, die Perspektive, die Gewichtskundegehören mit in den Kreis der Bildungsmittel. Medizin und Jurisprudenz sind darumweniger zu den freien Künsten zu zählen, weil sie um des Lohnes willen ausgeübt werden.Über allein steht die Theologie.
Vergerins ist nicht der Ansicht, daß jeder allen diesen Wissenschaften gleichmäßigKraft und Zeit zu widmen habe, da fast jede einzelne für sich den ganzen Menschen inAnspruch nehmen könne; weil aber alle Wissenschaften in enger Verbindung stehen, darfauch keine vernachlässigt werden, weil sonst das rechte Verständnis auch bei dem, wasman treibt, nicht möglich ist. Sonst freilich muß nach Verschiedenheit der Begabung dasStudium verschieden sich gestalten. Bei den einen ist die Erfindungskraft, bei den anderendie Urteilskraft vorwaltend; die einen besitzen mehr Fähigkeit zum abstrakten Denken, diePSdag. Encyllopädie. IX. 2. Aufl. 43