Druckschrift 
6 (1885) Philologie, klassische - Reform der Gymnasien
Entstehung
Seite
597
Einzelbild herunterladen
 

9?amu«.

597

*

bem fanonifchen Stedfte £>erßorhebung be« Bisset ganz ßernadjläffigten (Sißilredft«; inbet mebizinifdjen fffafultät (Errichtung bon Sehrftühten ber SSotanif, Slnatomie unb^P^axmacte, fomie praftifdjer Übungen unter ben Singen ber ißrofefforen nadf fpippo*träte« unb (Säten; in ber t^eotogifdjen ffafultät Sluölegung be« 31. unb 9?. X. in ben©runbfprathen; ©rammatif, Hogif unb SR^etorif feilten ben Kollegien ßorbehaltenbleiben unb fo ©efunbärunterricht unb afabemifcher Unterricht ftrenger gefdjieben mer=ben; bie zur S3efolbung notmenbigen SWittel feilte bie (Einziehung een ißfrünben unbKloftergütern fdjaffen.

®iefe 33orfdfIäge 'haben 3 . SL erft feljr fpät ^Beachtung gefunben; bamal« aberert)ob fich gegen ihren Urheber ein heftiger ©türm. (Sr war gejteungen, al« offen=barer Slnfiänger ber ^Reformation, iparig 3 U berlaffen, unb audj in Fontainebleau, teoer zunäcfjft burd) Katharina een ÜDSebici ein Slfpl fanb, tonnte er fid) nidjt halten. Sludfnach bem ^rieben bon Slmboife (1563), ber ihm bie Stüdfelm in bie £>auptftabt möglichmad?te, mar feine Stellung eine hödjft nnfidfere. ©chon brängten ftd) bie 3efuitenin bie Unoerfüat, im College royal fanb ber finftere ©harpentier neben ihm eine©teile. 3)a mid) er sum zmeitenmale. 3m Heerlager ber ^Reformierten, in ®eutf<h=lanb unb ber ©djmeiz gab e« für ihn nirgenb« eine gefieberte ©tätte; ber Feinb berSlriftotetiter ftieß auch in ©traßburg unb fpeibelberg unb bei Eh eol:)Cr ® e 5 a auf m:befiegbare Slntipathie: Katholifen unb ^Reformierte, in fchroffem ©egenfa^e 3 U einanberin ©adjen be« ©lauben«, mären in ber Pjcilofophie ein« gegen Sfamu«.

©emiß mar bagjenige, ma« er im Kampfe gegen bie Slriftotetiter geleiftet hatte,menn aud; bie ^itofo^£;ifc^ e tx SRefultate nicht erheblich gemefen fein fotlten, ßon bleiben=ber SSebeutung für ba« h^ eTe Unterridftömefen. SU« ißh^ 0 ? 0 ! 5 ^ f^ortfe^er ber ißlato=nifefjen ©djute, mel^e fidf im 15. Sahrlfunbert gebitbet hatte, Befaß er im ©runbemenig (Eigentümliche«, unb auch feine ber Oialeftif gemibmeten Slrbeiten führten überba«jenige, ma« bie fpumaniften Haurentiu« SSada, Stubolf Slgricola, Huboßicu« SBiße«,SDtariu« SStgoliu«, 3ohann ©türm gegeben hatten, nicht fonberlid; (wau«. Slber inpäbagogifdjer iBejiehung mar fdjon bie« ßon Sßidjtigfeit, baß er bie tperrfdjaft einerburchau« unfruchtbaren ©<holaftit, unb in ihrer £auptburg, rüdfichtsto« befämpfte unbben SBiffenfchaft unb Heben lähmenben S3ann geheiligter SSorurteite burdfbrad).

II. ^Daneben hat er fi<h nun auch ein fel;r pofitiße« SSerbienft ermorben burch bieenergifche ©ureparbeitung ber fämtlichen ©dfutbigciplinen. 3nbent er al«feine Slufgabe anfal), alle SBiffenfchaften au« ben Feffeln ber ©djolaftif gu befreienunb ben ganzen Krei« ber menfdjtidjen Kenntniffe in« Sicht su fe£en, hatte er ßorzug«=tteife bie Sebürfniffe be« häh eren Unterricht« im Singe. Stidjt mit Unrecht hat manfeine hierbei aufgebotene $hätigteit ber Strbeit be« §erfule« im 3lugia«ftaHe ßerglidjen.®r manbte aber feine logifdfen ^5rinctpien fonfequent auf ade 935iffenf(haften in ber Sßeifean, baß er, auf ©pefulation cerjidjtenb, ßor adern ba« für unmittelbare SlnmenbungStüpliche in fompenbiarifche fjorm 3 U bringen ftrebte.

2Ba« nun gußörberft feine Slrbeiten für bie ©rammatif anlangt, fo finb bie-felben bon herßorragenber Sebeutung. ®ur<h ihn tarn in bie lateinifdje, in biegtiechifd^e, in bie franjöftfche ©prachlehre jum erftenmate (Sinfad)heit unb Klarheit,fefte Drbnung nnb matmer ^ufammenhang. Kein SiBunber alfo, baß feine grammatifchenSBerte, bie rafdj aufeinanber folgten, mit großer Slnerfennung aufgenommen unb inzahlreichen Sluflagen meit umher ßerbreitet mürben, ©eine lateinifdje ©rammatif er=febien im 3. 1559, bie gried)ifd)e 1560, bie frangöfifdje 1562. greiftd) fehlte e« auchan SBiberf^ruch ni^t. ®te ©inführung be« Jod nnb Vau in bie lateinif^e ©prad^e,bon mandjen mit 33eifad begrüßt, hat 3ofehh ©caliger al« große Starrheit bezeichnet,toa« jeboch nicht ßerhinbert hat, baß man bieferamiftifchen" Konfonanten lange al«jtoedmäßig hat gelten taffen. ®ie Slnfidjten aber, melche 9tamu« in feiner franjöfifchen©rammatif über Orthographie unb BfSrofobie au«gefprochen hat, in legerer ^Beziehungmeinte er, bem Steinte menig geneigt, baß bie franzöfifdje Sprache feljr mohl bie