Druckschrift 
6 (1885) Philologie, klassische - Reform der Gymnasien
Entstehung
Seite
528
Einzelbild herunterladen
 

528

Prüfungen. SJiaturitätSfmifung.

®a« finb kunftftüddjen, beten Harmlofigfeit gu bem fittlidjen ©rnft bet 9ft.=i)3r. menigpaßt unb bie ben Setter unb Sdjüler »on bet »iel midjtigeren, freilich audj fdjmierigerenAufgabe aT6§ie^en, ben SdjriftfteEer in ridjtige« unb gute« SDeutfdj 51t überfein. %fc^tiftlidje nt a t h e m a t i f dj e 21 r b e i t darf nicht auSfaEen. Umfang unb 2lrt berfelbenridjtet fidj ebenfall« nadj bet 3nbi»ibualität be« Seljrer«, in feinem Unterrichte ift bieperfönlidje Grinmirfung unb ba« päbagogifdje ©efdjicf be« fieptet« »on fo großer 23ebeutung.SSBenn in ben meiften gäEen bie mathematifdje fcfjriftlidje ''Prüfung bagu anreigt, fidj mitunetlaubten Hilfsmitteln burdjguljelfen, fo fann bem nut burdj SEtinberung bet Forderungenentgegengetteten merben, durch (Stellung bon aud) füt bie fdjmadjeren 2lbiturienten beted)iietenAufgaben, bie benen ähnlich finb, roeldje im •ßtimafutfu« gelöft mürben. Dfterreidjbetlangt, baff bie mathematifdjen Aufgaben nid)t bie gebädjtni«mäßige kenntni« mmentlegenen ©egenftänben beanfprudjen, fonbetn bie fidjere ®urdjübung bet §auf>tfjartieen^tüfen- Sie foEen bon bet 2lrt fein, baff iffte SöfungSmittel innerhalb desjenigen2Biffen«freife« liegen, ben bet Spület »oEfommen be^ertfcfjt; fie feilen gum kombinierenunb Urteilen nötigen, nid)t feloß mie bie f. g. SubftitutionSftagen bie medjanifdje Fertig;feit erproben, foEen bielfeitig fein, b. h- gmingen, bie kenntniffe unb Fertigfeiten inmehreren Steilen bet Eftatljematif gu geigen, alfo ©eometrie unb Slritljmetif gleichmäßigberüdfid)tigen nnb bet fprapi« gugemenbet fein. Sind) bie mündliche Prüfung batf babeinicht fehlen, um gu erproben, ob bet fßrüfling fidj über ben innern „Bufammenljang be«©pftem« flat unb folgeridjtig auöfpredjen fönne. 33ei bet mündlichen Prüfung foKenSteEen au« »erfdjiebenen Autoren »orgelegt toetben gut Überfefsung in bie fÖtutterfpradje,mit Umfid)t auSgemäljtte 2lbfdjnitte. ®ie Überfettung foE im Sfägelsbadjifdjen Sinnefptobe unb 33lüte be« IBerftänbniffeg fein, bann mirb fid) bie Erflärung auf ein fDfinimmnrebugieren fönnen. 2Bit mißbilligen bie preußifdje Federung, ben Prüflingen babei©elegenfjeit gu geben, ihre 23efanntfdjaft mit Hauptpunften bet fUtetrif, Pitjthologieunb bet Slntiquitäten gu bemeifen, meil ba« miedet grningt, ben IBaEaft be« Oebäc^tniffe«gu »erftärfen unb »on bet Hauptaufgabe biefet Prüfung ablenft, um nidjt gu fagen,gur Reinigung be« Schüler« ©el.egenljeit bietet. ®ie gur Prüfung »orgulegenben StellenfoEen meber im öffentlichen Unterrichte, noch ™ geleiteter fßrioatleftüte Borljer gelefenfein, ©elefene SteEen unter bet ^Bedingung gu geftatten, menn bie üfeftüre im lebtenSemefter nicht fiattgefunben habe, ift erfahrungsgemäß (»gl. oben) bie SBrücJe gu aflerfjanbfleinen unb großen ^Betrügereien, an benen teilguneljtnen fich fdbfi bet Setter nidjt immerfcheut. SQBenigften« mürbe 1863 öffentlidj gerügt, baß Slbfdjnitte auSgcmählt morden feien,melche fidj unmittelbar an bie öffentliche Seftüre anfdjlöffen und mohl gar au« bem übriggebliebenen, oft nur fleinen Stefte einer Schrift entnommen feien, melche eben der Sdjut=leftüre gebient habe, ©leidjmoljl ift in ißteußen 1882 gmar »erboten, bei ben fßrofaifernin bet klaffe gelegene 2lbfcfjnitte gut Sßrüfung gu jie^en, aber geftattet, in der Siegel au«®idjtern foldje 2lbfdjnitte gu nehmen, meldje in der ktaffenleftüre »or bem legten Halb*fahre »orgefommen feien.

S« »erfleht fich Uolt fel&ft, baß bie 23efdjränfung bet 3Ji.=Pr. auf bie »ier genanntenDbjefte nur bei ben Prüfungen an ben ©tjmnafien ftattfinben fann, nidjt bei bemjenigen an ben Uuioerfitäten. ®enn bie kenntniffe in den gur Prüfung nicht gegogenenSeljrobjeften be« ©hmnafium« foEen auf ©runb der bisherigen ©rfaprung al« klaffen*noten in ba« 3eugni« be« ülb-iturienten niebergefegt merben; ba« fßrüfungSfoEegiuman bet Unioerfität Ijat aber biefe Srfaljrung nidjt, unb bie ©rfafjrungSpräbifate ent*behren bei einem au« bem f)3ri»atunterri(hte fommenben Prüflinge derjenigen ©eltung,meldje ba« ßeugm« be« öffentlichen ©hmnafium« hat unb im aEgemeinen »erbient. 2Benneine »oEfianbige Unfenntni« in einzelnen Rächern, fomeit biefelbe auf hattnädigemUnflciß ober SBiberfehlidjfeit gegen bie Säorfdjriften be« Seljrer« beruhen foEte, Beibem ©tjmnafraften ihre ÜBürbigung unjmeifetljaft fchon bei bet g^age findet, ob ber=felbe gut SEf.=fßr. überhaupt jugulaffen fei — ma« diejenigen Seljrer bo^ bebenfenmögen, melche glauben, be« in der 9K. = pr. liegenden kompeEe nicht entraten j«