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6 (1885) Philologie, klassische - Reform der Gymnasien
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Ätiologie, Haififiße.

äJtathematif und 9taturwiffenfd)aft in erfter Reiße , baß biefed 95oII an politifcßer^Bildung betn übrigen Europa »orangefdjritten, ift eine S^atfadje, auf weld)e ßinjuweifenfaum nötig wäre, trenn fie nid)t juin SSetoeife biente, baß bie 23ilbung auf betn ©rundebeS flaffifd)en 2lltertumd feinedwegd unpraftifdje ober einfeitige Refultate ergeben muß.

2)iefer eifrigen, grünblidjen unb »ielfeitigen SSetrieBfamfeit reiften fid), wenngleid) mit weniger ©enialität unb befdjeibeneren Seiftungen, bie beutfdjen pi)ilo=logen oom ©ibe beS 16. bis jurn ©nbe beS 18. Oaßrhunbertd an. Sie Vertreterbiefer ©tubien haben mir jebodj weniger an ©d)ulen, ald an ben Unioerfitätcn j-ufudjen, indbefonbere in Tübingen (Sttartin ©rufiud unb Rifobemud ftrifdjlin), ReibetBerg (griebridj ©ßlburg, änüliud Portud, Sanud ©ruterud, Sofjann greindheint),©öttingen (3ot). 9Jtattl)iad ©edner, S^riftian ©ottlob fpeßne), Seidig (3ob. Slug.(Srnefti, ©am. griebr. Rath- SRorud, -Soß. 3a!. Reidfe unb griebr. Sßolfg. Reij).

Siefen fließen fid) an aud bem 17. Oaßrßunbert ber geniale Stbenteurer ®afpar©cioppiud (©djoppe), ber ©otßaer 2lrjt SieineftuS, ber Siptomat ©jedfiel ©panßeint,ber ©djulmann GEßriftepß ©ellariud in tpaHe, enblid) in tpamburg 3oß- Sllbert 3?abri=ciuS, ber mit feinen großartigen fitterarifdjen ©antmeltoerfen nod) in bad 18. 3aßr=hundert ßerttberreicßt. Rlandje beutfdje ober fdjwei^erifdje Rauten oon pßilologifdjemRufe treffen wir in §oHanb, wo fie ißre ^Bildung geholt unb ben ©djauplati ißrer Sßätig=feit gefunben I)aben (©. 3. SSofftuS, Q. fff. ©ronoüiud, ©räfe, Rußnfen, SB^ttenbad)).©ne ftetig fortfdjreitenbe ©ntwidlung ber beutfdjen Sßiffenfdjaft überhaupt, indbefonbere berPhilologie, hemmte ber dreißigjährige $rieg, ber mit ben ißm »orangeßenben fd)Wüten 3 e it enunb ber ißm fotgenben (Srfdjöpfuug einen faßt hundertjährigen ©tiEftanb mit fid) bradjte.

SlUerwärtd aber hatte man bish er b' e Ibaffifche Philologie, fei ed in größeremober befdjränfterem Umfang, mehr nad) einem traditionellen Snftinft, ald mit flarentIBemußtfein über ^Begriff, ,gmed, Umfang unb Stellung biefer Sßätigfeit betrieben.Somit war natürlid) aud) eine gewiffe Unfidjerpeit im ^Betrieb unb ein 2ludeinanber=ge^en ber Richtung »erbunben, fofern bie einen bie Philologie ald ben Inbegriff aKedSBiffend anfaßen; bie andern fid) auf S'ritif, ©rammatif unb ©yegefe befdjränften; »ielebie römifdje ©eite bed Slltertumd »orwiegenb tultioierten; andere bie pädagogifcße 23raudj=barfeit biefer ©tubien l)er»orboben; endlich eine ßerrfißenbe 2lnfid)t bie Philologie totebie Pßilofoßhie als eine Rtagb ber Sirdje unb Sßeologie anfaß. 2lld nun nad) berSDJitte bed »origen Saßrßunbertd große Sidjter unb Senfer aufftanben, bie nid)t nurburd)brungen waren »on bem ©eifte bed antifen fpumanidntud, fonbern aud) wie2Binfelmann, Seffing, Söielanb, Berber, ©d)iHer fpecieH mit den Senfmälern ber altenSunft unb Sitteratur fid) ju tßun madjten, ald baburd) ganj neue 3lnfd)auungen inUmlauf gefeßt, neue ©tanbpunfte gewonnen wurden, fo fonnte ed bod) woßl nid)tfelden, baß aud) bie -Philologen eine Umfdjau hielte»/ il)* £ ©teKung gegenüber »on benSpeologen, ippilofophe»/ §iflorifern ind Sluge faßten, eine überfommene, fid) felbft nod)nid)t gehörig flare Slmtigteit in bad Sid)t bed SBewußtfeind erhoben, bad reidje 99ia=terial jufammennahmen unb ordneten, bad £iel feft »orjeicffneten unb einer heimatlofenSetriebfamfeit eine fefte, lid)te und geräumige SBohnftätte bereiteten.

jDiefer ©djritt gefthap bur<h 21. 2Bolf in ber befannten, ©oethe gewidmeten 2lbl)anb=lung: ©arfteEung ber Slltertumdwiffenfdjaft nad) ^Begriff, Umfang, wtb

hierbei ift ed »on untergeordneter ißebeutung, ob ber Segriff erfdtöpfenb, bie ©lieberung,Rangordnung unb ©renjbefiimmung ber einjelnen ©idciplinen ridjtig unb »ollftänbig ge=geben ift. ®ad SSerbienft befielt darin, baß ber ©ebanfe h £ t»»tgetreten unb jur SSt^atgeworben ift, bad ©ebiet ber flaffifdjen Philologie ju begrenjen unb il)r eine beftimmteRegion in ber Repitblif ber 2Biffenfd)aft anjuweifen, Woburd) einerfeitd unbered)tigtePrätenfionen gemäßigt, anbrerfeitd ihre wohlberedjtigte felbftänbige Stellung nebenandern gefidjert wirb.

§iernad) ift bie flaffifdje Philologie in bie Reiße ber hiftoiifdjen SBiffenfchaftengeftellt unb ju einem wefentlidjen Seil ber ^ulturgefd)id)te abgerundet worben. 9lad)=