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2 (1791) Ueber die Leidenschaften
Entstehung
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134 lieber die menfchliclie Natur.

Um diefe Lehre durch einen ähnlichen Fall zuerläutern, können wir anführen, dafs nicht nurdie Unluft, welche von einem andern zufälligerweifeherrührt, fehr wenig Kraft hat unfre Leidenfchaftzu erwecken, fondern auch diejenige, welche voneiner anerkannten Nothwendigkeit und Schuldigkeitherrührt. Wer wirklich Abficht hat uns Mifsvergnii-gen zu yerurfachen, aber es doch nicht aus Hafs undUnwillen gegen uns thut, fondern weil es Gerech-tigkeit und Billigkeit erfodern, zieht fich unfern Un-willen nicht zu, wenn wir einigermafsen vernünftigfind; ob er gleich beides, dieUrfache und die erken-nende Urfache unfrer Leiden ift. Lafst uns diefeErfcheinung erklären.

Zuerft ift es klar, dafs diefer Umftand nichtentfcheidend ift; und ob er fchon die Leidenfchaf-ten etwas fchwächen kann, fo ift er doch feiten imStande fie gänzlich aufzuheben. Wie wenig Ver-brecher find wohl, welche keinen Unwillen gegendie Perfon haben, die fie anklagt, oder gegen denRichter, der fie verdammt, ob fie fich gleich ihrereignen Schuld bewufst find ? Eben fo betrachtenwir unfern Widerfacher in einem Prozeffe, und un-fern Mitwerber gemeiniglich als unfern Feind, obwir gleich, wenn wir nur einen Augenblick nach-denken, erkennen muffen, dafs ihr Bewegungs-grund fich vollkommen eben fo gut rechtfertigenläfst, als der unfrige.

Aufserdem muffen wir bedenken, dafs wennuns von einer Perfon etwas Unangenehmes zugefügt

wird,