Druckschrift 
2 (1791) Ueber die Leidenschaften
Entstehung
Seite
121
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Von der Liebe und dem Haffe.

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fchämte, mehr durch den Namen der Tochter desS cipi o bekannt zu feyn, als durch den Namen derMutter der Gracchen. Diefes war mit andernWorten eben fo viel, als ob fie lie ermahnte, ficheben fo berühmt zu machen, und einen eben fogrofsen Namen zu erwerben, als ihr Grofsvater,denn fonft würde die Einbildungskraft des Volksvon ihr, welche die Mittelsperfon war, und in glei-chem Verhältniffe mit beiden ftand, ihre Söhneftets Vorbeigehen, und fie nach dem benennen, wasdem Volke ein beträchtlicheres und gröfseres Ge-wicht zu haben fchien. Auf demfelbigen Grundeberuht auch die gemeine Gewohnheit, dafs die Wei-ber eher den Namen ihrer Männer, als die Männerden Namen ihrer Weiber annehmen; denn dadurchfoll der Vorzug denen eingeräumt werden, denenwir die gröfste Ehre und Achtung erweifen. Wirwürden leicht noch viele andere Beifpiele auffindenkönnen, diefes Princip zu beftätigen, wenn es nichtfchon einleuchtend genug wäre.

Da nun die Phantafie eben fo leicht von demKleinern zum Gröfsern, als von dem Entferntemzum Nähern übei'gehet, warum befördert dieferleichte Uebergang der Begriffe den Uebergang derLeidenfchaften in dem erfterri Falle nicht eben fo-wohl als in dem letztem? Die Tugenden einesFreundes oderBruders erzeugen erftLiebe und dannStolz; weil in diefem Falle die Einbildungskraft, ih-rer Neigung gemäfs, vom Entfernten zum Nahenübergeht, Unfere eigenen Tugenden bringen nicht

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