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2 (1791) Ueber die Leidenschaften
Entstehung
Seite
112
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Ueber die menfchliche Natur.

Lafst uns annehmen, clafs die Perfon , in deren Ge-fellfchaft ich alle diefe Verfuche anftelle, aufser denoben erwähnten Verliältniffen, mit mir noch durch dieBande des Blutes oder der Freundfchaftfehr enge ver-knüpft fev. Wir wollen annehmen, er fey mein Sohn,oder mein Bruder, oder durch eine lange und vertrau-te Bekanntfchaft mit mir vereinigt. Zunächftlafst unsfetzen, dafs die Urfache der Leidenfcliaft ein dop-peltes Verhältnifs der Impreffionen und Begriffe zudiefer Perfon erlange; und lafst uns fehen, was fürWirkungen aus allen diefen verwickelten Attraktio-nen und Verhältniffen entftehen werden. Ehe wirunterfuchen, was fie in der Erfahrung find, lafstuns beftimmen, was fie nach meiner Iiypothefefeyn müfsten. Da ift nun klar, dafs je nachdemdie Iinpreffion angenehm oder unangenehm ift, dieLeidenfchaft der Liebe oder des Haffes gegen diePerfon entftehen rnufs, welche auf diefe Art mitder Urfach der Impreffion durch die doppelten Ver-hältniffe, welche ich angenommen habe, verknüpftift. Die Tugend eines Bruders mufs machen, dafsich ihn liebe; fo wie fein Lafter oder feine Nieder-trächtigkeit die entgegengefetzte Leidenfchaft er-wecken mufs. Aber blos nach diefer Lage der Sa-chen zu urtheilen, kann ich nicht erwarten, dafsdie Leidenfcliaften ircjmer bleiben, und lieh nichtin andre Impreffionen verwandeln follten. Dahiereine Perfon ift, welche durch ein doppeltes Ver-hältnifs das Objekt meiner Leidenfchaft ift, fo leitetmich daffelbige Raifonnement zu dem Gedanken,

dafs