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2 (1791) Ueber die Leidenschaften
Entstehung
Seite
109
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Von der Liehe und dem Haffe. 109

Vierter Verfucli. Da wir nun gefundenhaben, clafs weder ein Objekt ohne ein Verhältnisder Begriffe oder Impreffionen, oder ein anderes,das nur ein Verhältnis hat, je Stolz oder Demuth,Liebe oder Hafs verurfachen kann; fo kann unsfchon die Vernunft allein, ohne einen fernemVer-fuch überzeugen, dafs alles was ein doppeltes Ver-hältnis hat, auch diefe Leidenfchaften nothwendigerwecken mufs; da es unftreitig ift, dafs fie irgendeine Urfaclie haben muffen. Aber um auch demkleinften Zweifel den Eingang zu verwehren, folafst uns unfre Verfuclie erneuern, und fehen, ob derErfolg in diefem Falle unfrer Erwartung entfprechenwird. Ich wähle ein Ding, zum Exempel die Tu-gend, welches für lieh ein Vergnügen verurfacht:diefem Dinge gebe ich ein Verhältnis zum Selbft;und finde, dafs aus diefer Lage der Sache unmittelbareine Leidenfchaft entfpringt, aber was für eine Lei-denfehaft? unftreitig die Leidenfchaft des Stolzes,zu welcher diefes Objekt ein doppeltes Vex'hältnifshat. Sein Begriff ift mit dem Begriffe des Selbft,dem Objekte der Leidenfchaft verknüpft, und dieEmpfindung, die es verurfacht, ift der Empfindungder Leidenfchaft ähnlich. Um ganz gewifs zu feyn,dafs ich mich in diefem Verfuclie nicht irre, fo hebeich erft das eine, dann das andere Verliältnils auf;und finde, dafs diefe Aufhebung allemal die Lei-denfchaft vernichtet, und das Objekt ganz gleich-gültig macht. Aber ich bin hiermit noch nicht zu-frieden. Ich mache noch einen andern Verfuch,

und