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2 (1791) Ueber die Leidenschaften
Entstehung
Seite
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i6 Ueber die menfchliche Natur.

habe*), die erfte. Die menfchliche Seele kannunmöglich bei einem und eben demfelben Begriffefehr lange verweilen; und kann mit aller ihrer Kraftnicht dahin kommen, dafs fie ihn allein und beftän-dig dächte. Aber fo veränderlich nnfre Gedankenfeyn mögen, fo ift doch ihr Wechfel nicht gänzlichohne Regel und beftimmte Ordnung. Das Gefetz,nach welchem fie folgen, ift dafs fie mit Leichtig-keit von einem Objekte zu andern übergehen, diejenem ähnlich find, oder an daffelbe grenzen, oderdurch daffelbe liervorgebraclit find. Wenn ein Be-griff in der Einbildungskraft ift, fo folgt ein ande-rer, der mit ihm durch diefe Verhältniffe verbun-den ift, fehr natürlich, und ftellt fich vermöge diefesMittels mit gröfserer Leichtigkeit dar.

Die zweite Eigentümlichkeit, welche ichan dem menfchlichen Gemüthe bemerken will, ifteine ähnliche Affociation der Impreffionen. Alleähnliche Impreffioneu find mit einander verbunden,und kaum ift die eine da, fo ftellen fich die übrigenunmittelbar auch ein. Beleidigung, und fehlge-fchlagne Erwartung erzeugt leicht Zorn, Zorn er-zeugt Neid, Neid Bosheit, und Bosheit wiederumZorn, bis der ganze Cirkel vollendet ift. Auf glei-che Art gefellen fich zu unfrer Gemütsart, wennfie durch Freude erhöhet ift, fehr natürlich Liebe,Grofsmuth, Mitleiden, Muth, Stolz und andreähnliche Gemütsbewegungen. Es fällt der Seeleaufferordentlich fchwer, wenn fie einmal durch eine

Lei-

*) S. i. B. S. 37. u. f. xr.