Druckschrift 
3 (1880) Göthe - Kindheit
Entstehung
Seite
917
Einzelbild herunterladen
 

386) als biejenige be 3 cidjnet, bk ber fDfenfdj mit ben Steven gemein Tt;at, oberbie 9$erbftegung; obgleid) er biefen ^Begriff ber ^öfifrfjen Erziehung weiterhin oiel au 8 =gebellter faßt unb gemißermaßen (fo brüdt er fid) aud) and) bie Eultur ber Seele mitbaju red)net. Sin einer anberen ©tede wieber redjnet er 31 t ber bWfäen Eichungade Einwirfttngen beS (Srjiel^erS, Bei benen ber 3ögling fid) baffin terljält. ®kpraftifdje ©rgie^ung aber ift bie Ersiefjung jur ißerföntidjfcit, Erjie^ung eines freiijanbelnben SBefenS, baS fid) felBft erhalten unb in ber ©efedfdjaft ein ©lieb au 8 =madjen, für fid) felBft aber einen inneren SBertl; l)aben fann. ®ie pvaftifdje Erziehungnennt k. bisweilen and) Sitbung fd)led)tl)in unb unterfd)eibet in biefent SSegriff wiebereinennegatioen S^eil, bie ®i 8 cißtin, bie bloß ffel)ler abl)ält, unb einen pofitioen ober bie Unter*weifung unb 3tnfül)rung. ®ie pDfitioe 33ilbung befielt aber 1) aitS ber fdjolaftifdj^medjani*fdjen 93ilbung in Stnfeljung ber ©efdjidlidjfeit, ift alfo bibaftifdj; 2 ) auS ber ßragmati*fdjen in Sinfehung ber Slugtjeit; unb 3) auS ber moralifdjen in Sinfehung ber ©ittlidjfeit.

®a Sant ben lebten 3 toe tf beS ÜKenfdjen in bie flttlidje greiljeit fegt, fo muß ernaturgemäß auch ben legten 3wecf ber Ersiehung in bie E^ieljung jur ©ittlidjfeitfegen. l)at baS 33ewußtfein, baß bie aftenfdjljeit auf biefent ©tanb^unct ber rnora*iifdjen (Srjiejung nod) feineSwegS angelommen ift unb maS er in biefer Sejicljung fagt,wirb wol)l im ©ansen aud) nod) für unfere 3eit feine ©ültigfeit haben. Er fagt aber:mir leben im 3 e itßuncte ber ©iScißlinirung, Eultur unb Eißilifirung, aber nod) langenid)t in bem 3eitalter ber SDforalijtrung (IX, 381). ®al)er forntne eS, baß baS ©liidber ©taaten mit bem Elenbe ber äftenfdjen wadjfe. Unb eS fei nod) bie ffrage, obmir im rol)en 3 u ftanbe, b a ade biefe Eultur bei und nidjt ftatt fänbe, nid)t glüdlidjer,als in unferem feigen 3 u ftanbe fein mürben. ®enn mie fönne man ben aftenfdjenglitdlid) madjen, menn man il)n nidjt fittlidj unb weife madje? SßaS aber $. unterSJJoralifirung oerftefjt, brauet hier itidfjt auSfüljrlidjer heroorgeljoben 3 U merben, baoben feine moralifdje ijßrindßien bereits mitgetbeilt worben finb. (SS fommt bei bermoralifdjen Ergieljung barauf an, baß ber Zögling bie ©efinnung befomtne, fub nurlauter gute 3 tt)ec i e ju ermäljlen, mäbrenb iljn bie Eultioirung 31 t aderlei £meden ge=fdjidt macht. ©ute 3 medc finb aber biejenigen, bie notbwenbiger Söeife oon jebermanngebidigt werben unb bie audj 3 U gleidjer 3dt jebertnannS 3 lD ede fein fönnen. ®iemoralifdje Eultur muß, als aus ber inneren greifjeit beS Sftenfdjen entfpringenb, aufäKayimen beruhen unb man muß fornit babin feljen, baß baS finb fid) gewöhne, nadjaftajürnen, bereu SHdigfeit eS felBft einfiejt, unb nid)t nad) äußeren ®riebfebern 3 Ubanbeln. ®a biefe ÜJtajitnen adgemeine SBeftimmungen finb, fo finb fie eine ©(brautegegen bie inbtßibuede SBidfür, bie .k. mit 3fed)t für einen $einb wahrer ©ittlidjfeithält. ®aljer gilt iljtn als ein ©efeg ber moralifdjen Erjiehung bie ©emöbnung an©eljotfam. 3 unt ®barafter eines SinbeS, fagt er in biefer SBejiebung IX, 417, be=fonberS eines ©d)ülerS, gehört oor aden ®ingen ©ehorfam. ®iefer ift jwiefad): erftenSein ©etjorfam gegen ben abfoluten, bann smeitenS aber aud) gegen ben für oernünftigunb gut erfannten SBiden eines Führers. ®er ©ehorfam fann abgeleitet merben ausbem 3 wange, unb bann ift er abfolut, ober auS bem 3 u kauen, unb bann ift er oonber anberen Strt. ®kfer freimidige ©eljorfam ift fehr wichtig, jener aber aud) äußerftnothwenbig, inbem er baS Sinb 31 « Erfindung foldjer ©efege oorbereitet, bie eS fünftig=Ijin als Sürger erfüden muß, wenn fie ihm aud) gleich nicht gefaden. Einen 3 Weiten§aubtjug in ber ©rünbung beS fittlidjen SljaoafterS ber Sinber fefet in bie SBahr^Ijaftigfeit unb einen britten in bie ©efedigfeit; namentlich hält er bie SBaljrhaftigfeitfür baS aderwefentlidjße ©tüd ber ©ittlidjfeit unb erflärt eS für eine ber widjtigftenunb notljwenbigften Slufgaben ber ©r^ie^er, bie SHnber an aBah^haftigfett 31 t gewöhnen.

®a ®. ben legten 3' ce ^ ^ er ©rgte^ung in bie iDforalifirung beS SKenfdjen fegt,fo fodte man erwarten, baß er bie ®i 8 ci:ptinirung, bie ©ultioirung unb Sioiliftrungunb felbft bie bhbfif d ) e SuItur at§ 3 ui: SRotaliftrung betrachten unb in ben

®ienft berfelben fteden würbe, weil nur auf biefe SBeife feine ^äbagogif 31 t einem ein=l)eitlid)en ©hfteme fid) erljeben würbe; aber wir finben biefe Einheit in ben SBorlefungeu