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3 (1880) Göthe - Kindheit
Entstehung
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tot. 911

nicht ein grünblidjeS ©tubium au§ ben Santfdjen ©Triften gemalt t;atte. ®ie Santfdje^^tlofo^te ift in biefer SBeife für ben beutfdjen (Seift ein unoergänglidjeS 8id)t ge=worben, welches feine »orjüglidje SebenSfraft befonberS baburd) bewiefen hat, baß eS baSin ben »erfcf)iebenen ©eiftern fdjlummernbe eigentl)ümlid)e Sidjt beS ©eifteS wedte unbnarrte; gteic^tüie baS eine fid> felbft gteidj bleibenbe ©onnenlid)t in ben »erfdjiebenenburd)fid)tigen SJiebien in berfchiebener ber Statur berSftebien entfpredjen ber Sßeife fidj brid)t.

Seadjten wir nun and) nur baS Söenige, waS über bie großen SBirt'ungen berffantfdjen ißtyiKofopIjie bisher gefagt worben ift, fo brängt fic^ um fo met)r bie grageauf, waS mad)t benn bie Santfdje ^ilofopljie fo groß, was giebt ihr biefen Spodjemachenben Einfluß auf baS beutfdje Eulturleben, auf beutfdje Silbung unb Entwidlung,waS ift ihr ©runbgebanfe, il)r ^ßrincifo? SDtan fiat S. oft atS ben ©otrateS (mantonnte »iedeidit mit nod) größerem Siedjte tl)n ben ©otrateS unb ißtato in Einer ißerfonnennen) ber neueren geit bejeidjnet unb in ber Eljat hat fein Unternehmen mit bembeS alten ©otrateS in einer 33egie^«ng etwas feljr 9te^ntid)eS, wenn er aud) in anbererSöejieljung über ben ©tanbpunct beS ©otrateS ungeheuer weit hinauSgeht. 9)ian rühmteS bem ©otrateS nach, baß er bie ißhilofophie bom Fimmel auf bie Erbe, in bie£äufer nnb auf ben SJtarft eingeführt, b. h- baß er ben SDtenfdjen unb namentlichbaS moralifdje 2Befen beS SDienfchen jum SKittelpunct unb fpauptgegenftanb feiner s f3l)i=lofopl)ie gemacht habe. ®aS tl)at Jtant in feiner Irt and), ©eine Vorgänger, biebogmatifdjen^ilofofj^en, hatten ßie ©rfenntniS ber ®inge gefud)t unb baS geiftigcVermögen im SDienfdjen, weldjeS bod) ber Eräger aller ErfenntniS ift unb alle ErtenntniSbebingt, babei als gegeben »orauSgefefrt; bagegen ließ U. bie ®inge unb alle bie §t)=poffjefen unb ißrincifnen, burd) bie man in bie SBett ber ®inge Einheit unb 3 u f aul=menljang ju bringen fud)te, junadjft bei ©eite liegen unb unterfudjte guerft ben ©ei ft,ber bod), man mag fagen, was man will, ber Eräger alles 9tad)benfenS, ader El)ätig=teit, aller 2Bahrl)eit, wo nicht felbft bie 2Sal)rl)eit ift. ®a biefe Unterfudjung beS ©eifteS,inan mag fonft aud) »erfahren, wie man will, bod) {ebenfalls nur mittelft beS tl)ätigen©eifteS felbft angeftedt werben fann, fo bietet bie Santfdjc -Phitofobh^ guerft baS groß=artige ©djaufpiel bar, baß ber ©eift fid) felbft jutn ©egenftanbe h at / &ei M ifh nfeinem eigenen Elemente fid) bewegt ober -ßrobuct unb firobucirenbe Eljätigfeit gugleid)ift. 2Benn wir biefe Ibdtraction »on jeher äußerlidjen Dbjectioität unb biefe reine 33e=igeljung beS ©eifteS auf fein eigenes Söefen als Freiheit bejeidjnen, fo tonnte man bieifantfdje ißhilofo^hie aud) bie ihh^°f D P^ e ber Freiheit nennen, wie benn aud) bie Sbeeber greitjeit in aden ©paaren feiner ißhiM°blU e eine utienblid) widjtige 9iode fpielt.Iber um beftimmter ju ertennen, worin ber S?ent ber ®antfd)en Ißhitofahflie ä u fucljenift, hüben wir bie »erfdjiebenen ©ph^en beS ©eifteS unb bie bem entfpredjenben tpaupt=theile beS Santfdjen ©hftemS ju unterfdjeibeu. blieb babei fielen (»gl. Stritif berUrtl)eilSfraft, Einleitung ©.15 unb 16 ), baß ade ©eelen»ermögen ober gäljigfeitenauf bie brei jurüdgefüljrt werben: baS ErtenntniSoermögen, baS 23egehrung8»ermögenunb baS @efül)l ber 8uft unb Unluft unb baß fidj biefe nicht weiter auS einem gemeimfdjaftlidjen ©runbe ableiten laffen. ®icfer Erichotomie beS ©eifteS entfforedjen bie breitpauptwerfe ber ßantfdjen iphii°f°^i e f inbem bie ®ritif ber reinen Vernunft bie 33e=bingungen, bie ©renjen unb bieidiethobe ber ErtenntniS, bie Sritit ber firattifdjcnVernunft ben Süöillen unb bie firitif ber UrtheilStraft befonberS baS @efül)l, na=mentlid) baS ®efül)l für baS ©djone nnb Erhabene unterfudjt. ®a bie Sritif ber reinenVernunft mit bem SBefen ber ißh^ D f°^i e am innigften jufammenhangt, bie Äritit berfrattifdjen Vernunft unmittelbar in baS ©ebiet ber bßäbagogif übergreift, fo mögen überbeibe hier noch einige Semertungen $la(3 finben, bie baju bienen fönnen, ifantS 33e=beutung für bie fjortbilbung beS beutfdjen ©eifteS riditig ju würbigen.

Ide dßiffenfdjaften haben eS mit ber ErfenntniS ju tpun, inbem fie fid) ade beSErfenntniSocrmögenS bebienen, um in baS dßefen ber ®inge einjubringen, unb fie uuter=fdjeiben fid) nur burd) bie Dbjecte »on einanber, auf weld)e bie ErfenntniS angewanbtwirb. ®ie SWathematif j. 33. ift bie ErfenntniS ber ©roßen, bie Iftronomie bie Er=