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3 (1880) Göthe - Kindheit
Entstehung
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895
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Sugenölcctüre, Sugeubliterntnr. 895

^ögting eineg folgen tiebenoßen unb anbauernben SSerttefenS in gute Seetüre fällig, bannmirb man halb it;n fid) felbft iibertaffen fönnen. Ueberhaupt aber ift nor jn peinlid)er3 lufftd)t ju marnen, ineil eine fold)e leidet Slrgmotm erlned't unb bag ©elüfte nach ner=botener $rud)t mehr hernorruft, atg bämpft.

4) ©iner befonberen 9tüdfid)t bebarf bie Slltergftufe beg ßögtingg. Stouf =feau, ber bag Sefen überhaupt für eine unfelige Befdjäftigung für Sinber hält, miß,baß fein ©mit nor bem smölften ffafire faum miffen foß, mag ein 33ud) ift; unb non ganjanberent ©tanbpuncte aug fbagen S. non 3t a unter, ©d)leiermad)er u. a., baßman bie Sinber ju jeitig befen bebire. 2Bie fdtmer eg ift, für bie frühreifen KeinenSefer eine nur irgenb angenteffene Seetüre ju finben, fie^t man an ben taufenbfäbtigennerungbiid'ten Berfucßen ber Sleinlinberbud)ntad)er, bem Berftänbnig ber Steinen burd)binbifebe ©pradje unb linbifdjen ©toff fid) anjupaffen. 3 n ber £h at paßt für jenegfrühe Sebengabter eigentlich nur eine ©efcßidjte, bie bebenbige ©rsäßlung ber ÜJtutter.2Bo aber biefe natiirbidjfte Sinberunterhaltung in ben ©emohnheiten unferer ßeit unter=gegangen ift, ba fei man menigfteng meife genug, ben Steinen, menn fie nicht an bem©cßulbudje genug haben foßen, mit größter gurüdbiattung eine Keine ©abe nad) beranbern ju reidjen. Senn gerabe im jarten Sllter wirten bie ©inbrüde am tiefften unblegen fid) beic^t böfe ©emohnheiten beg Sefeng an. gür fpätere Sllteroftufen ift bieSlugmahl ber Seetüre ergiebiger, muß aber aud) hier ber erftarfenben Sraft gemäß ge=troffen merben. Diamcntlid) ift bahin 31 t fehen, baß ber heranmadjfenbe Snabe nid)tbei Sinbergefd)icf)ten ftehen bteibe, nod) auch 3 U frühe in höhere Siteraturgebiete ein=geführt merbe unb baburd) jene Blafirtl)eit fid) anbefe, bie im 16. unb 17. Saßre fdjonmit ©djißer unb ©öthe fertig 3 U fein meint, gür bieg reifere Sitter ingbefonbere mußaud) barauf Bebad)t genommen merben, baß bie fßrinatbeetüre jur Seetüre ber ©dfulein einen angemeffenen ßufammenhang trete; unb eg ift begßalb, obfdjon bie Bel)anb=tuiig ber beutfd)en ©taffifer, mie fie für biefe SKtergftufe in ber @d;ute einjutretenpflegt, nicht in bem Sreife unferer Betrachtung biegt, bod) aud) aug ben einfdjbägigeu©d)riften non fpiede, 3tub. n. 3iaumer, ©dßarbt (Einleitung, bidjterifdje SMftermerleauf eine geift= unb herjbitbenbe SBeife 31 t lefen, 1857), S. 3leid)el (Ueber bag Sefen berbeutfd)en ©baffifer auf bem £)bergt)mnafium, in ber 3 eitfd)rift für bie öfterreid)ifdjen©tjmnafien, 1859. 3) u. a. mancher nufsbare SBinf für bie b)äuglid)e Seetüre 3 U ent=nehmen.

5) Slud) bie 3 nbinibuabität überhaupt forbert befonbere Berüdfid)tigung. SieSeetüre, alg ein midjtigeg ©bieb in ber ©ntmidlung ber ©efammtbitbung, mirb bieübrigen gactoren berfetben unter fid) 3 u affociren, fie 3 U nerftärfen, 3 U heben ober auchju bämpfen, ben tßebanten ber (Schularbeit 3 U erfrifdjen unb gefchmeibig 31 : machen,ben SBibermißigen unb Srägen (burd) annehmtiche gerat beg Sernftoffeg) sur Slrbeit 3 Utoden haben, ©ine entfdjiebene Borliebe für ein beftünmteg ©tubium mirb, menn fiean fid) berechtigt erfdjeint, burd) gleidjartige Sectürc geförbert, ber ©infeitigfeit burchangemeffene Biebfeitigfeit, ber Steigung 31 er Verbitterung burd) ftrenge ©iuheitbidjfeitber Seetüre entgegenmirft, bag teidjt erregbare Semperament burd) beruf)igenbe Seetüre,bie Sefeteibenfd)aft burd) praltifdje 23efd)äftigung unb äußerfte Befd)ränhtng ber Sefe=freiheit gebämpft, bagegen bie ©teichgültigleit unb träge Slbneigung gegen Seetüre, biefid) ebenfaßg, menn aud) meit febtner, finbet, burd) ftärfere Speise unb mit fpülfe an=regenber Befpredjung aug ihrer 3 nboben 3 gemedt, ober aud), menn fie aug Ueberfättigungentfpringt, burd) bang-anbauernbe ©ntbeb)rnng geheilt merben miißcn.

6 ) ©benfo mirb, je nad) ber Befonbertieit ber Sebengtage, bie Sectüre inber Bkife 31 t mähten fein, baß fie ben unter ben Sinblüden beg Ueberflttffeg unb einerreid) bemegten, großftäbtifdjen Umgebung bebenben Vögling auf bie ©tiße tänbtidjerBerb)ältniffe unb bie greuben eineg in fid) befdjränften Sebeng hinbeitet, unb bagegenben anbern aug ber ©iuförmigfeit feineg tänbtid) abgefebtoffenen Sebeng hetaug biegroße SBett lernten lehrt unb aug ber bät)menben 9tut)e 3 U tebenbigerem Bemegen auf=ftadjebt.