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3 (1880) Göthe - Kindheit
Entstehung
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881
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3ugeublcctürc, 3itflenölitcrntur. 881

oorherrfdjenbe Senbenj ift, bad 3mtereffe beö Sefenben ju fpannen unb tt>etl bad Sud)ober Südjlein oft genug gabrifarbeit ift, läßt ©til unb Sarftedung feljr oiel ju»ünfdjen, »ad ber fdjöne Einbanb, ber locfenbe Sitel unb bad ganje bunte Itlerlei bermobernen Südjerfpeculation nidjt erfeben. Sie Sritif ber ffugenbliteratur leibet anbenfelben äRängeln, »eldje ftd) üu SRecenfentemoefen überhaupt geltenb rnadjen. ©eiten»erben bie Südjer genau gelefen; ber 5Rame bed Serfafferd, Sefanntfdjaft mit iRebactionunb iRecenfent, aud) bie Senbenj bed Sßerfed entfd)eibet über Sob unb Sabel; im aH=gemeinen überwiegt bad Srftere, fo baß bad große ißublicum meint, lauter gute 3ugenb=fdjriften oor fid) ju I)aben unb in fRatljlofigfeit unb Seidjtfinn oft genug irre gel)t.

II. Sie päbagogifdjen Ergebniffe ber Sugenblectüre.

1) Ser päbagogifdje SBerth einer guten unb mofylgeorbneten 3ugenb=

lectüre ift oon ben erften fd)rift!unbigen feiten an erfannt worben unb barf nid)t oer=tannt »erben, Iperbart I)ält bie Seetüre »für ein unentbelfrlidjed, fd)»erlidj burdj etwadanbered ju erfefcenbed fpülfdmittel ber Erziehung unb gerabe für bad SRittelglieb, badin jene leere ,geit bed Sünglingd, bie ben Erjieljer fo beforgt tnadjt, eingefdjobeu »erbenmuß." (Sine gute Seetüre fann baju beitragen, baß ber ®nabe äReufdjen unbSeben lenneu lerne, unb $»ar rrid>t nur bie 2Belt, bie bad Sud) il)tn bar=fteßt, fonbern aud) bie »ir!Iid)e, in ber er lebt, inbem er biefe an jener Berfteljen lernt.

Sei biefer geiftigen Irbeit, bie ben Sntjalt bed Sud)ed mit ben eigenen Erfahrungen

unb ©ebanfen ju affociren ftrebt, reift überbied bad Urtfjeil bed Seferd unb »erbenneue ©ebanfen ihm jugefüt)rt, bie oft ald treibenbe flraft bureb bad ganje Sebenftd) binjieljen. Öndbefoubere fann ber Einfluß einer guten Seetüre auf bie @e =finnung ald fel)r Ijeilfam betrachtet »erben. Sie Segebenljeiten unb Situationen bedSud)d pflegen concentrirter unb bei rechtem Sefen ungeftörter auf ben Knaben $u »dien,ald ber Serlauf bed aHtäglidjen Sehend ed oermag. Entfdjiebener, ald in biefem,nimmt ber junge Sefer Partei für unb »iber bie ißerfonen unb ©efinnungen, bie il)tnhier oorgefübrt »erben. Er liedt mit bem Jperjen mel)r ald mit bern Serftanbe; erbegeiftert fid) gern an großen SDtenfdjen unb erhabenen ©ebanfen, unb feine natürliche

jRidjtung aufd Ubeale läßt ihn oft aud bem Sudje noch Seffered heraudlefen, ald ed

enthält. lud) giebt ed eine Irt ber Erziehung, bie oon bem gebrudten Sudje faftnod) beffer oottjogen »erben fann, ald oon bem »irflidjen SBorte. ©erabe bie Ijeiligften©ebanfen nämlith fträuben fid) oft, laut über bie Sippen ju treten, ober »erben, »enufte luge im luge heroortreten, nidjt ganj unbefangen hingenommen. Sad Sud) ba=gegen mit feiner Ijeimlidjen ©pradje fann, aud) oljne bie fromme ©d)am ju oerlefcen,manthed audfpredjen, »ad ber Er^ieljer nidjt immer ju fagen oermag, unb fann bamitungeftört bie heiligften Empfinbungen »eden unb nähren. Enblidj übt bie Seetüreaud) auf bie äftljetifdje Silbung bed goglingd einen bebeutenben Einfluß;»enigftend oermag ein claffifdjed Sud), »ie burch fittlidjen ©ehalt, fo burd) @d)önl)eitber gorm, faft mehr ald irgenb ein anbered SRittel, bie Sugenb ju gutem ©efdjmatfp gewöhnen. 2Bie eine foldje SBirfung in bem©efammtaudbrude ber Silbung", inbem beutfdjen Stuffafee bed ©djülerd, fid) audfprid)t, fann jeber aufmerffame Seljrererfahren.

Iber folgen ibealen Erwartungen gegenüber liegt im £>inblid auf tljatfädjlidje3uftanbe

2 ) bie grage nahe, ob nidjt unfere moberne Sugenblectüre imallgemeinen mel)r - jutn Serberben ald jum §eile unferer Sugenb»irfe? Sad Serberblidje aber liegt tljeild in bem Inhalte ber Sugenbfdjriften, tljeildin ber Slrt unb SBeife, in »eldjer bie Seetüre berfelbeu betrieben »irb.

Saß ber Snljftlt unferer Sugenbliteratur ju ernften päbagogifdjen SefürdjtungenInlaß gebe, bebarf nad) ber oben gegebenen ©jarafteriftif »ol)l faum einer »eiterenSarlegung. Sie innere Unwahrheit unb ber maßlofe s f3h anta P ere ^' bie ©ebanfenarmutunb bie oft gerabeju ind Säppifdje unb Sinbifdje übergehenbe Srioialität, »omit oieleunferer Sugenb= namentlid) aber Sinberfdjriften erfüllt finb, muß cntfittlidjen unb ent=

ipäbag. ffitictptlopäbie. III. 2. äu(l. 56