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3 (1880) Göthe - Kindheit
Entstehung
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3efuiten, Sefuttcitftfjuleit.

äluSgiehen adeS eigenen VMenS, fonbern and) eine Unterwerfung beS UrtljeilS nnb berSinfidjt, baS fog. saerificium inteUectus, wobei adeS ba§, waS ber £>bere benft nnbgebietet, and) bem Untergebenen als redjt nnb wal)r erfdjeint. ®emt Wer fid> gang unbgar ©ott opfern will, muff praeter voluntatem intelligentiam quoque otferre: quitertius et summus gradus est obedientiae; ut non tantum idem velit, sedetiam idem sentiat quod superior, ejusque judicio subjiciat suum; bagegen ner=ftirbt jene berühmte ©infalt beS blinben ©eljorfamS, fobalb wir bei unS felbft erwägen,ob ber Dbere etwas mit 3ted)t ober Unredjt gebiete“. ®er jefnitifdje ©elporfam iftalfo nid)t jene bewußte unb freie Unterorbnung beS SBidenS unter ein höheres ©efefc,woburd) ber Sßide felbft gelräftigt unb erhoben wirb, — nidjt jene Stjeonomie, weld)ejugleid) bie wahre fittlid^e Slutonomie ift, — nidjt bie linblidje gurd)t unb Siebe ©otteS,welche aud) aller gottoerorbneten menfdjCidjen Dbrigleit untertljan ift um beS )perrnunb um beS ©ewiffenS willen, — nicht bie ©rtöbtung beS nieberen gleifdjeSwidenS, ba=mit ber höhere ©eifteSwiden frei unb fräftig werbe, ülber er bedt fid) auch nicht mitber militärifdjen Subordination, fonbern er nimmt ben ganzen aftenfdjen in 2lnfprud)nach Seib, ©eele unb ©eift: er ift bie fpftematifdje Vernidjtung unb ©rtöbtung allerfelbftbewußten unb freien ißerfönlichleit, bie oöHige 2lbgewöl)nung alles eigenen VMenSunb ®enfenS, bis gu bem ißunct, baß man, waS baS Singe fdjwarg fieljt, weiß gu nen=nen, waS baS eigene ©ewiffen ©ünbe nennt, für Pflicht gu halten bereit ift, wenn unbweil eS bie Äirdje ober bie Dbern gebieten. 3 U biefer Unterorbnung beS SßtdenS unbUrtljeilS, gu biefer Virtuofität eines „gugleidj geiftlic^en unb folbatifd)en ©eljorfamS"feine Zöglinge S u ergießen, ift Ipauptgwed ber jefuitifdjen ir®iSciplin“; benn r f ®iSci^linift fpebel unb Üunft beS Unterrichts unb ber ©rgieljung." ©in trefflidjeS ÜDlittel gur3ahmung ber ©eifter unb SBiCten finb inSbefonbere jene »geiftlidjen ©percitien", jenemethobifdje ober oielmeljr medjanifdje Sfnweifung gur geiftlid)en iOtebitation, weldje oouDgnatiuS felbft mit unbeftreitbarer Virtuofität entworfen würben unb weldje nicht bloß»on bem dlobigen oor adern burdjgumadjen finb, fonbern weldje auch ißrieftern unbSaien gu wiederholtem ©ebraudj bringenb empfohlen werben. Stuf ihnen beruht, wieein rcformirter ©eiftlidjer, ©abriel SerntäuS, fagt (f. Vuß, ©. 419), Ijauptfädjlid) »berRäuber, womit bie Sefuiten bie Seute umftriden.“ ©ine anfdjaulidje ©d)ilberung ber=felben fielje in ben ©rinnerungen eines 3fefuitengöglingeS ©. 217 ff. — ginbet fidj einfpröber nnb unbeugfamer ©haralter, fo wiffen fie iljn fo lange gu geftalten unb gubinden, bis er fidj nach ihnen gebilbet hat. „SBeidjlinge härten fie ab, ®räge werbenrüftig, ^artnädige lenffam, Unfdjlüfftge feft unb beftänbig.“ 3m biefer $unft, ber oer=fdjiebenartigften Smbioibualitäten fid) gu bemeiftern, burd) innere unb äußere ©inwir=tungen fie mürbe unb gefdjmeibtg gu machen, ber militärifdjen DrbenSbiSciplin fie guunterwerfen, fie mit bem gangen ©eift ber ©efedfdjaft gu imprägniren, fo baß ader2ßide nur ein SBide, ader Kräfte nur bem einen jgwede ber ©efedfdjaft bienftbar finb,— in biefer Äunft hat ber Drbeit non jeher eine unbeftreitbare Virtuofität befeffen.

®ie Handhabung ber äußeren ® iS ei plin ift in ben 3efuitenanftalten leineS=Wegs übertrieben ftreng. ©S wirb ihnen nadjgerüljmt, baß fie im adgemeinen (2luS=nahmen fdjeinen wohl aud) oorgelommen gu fein) gegenüber oou ber rigorofen ißeban=terie unb oft barbarifchen Härte, bie in anberen ©djulanftalten Ijerrfdjte, fid) oortljeikhaft auSgeidjneten burdj milbe unb humane S8el)anblung ihrer Zöglinge, burih ein freunb=lidjeS unb gutraulidjeS Verhältnis gwifdjen ©«hülern unb Sehrern, inSbefonbere aud;burd) große ©parfamleit in ber Slnwenbung oon ©trafen unb förperlidjen 3üd)tigungen,unb Verbot ader rohen üDtiShanblung ber ©djüler burd) ©todfcpläge, Oh rett ä au f en u - ^9^-Qm ©egentheil wirb mandjmal über adgugroße SafT^eit- ber in ben Sefuitenanftalten,WenigftenS gegenüber oon ben ©öl) nen häh erex ' ©länbe, ^ctrfc^enben ®iScip!in gellagt.®em Sel)rer wirb eingefdjärft im ©trafen baS redjte Sdlaß gu halten — nec in puniendoßit praeceps neo in inquirendo nimius (Rat. stud.) ; eS fod fein ©runbfap fein, baßman Sfünglinge mehr fanft unb gütig, als hart unb ftreng halten müße. »ddan mußjenen alten Sduhm unferer ©ocietät behaupten, baß fie nicht fo faft burd) gurdjt oor