Druckschrift 
3 (1880) Göthe - Kindheit
Entstehung
Seite
652
Einzelbild herunterladen
 

652

$itntani$mit8 uttb fRcaltSimtS.

Berührte unb außerbcm baS Regiment beS ©taatS unerfdjüttcrt baSfelBe blieb. ®t £golge ^ie»ütt fonnte feine anbere fein, als baß an bie ©teile beS niebergemorfenen,nidjt mehr haftbaren S3att8 ein neuer treten unb bie äußere, nun meggemorfene Sluctoritiitburdj ein anbereS mirffanteS SOfoment erfejst »erben mußte. 2)iefe8 aber mar glücf=

lid)ermeife gegeben in bent ethifdjen ©fjarafter ber iß^itofo^ie, in bcn ftrengen unb

hoffen gorberungen, meldje ber 3)enfmeife beS StaturaliSmuS nnb ©ubämoniSmuSgegenüber auf ©rmtb beS inbißibuelten ©emiffenS an ba§ fittlidje Leben »on iljr ge=macht mürben.

®iefe ganje Um= nnb Steübilbung fonnte nur auf bent SBege beS UnterridjtS unbber ^Belehrung erfolgen. @8 fehlte nun freilich siel, baß man ßon ©eiten be8 Staatsbagu Skranftaltung getroffen ßätte; oiefmeßr blieb e8 ber noiffenfc£>afttic^en Stufgabe betUnißerfitäten »orbeljalten, bie neuen ©ebanfen ju »erarbeiten, ju ergaben unb ju

fäutern; bocd) mar e8 nid)t ju »ernteiben, baß fie »on ba nicht in bie »orbereitenben

Slnftalten, in bie ©bmnafien, ßie unb ba allmählich ßätten einbringcn unb auf benfpttmaniSmuS Einfluß geminnen fotten. Sftan fonnte bie8 um fo elfer ermarten, baSant unb nodj meßr auf bie ©rgieljung ber Sfugenb ben 93Iic£ richteten (f. bieißäbagogif ber -ßlfilofopffen Sant, gidjte unb §erbart, ßon ©trümpett) nnb bamit ineine ganj neue Staffn ehgulenfen trachteten. 3)o<h e8 ift ßier nicht möglich, biefe meitetju »erfolgen, unb bie gäben bloß gu legen, an benen bie ©ebanfen biefer unb betfolgenben bß^ilofo^en in bie ©hmnaften gelangten unb ßie unb ba eine Slrt §errfcfjaftgemannen; mir mcrben »ielmelfr »on ßier an8 meiter in ba8 ©ebiet ber ißäbagogifgeführt, beren Skftrebungen, mie fie »on ißeftalojji bi8 in bie ©egenmart herabgefjen ;— als ba8 »ierte ffier ^erooreBmb e üDtoment — für ben fpumaniSmuS »on bergrößten 23ebeutung gemefen finb. 2BaS ißeftalojäi felbft betrifft, fo fdjien ber »on ihmangeregte ©runbgebanfe »on einer reinen ©ntmidlung ber natürlichen Slnlagen beb©ubfect8 unb ber Entfaltung ber intettectuelten unb fittlidfen Kräfte ju einer in ftdj»ollenbeten nnb jufammenftimmenben Silbung ber Slufgabe, meldfer ber fpumaniSmuSbefonberS in unb burdf bie Sllterthum8ftubien ju genügen fud^te, mie ßon felbft ent=gegengufomtncn. S3efannt ift ferner, mie eine große 3<rff* namhafter, fpäter auch in©hmnaften mirffamer fßäbagogen in Offerten bleibenbe Slnregung unb Dichtung befam,befannt and), baß bie einfeitige Stiftung ber »formalen SKlbung", in bie ftch berHumanismus ffie unb ba »erlaufen, bort feine erfte unb nädffte Duelle hut.

Stau ber 3 e ^ an bie Arbeit auf bem gelbe ber bßäbagogif niemals geruhtunb fid) in jmei Segieffungen mirffam crmiefen. Die allgemeine, auf bem ©runbe bertPhilofopffm — ber ißfhchologie unb Etffif — aufgebaute ißäbagogif ift bemüht ge=mefen, auch bem fputnaniStnuS unb Dichtung »orjugeichnen unb bie SDSetffobe bebUnterrichts ju regeln; bie 33eftrebungen ber ipraftifc^en ißäbagogen unb £>umaniften(f. Statmer, bie e». Stab. ©ff- I- ©• 59 ) finb ihr in einzelne ©ebiete eütgelfenb gefolgt,haben ihr jur Ergänjung gebient unb »or einem abStracten Humanismus, ober gar»or jener ffumanitarifchen Züchtung, bie fidj in einem anberen ©ebiete geltenb gemadjt,bemahrt. Sitte biefe Slrbeiten hüben fidj in bem ©rabe fruchtbarer ermiefen, als mannidjt mehr auSfdjließlidj ben 33lid »ormärtS, auf irgenb ein »on einem miHfürlidjenißrincife auSgehenbeS 3t e l richtete, fonbern jugleid) rüdmärtS fdjaute unb bie ©efchidjtebeS @rjiefjungS= unb UnterridjtSmefenS bei bem, maS man moltte, ju Sfatfje jog. ©ift beSfjalb nicht ber geringfte gortfcßritt, ben bie ißäbagogif in ber neueren 3 e ^ 8 e=macht h<rt, ber, baß fie in »biefe ©efdjidjte" ^urüdäugeljen gelernt h<*t.

©nblid) barf nidjt unbemerft bleiben, baß bie Erneuerung unb ©rfrifchung beSfirdjlichen SebenS, fomie bie SSertiefung ber theologifchen SBiffenfcfjaft auf ben §utnam8=muS eine fehr ^etlfame Slüdmirfung gehabt h<rt. ©8 fonnte biefe mohl nicht langeauSbleiben; benn als ©lieber ber Sircße ftehen bie »fpumaniften" bodj auch unter bet£>errfchaft beS in berfelben maltenben ©eifteS unb merben ftch feinem Sßirfen eben fozugänglich ermeifen, als anbere Sttenfchen; außerbem aber h^en fie in ißrem Berufefehr ernfte unb bringenbe Slufforberung, fic(j mit ben Lebensfragen ber S©heotogte na^