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3 (1880) Göthe - Kindheit
Entstehung
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fpiumnttömtiS uub Sfenliötmrä.

Eer Humanismus nun, meiner in bem lebten -Sahrhunbert ber Sftefntblil jurSliite gelangt unb int Anfänge ber äftonardjie fid) barin erhält, giebt fid) »or allembarin tunb, baß nad) bem SBorbilbe ber ©riehen buch bie artes ingenuae eine aH=gemeine S3ilbmtg, politior humanitas, gefugt wirb, fei eS prioatim ober in öffentlichen©djulen, beoor man in baS S3erufSftubium ber Serebtfamteit, ber fttedjtöwiffenfdjaft u. a.eintritt. Dljne biefe allgemeine wiffenfhaftlidje SBorbilbung erfheint bie SluSübung einerSfunft — ganj wie Bei ben ©rieten — als eine hanbwerlSmäßige unb wirb nur mit©eringfdjähung genannt; ber 9tebner, bem biefelbe fehlt, heißt clamator, eausidicus,nicht orator, ber 3urift legulejus, praeco actionum, cantor formularum, nicht jurisperitus. (Cic. de orat. 1, 46; 55; Brut. 49.) Eiefe 23itbung ju geben, bienen bienun in großer Slnjaht eröffneten ©hüten, wie bei ben ©riechen, ©riedjifhe Seljrererfdjeinen immer mehr in fftorn, um ihre ©prad)e ju lehren, ihre ©djriftfteKer ju er=Haren, im fdjriftlidjen unb münblid)en ©ebraudje ber ©prathe ju üben. Sieben ihnentreten lateinifdje Seljrer auf, welche biefelbe Eenbenj an ber tateinifdjen ©brache unbLiteratur »erfolgen. Sin biefe fdjliefjen fidj als bie h»h ere ©tufe bie ©chulen berSteteren unb fßhilofophen- Sßiewohl baS ©ebiet biefer ©chulen gegen einanber nichtftreng abgegrängt erfcheint, fo geht bod) bur<h alle bie Eenbeng, bie studia humanitatisju förbern, unb fie finb eS, in benen wenigstens bie Erabition ber humanen S3itbung,trenn and) in nodj fo fhmad)en unb matten 3ügen, fih erhalten hat, wie bie ©efd)id>teber römifeben Siteratur auSweiSt.

3weierlei ift auS ben SBefirebungen beS Humanismus bei ben Römern fidjtbar,erftlid), baß fie nur baSjenige, waS bie ©riechen erjeugt hatten, aufnahmen unb fid) nachÜÖtaßgabe ihrer Kräfte nnb nach ber ©igenthümlidjteit ihres SBefenS aneigneten, jweitenS,baß baS Entlehnte unb Stngeeignete, mochte auch bie Eiefe ber Sluffaffung in mehr alseinem ißuncte »ermißt werben, einen mehr uni» erf eilen unb für weitere Greife wir!=fanten ©harafter erhielt. Eemt bie Störner haben nicht etwa baburd) nur ihr SJerbienftum bie »on ben ©riechen ftammenbe humane SSilbung, baß fie biefelbe in ferne ©egenbentrugen unb ben nadjfolgenben 3 e iten überlieferten, foitbern befonberS aud) baburd), baßfie biefelbe mit eigentümlichem ©elfte in befter SBeife poputarifirten. -3n ber©eftalt, weldje fie ihr gegeben, ift fie ju ben neueren SSöltern gefommen unb hat aufbie ©ultur berfelben ihren gewaltigen unb unwiberftel)lid)en ©influß auSgeübt. S3er=folgen wir nun ben StealiSmuS unb Humanismus weiter, fo tritt uns jener im SUHttetalter, biefer im Slnfange ber neueren 3eit entgegen.

Eer Realismus beS SDSittelalterS ift jwar aud) ein urfprimgtid)er unb natur=müchfiger, infofern bie SSebingungen beS SebenS felbft baS SSebürfniS nahe legen ober»ielmel)r aufbringen, für bie Slnforberungen beS SebenS ju lernen. Slber bieSSemen ift äußerft fdjwierig, fo baß eS junadjft jeben ©ebanlen an eine ^ö^ere humaniftifdjeStlbung auSfdjtießt, eS ift burd)auS nid)t wie bei ben alten S3ölfern ber Slrt, baß eSburdj ben ©ebraudj unb bie Slnfpannung ber Kräfte innerhalb ber ©rennen beS häuS=liehen unb öffentlichen SebenS allein möglich märe. ©S finb »ielmehr frembe, außerhalbbeS nationalen EafeinS liegenbe Dbjecte, welche angeeignet unb aufgenommen werbenmüßen, wenn man ber Stufgabe, bie man fleh nicht felbft ftedt, fonbern »or bie manf«h gefteHt fleht, nadjtommen wiH. Eiefe Dbjecte hat man junädjft im ©hriftenthumeunb fobann in ber lateinifcfjen ©prad)e/ in welcher baSfelbe erfcheint. Um atfo nur3u bem, waS nun baS Sehen geftalten unb beherrfdjen fotlte, ju gelangen, mußte manf»gar bie eigene ©prad)e, in weih« bie innerjten ©ebanlen unb ©mpfinbungen beSlierjenS fid) offenbaren, baran geben unb eine frembe lernen. Eie ©djwierigteit bieferlebten Slufgabe würbe baburh uod) erhöht, baß bie frembe ©prad)e in einer jwiefadjen©eftalt entgegentrat, in ber Siteratur beS SlltertlmmS unb in ber tird)lid)en, weihe fid)längft gebilbet hatte, als baS ©hriftenthum bei ben germanifdjen unb theilweife aud)bei ben rontanifdjen SSölfern ©ingang fanb. Eaju waren bie SSertjältniffe, unter benenbaS, waS unter bem SSanten ber 33ilbung beS SOSittelalterS begriffen wirb, feinen Slnfangnahm, leineSwegS günftige, ruhige unb frieblidje. -Seher ©tamm hatte ben 33oben, ber

$öbag. Cgjtcpftopäbfe. III. 2. Sufi. 40