Druckschrift 
3 (1880) Göthe - Kindheit
Entstehung
Seite
28
Einzelbild herunterladen
 

28 ©outocnumtc.

wirb, ift ihre .gutunft e e trübe, ihr Sehen ein ocrfehtteS. ©ie SKunificenj oornehmerKäufer fidjert ihr manchmal ein ©nabenbrob, juweilen xeid^ttc^ genug, aber fie genießtaudj bieS nidjt mit ©eetenrulje unb mit ©ehagen; man tann eine fotdje wohl an©piettifdjen oersweifett wagen feljen: auf Sotterie unb harten fe^t fie fortwäljrenbnod) fdjwad) gtimmenbe Hoffnungen. Slnbere oertommen früher, einige enben nod)trauriger.

2Bir wenben mtS ju einem Silbe, weldjeS unS weniger wcljmüthig ftimmt, $ueiner Stbart ber tjcxhftrebenben, p ber gelehrten ©ouoernante. ©iefe hat früh fc^Dnober im ©erlauf ber ,geit ihren ©roft unb ihren 9M)m in ber 2Biffenfd)aft gefugtunb wie oerfidjert wirb and) gefunben. ©ie treibt oieteS, WaS nidjt auf ber Sifte bergewöhnlidjen ©ouoernantenwiffenfdjaften fte^t: fie liebt 3 . S3- bie ©otanit, angeblid)aud) bie 2 lffronomie, unb trägt t)äufig eine ©ritte, wenn fie eine gewiße galjl oonSatiren hinter fid) hat. Sh*e ©orrefbonbenj ift groß, fie gewöhnt fic^ in itjren ©riefeniljre ganje Umgebung unb fid) fetbft ju fdjilbern, fie bidjtet in ißrofa unb in ©erfen,fie fdjreibt aud) bramatifdje ©tüde put HauSgebraud) bei gamilienfeften unb fonft:turj fie Ieud)tet in mehreren garben oor ben Ungelehrten unb t)ie unb ba aud) intiterarifdjen Greifen. SBenit eS iljr gtüdt, eineg ihrer ©rjeugniffe burd) bie treffepm ©emeingut ber SDienfdjheit p machen, bann ^ört fie nidjt mehr auf. ©ie oer=wanbett fid) in eine ©djriftfteHerin. ©eibtidje 9tooetten, für welche fie in ©agebiiebernunb ©riefen ©toffe finbet, ©Iumen= unb ©tamntbud)fpra<be ftnb it)r gad); aud) :päba=gogifdjen Sucubrationen giebt fie fid) pweiten hiu. Se nach Umftänben, aber fetten,gelingt eS ihr, ben ©on ju treffen, ber ihr ein SluSfommen fidjert. 2öir wollen gewißweber über oerheiratljete nod) über unoermahlte Stutorinnen frioote unb ungered)teUrtheite wieberholen, unb teunen einjetne oortrefflidje ©rfcfjeinungen auS unferm ©ebietegar wohl. Stber in ber ÜWehrjahl ber gälte ift eS mit ben gelehrten Hodjftrebenbenbod) ein eigen ©ing. ,gum ®lüd unb jwar p ihrem eigenen ©tüd finb fie nidjt fehrjahirei^. ©S fdjweben bem ©erfaffer X^ier unter anbern namentlich engtifd)e Originaleoor, p bereu aeeomplishinents auih Latin, Greek and classics gehören. ©ie gelehrtebcutfdje ©ouoernante pmat oeränbert öfters il)re natürliche ©pradje, wetd)c auf eineunbefdjreiblid)e unb fdjwer erXIärXic^e ©Seife einen eigentümlichen Sl)aratter unb inber 2tuSfpracf)e einen jiertic^ jwitfdjernben ober boctoral fchnarrenben Oon annimmt, ©iefpridjt gewöhnlich fehr grammatifd), unb oerfejst ihr ©eutfdj pgteid) gerne mit fteinen©atticiSmen, ober mit ÜtngliciSmen, turj mit .geidjen, baß man bie heimifdje 9tebe=weife ein wenig oergeffen ober fid) abgewöt)nt habe. ©S ift djarattcriftifd), baß inletzterer ©e^iehung eben nur bie ©eutfd)en unb jwar mit Ülbftdjt unb Suft fünbigen.©en granjofinnen fällt eS nie ein, in ©ermaniSmen p madjen. Sludj fd)Wärmt bie©eutfdje jwar fentimentaler atS irgenb eine für ihre Heimat, ift aber bemungeadjtetoft nur p gerne bereit, baS 3luSlänbifd)e Ijö^er p ftetlen. Sa auch einen fremben©iateft ahmt fie wohl gelehrig nad) unb behält ilp als StuSjeichnung in ber Heimat,ohne ihn je oergeffen ober oerlernen p wollen.

ÜDtan fönnte fagen, in biefen ©ruppen feien nur ©ytreme gefdjitbert unb lieblosjergliebert. ©ie einjetnen güge finb aber auS ber ©Sirtlidjteit genommen, unb ber©rnft ber Slufgabe oertangt wot)l eine gleid)fam mebicinifche Unbarmherjigteit. ®aSSeben ift ja hart unb ernft, ber ©eruf ber ©ouoernanten wahrtid) in oieter ©ejiehungauch, nur wirb er erfahrungsmäßig eben hie unb ba nur p leidjtftnnig ober p ober=flädjtid) aufgefaßt, gür bie Etagen unb Seiben berfetbeu haben wir eben fo gewißftetS ein theilneljmenbeS Dtw gehabt, ©eiben, an benen bie H^Waften eine fdjwere©d)ulb tragen. 9iur mußten wir pnädjjt betonen, waS unb wie bie einzelnen©ouoernanten finb, waS fie einfefcen unb beutnad) erwarten tönnen. ©ouoernante 31 twerben erfdjeint auf ben erften ©tid in manchem ©erljättniS eine fo leidjte SluStunft,um wie man wohl fagt eine ©teHung in ber SfBelt ju gewinnen unb fein ©robju oerbienen. ®a werben benn bie unerfahrenen ©täbd)en in ben ®amf)f mit bemSeben, in bie frembe SJBelt hinauSgefd)idt, unb mögen fehen wie fie jured)t tommen.