Druckschrift 
3 (1880) Göthe - Kindheit
Entstehung
Seite
26
Einzelbild herunterladen
 

26

©tmbcrumttc.

unb ®h ft ^ mtb feroirt ben ®h ee unb ftreidjt bie Sutterbrobe. Sie läßt fid) gernebet latent Saufnamen nennen; oon mandjen granzöfinnen erfährt man faunt einenanbern, alg J. 33. Mlle. Amelie, Celestine, Octavie, Yirginie big Zephyrine. 3mUnterricht ift fie meifteng ftreng, fie tljeilt feljr accurat mit mag fie meiß, unb manmuß genau lernen mag im Sudje fte^t. 2lbgef elfen oon einer oft unbarmherzigenScharfe gegen bie kleinen ift fie ein gutherzigeg SBefen, oh 116 *üel @eift, o!)ne aug=fdjmeifenbe ^ßT^arrtafie, mit fid> fclbft jufrieben; fie ift baher meift frifd) unb gefunb,unb conferoirt fich gut. ®abei befiht fie ßraftifcben Serftanb, ift piinctlich, gemiffenljaft,unb mag bie grauzofen sage nennen, moljl auch ein menig aug 23cred)nung, benn fiemeiß, baß ein guter tttame zur ^Betreibung ihreg ®efd)äftg gehört. Ebenbarum ift fieand) fparfam, ja man fagt, fie merbe moljl mit ber 3 e ^ tocl üfl g^ig- ®i e fauftgemiß nidjt leidjt einen neuen fput, menn eg nidjt geboten ift, unb mit ißuh fucht fiefeine Eroberungen z« machen. 2Benn eg ertaubt ift ihre geheimen ©ebanfen zubelaufd)en, fo barf man mohl im Vertrauen fagen, baß audj fie gerne eine honette,liebe £>augfrau merben möchte, unb bazu motten mir ihr aud) oon fperzen ©lüdmiinfdjen. .gumeilen $ ein fpofmeifter in ihrem Sereidje, unb z*oar bann gemöhnlid)nid)t ber gemanbte unb erfahrene junge iperr, ber in ben oornehmften Greifen ©lüdmadjt, fonbern ber befdjeibenere, oon etmag unbeholfenem Seneljmen, ber in @efett=fdjaften nid)t oiel zu reben meiß unb barum gerne unb mit Slugbauer in ben 9 , JoteTx=heften blättert, unb bie Sitelittuftrationen ber ttRufifalien ftubirt. Einen foldjen leitetfie mit oortrefflidjem Saft, fie unterjodjt ihn, unb menn er eg merth ift, befommt erfie zur grau, fattg nicht früher ein ehrlicher ^Beamter ober Kaufmann ihr fein §erzunb feine §anb geboten hat. Sie mirb bann eine etmag fjebantifdje ÜKutter unb einetreffliche £>aughälterin. Sleibt fie aber unoermählt, fo mirb fie meifteng eine heitere,gemanbte alte ®ame, meldje ihre fleinen Erfparniffe ftreng zu Slatlje hält unb bodjihren fRefpect zu behaupten meiß. Sie ift in biefer Beziehung in ber Sljat bemunberng=merth unb adjtunggmerth in hoh eItt ®tube. Sßeldje fRefignation, metdjeg §elbenthuntein fold)eg meibticheg ©emütfj ganz im füllen bethätigt, baoon Ijut ein oberflächlicherSeurtljeiler feine Slljnung. Sei färgtichem, oft fümmerlidjem Siugfommen ftagt fienicht unb lehnt fich feinegmegg rebettifd) auf gegen bie unbanfbare falfdje SBelt, bienun einmal Sdmlmeifter nnb Sdjulmeifterinnen meifteng ärmlich bezahlt, unb gleidjer=meife in ber 2Rehrzahl ber gälte augrangirt, menn fie alt merben, ohne gehörig für fieZu forgen. Sie muß öfterg in üorgerüdten Saljren nodj mit |>anbarbeit nad)helfen,menn fie nicht im Siuglanbe eine befdjeibene iRente ermorben tjat, mooon fpäter. 3 U=meilen grünbet fie auch eine fleine Erziehungganftalt, in meldjer fie bann eine etmagbefpotifdje ttRonardjin fpielt gegen Sehrerinnen unb gögünge. SDKt biefer Sfizgeift ein zaljlreidjer 3Rittelfd)lag ohne ißoefie unb fRomantif gezeichnet. Eg fdjeint faßtalg ob fidj biefer Stjpug am auggepragteften unter ben ®ouoernanten franzöfifdjer.Bunge finbe, unb soit dit sans blame unter ben franzöfifchen Sdjmeizerhtnen.®ie lederen fotten häufig nach beutfdjem Segriff folibere fjenntniffe hüben; bie eigent=liehen granzöfinnen, zumal bie ißariferinnen, motten bag nicht zugeben, fie hüben ihrEyamen beftanben, unb dfun fid) auf ihre Soitrnüre, ihren ©efdjmad, ihre Slugfpradjeauch etmag zu gute. Sn großen Stabten bilben fid; moljl fleine Eoterien, in meldjenfid) granzöfinnen unb Sd)meizerinnen mit lanbgmannfdjaftlidjcr Eiferfudjt gegenüberftel)en.Ces Suissesses,ces Frangaises geht eg herüber unb hinüber. ®ie lejjternfinb gemanbter, bie erftern gelehrter, eine fpihe Bunge befi^en beibe. 3nbeffen aud)unter ben beutfdjen imb englifchen ®ouoernanten ift biefer Stjfmg zahlreid) üertreten,nur mit ber cntfpredjenben nationalen gärbung.

®anz anberg geftalten fid) bie Slfyecten bei ber zweiten graction, rneldje mel)rfporabifcfj oorfommt, unb feiner ^Rationalität oorzuggmeife angehört, kennen mir fie2) bie Ijodjftrebenbe ©ouüernante; ich meiß fein anbereg SBort zu finben:pretentieuse, ambitieuse mürbe man franzöfifd) fagen, unb bod). nid)t bag ®anzebamit bezeichnen. 2Ber h«t nidjt fdjon unter ben ©ouoernanten blaffe, meift hod)=