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©ötlje’ö Sectiirc.
©innlidjfeit, bie bann aber bodj and) oft redjt grob mirb, btefer gefdjledjtlidje EpitureiSmuSift unläugbar ein ©runbjug ©ötlje’fdjer Sidjtung, inte feiner eigenen Perfon, nnb eSift gemiß bejeidjnenb, menn er einmal ^inmirft: er liabe ftdj baS -Obeale nie anberS?als nnter ber 3rorm einer fjrau oorfteHen lönnen. Ertennen mir ferner ooltfommenan, baß ©ötlje burd) bie ruhigere, leibenfdjaftslofere, maßljaltenbe Seife ber SarfteHmtgbeS ©efdjledjtlidjen ftdj unterfcfjeibe non ber finnlidjen Raffinerie unb ber lüfternenUeberreijung fo mancher anberer Siebter nnb Sidjtungen, obmoljt bodj and) bei ©ötljebie Selten ber Sufi oft bodj geben unb über baS Ufer fdjlagen, fo rnüßen mir bodjfagen, baß jmar baS Uebermaß eben als foldjeS burd) ben Etel gegen baS Ueberreijte,Stbernatürlidje unb gredje, meldjen eS erzeugt, ben oerberblidjen Einfluß abftumßfenfann, freilich audj nidjt muß, barum aber bodj bie besieljungSmeife maßbaltenbe, ruljigeunb leibenfdjaftSlofe Sarfteltung jenen oerberblidjen Einfluß nicht fdjledjtljin aufbebt,im ©egentbeile iljn gerabe infofern mieber b^beifiHjren fann, als baS an ftdj mitdjriftlidjer ©itte rtnb ©ittlidjfeit ©treitenbe in ben Slugen beS SeferS baS Slnftößige»erliert, ja jutn Serjeihlidjen unb fogar SiebenSmürbigen mirb, menn eS burd) benReij ber poetifdjen fforrn gemißermaßen oerftärt unb jmar als eine ©djmadjljeit, aberals eine edjt menfdjlidje ©djmadjljeit in ©djuh genommen mirb; maS eS um baS„IjatbmegS ebrbar tbun" ift, miffen mir auS bem SJtunbe ©ötlje’S felbft. Ebenbarummirb auch bie poetifdje ©eredjtigfeit, meldje ber Sidjter in bem ©djidfat berer übt,meldje in bem ©ebiet ber finnticfjen Siebe bie ©djranle überfdjreiten, in ber Regeleinen befonberS ftarfen fittlidjen Etnbrud nidjt madjen, meil bie ©itnbc bodj meit mehrals eine EntmidlungSfranfljeit, benn als eine ©djulb beljanbelt unb auf ben ©djulbigenein poetifdjer §eiligenfdjein gemorfen mirb (oergl. bie Saljtoermanbtfdjaften), burd)melden bie ©ünbe menigftenS als fdjöner unb liebenSmürbiger erfdjeint, als baS, maSred)t unb gut ift, unb baljer aud) ber Ernft beS fittlidjen UrtljeilS an ber Erregungperfönlidjer Sheilnahme abgeftumpft mirb. SaS gilt bie ©ünbe, menn man, um eSfo auSjubrüden, fo fd)ön fünbigt mie gauft, unb meil man als ein gauft fünbigt,burd) feinen Untergang nur baS ÜRitleib über ftdj Ijereinruft! Unb ift nic^t ber äßenfdjnur ju geneigt, menn man ihm eine fd)Bne ©ünberin oor bie 3lugen malt, melcfje Süßethut, lieber auf ihre ©ünbe hin^ufdjauen, als auf ihre Süße? Sie parallelen berErfahrung beS täglidjen SebenS unb ber Sibel fönnen um fo meniger etmaS bemeifen,meil fie biefe Singe nidjt im poetifdjen ©jnegelbilbe unb barum mit ber Reije berPoefie hinftellen, fonbern in ber nadten Saljrljeit ber Sirflidjfeit, unb bie SibelmenigftenS nicht oerfeljlt, bamit ben sollen fittlidien Ernft ju oertnüffen, melcfjer bemÜRiSbraudj einen flarfen Riegel oorfdjiebt, obmohl bie Sibel gar nidjt fo rigoros,oielmehr fogar, menn man miü, echt ßoetifdj barin ift, baß fie ben Reij beS ©innltdj=fdjönen unb 9lngeneljmen in ben oon ©ott georbneten ©djranfen anerfennt, iljn aberaud) ju heiligen nnb ju oerflären fudjt; »gl. ©pridjmörter 5. S. 18. 19. Säre eSbaljer nidjt möglich, bie Seetüre ©ötlje’S mit ber heranmadjfenben -Sugenb fo ju hnnb=haben, baß jener gefürchtete fittengefctljrlidje Einfluß abgemehrt unb iljnt mit Erfolgentgegengearbeitet mürbe, fo müßte fie unbebingt untertaffen unb umfomehr unter=taffen merben, als eS eben eine tjeranmadjfenbe -Öugenb ift, mit metdjer berSidjter gelefen merben müßte, alfo eine folche, bie neben ihrer relatioen fittlidjenReinheit unb Unfdjulb nodj nidjt bie fittlidje Reife unb Sraft befi|t unb befi^en lann,metdje fie maffnet gegen baS Unreine unb ©ittlidjoermerflidje, audj menn eS in fdjönerfSornt itjr gegenübertritt. ES mag nun aUerbingS fdjmer fein, ben fittengefäljrtidjen■Einfluß ber Seetüre ©ötlje’S abjumeljren, aber unmöglich ift eS barum feineSmegS, unbift eS fdjon beSmegen nicht, meil bie befprodjene ©chattenfeite ber ©ötlje’fdjen Sidjtungnidjt in allen feinen Serien gteidj ftarl ^eröortritt, fo baß eS nur bie ©adje berpäbagogifdjen SeiSljeit ifi, l^ter baS Rechte ju treffen, ©o merben mir alfo auch oonbtefer ©eite auS betrachtet lein Sebenten tragen bürfen, bie Seetüre ©ötlje’S in benöffentlichen Unterridjt aufjuneljmen. Um fo midjtiger aber mirb bann bie gragenadj bem SaS unb Sie merben.