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Geschlechter.
Geschlechtertrenmmg.
dern schon zu vieles Reflectiren über religiöse Dinge steht dem Weibe nicht an; dasreligiöse Bewußtsein muß zur gleichmäßigen Grundstimmung seines gesammten Seelen-lebens werden, dann werden auch die Mütter erzogen werden, welche im Stande sind,den Söhnen in den ersten Jahren des Lebens schon jenen unvertilgbaren Eindruckfrommer Mutterliebe in die Seele zu legen, welcher zugleich die sicherste Bürgschaftdafür giebt, daß auch der verlorene Sohn den Weg zu seiner wahren Heimat wiederzurückfinden werde. G. Baur.
Geschlechtertrenmillg.^) Die Frage, ob die Geschlechter verschiedenen Unterrichterhalten, also verschiedene Lehranstalten für sie vorhanden sein sollen, ist nach zweiHauptrücksichten zu beantworten: nämlich 1) ob sowohl die Fähigkeit als die künftigeBestimmung der Mädchen wirklich eine so ganz andere ist als die der Knaben, daß dasZusammennehmen beider, das sich sonst wegen der Gleichheit der eine Classe bildendenKinder empfehlen würde, aus diesem Grunde unthunlich erscheint? und 2) ob in sitt-licher Hinsicht Nachtheil von dem Beisammensein beider zu befürchten ist? In elftererHinsicht müßen wir, was die Fähigkeit, überhaupt die innere Disposition anbelangt, denGegensatz der Geschlechter, wie er oft von den pädagogischen Theoretikern aufgefaßtwird, durchaus bestreiten; in keinem Fach, auch nicht in den reinen Verstandesoperatio-nen, mit denen das so sehr betonte weibliche Gemüth lediglich nichts zu schaffen hat,wie im Rechnen, ist das eine Geschlecht als solches hinter dem andern zurück; giebt esOrte, wo sich eine vorgeschrittene Intelligenz bei den Knaben zeigt, so giebt es andere,wo dies ganz ebenso zu Gunsten der Mädchen der Fall ist. Alles, was bis zum14. Jahre für Mädchen zu abstract ist, ist es auch für Knaben; das Interesse für dieLehrfächer ist durchschnittlich bei den Geschlechtern dasselbe, d. h. individuell größeroder kleiner. Ein tüchtiger Religionsunterricht ist für beide ganz gleich; und wennauch sehr natürlich der Lehrer den Mädchen gegenüber in mancher Hinsicht leichtereArbeit hat, weil sie vermöge weiblichen Jnstincts ihm mehr zu Gefallen leben, so gleichtsich dies dadurch wieder aus, daß Plauderei, Ausgelassenheit, Leichtsinn bei der weib-lichen Jugend ebenso unangenehme Objecte der Disciplin sind, als die Wildheit derKnaben. Auch daß, worauf Schleiermacher und Raumer Gewicht legen, die Mädchen-erziehung viel mehr den Charakter der Familienerziehung haben solle, ist unseres Er-achtens hier nicht entscheidend; eine Schule kann unter allen Umständen nicht den Typusder Familie haben; gehen die Mädchen einmal in die Schule, so müßen sie auch in dieArt einer Schule sich fügen, und es schadet dies nichts. Was aber den künftigen Lebens-beruf anbelangt, so macht dieser allerdings in den mittleren und höheren Ständen eineandere Unterrichtsorganisation insofern nöthig, als die Knaben schon vor dem 14. Jahrein Real- und lateinischen Schulen den Grund zu ihrer Bildung legen, also Fächer be-treiben müßen, auf welche die Mädchen ihr künftiger Beruf nicht führt. Beim Land-volk dagegen ist der Beruf in vieler Hinsicht derselbe; das Bauerweib hat auf demFelde und im Stalle so gut ihre Arbeit, wie der Mann; ist doch (von Riehl) längstbemerkt worden, daß Stimme, Gesichtszüge und Benehmen der beiden Geschlechter indieser niederen Schichte sich sehr ähnlich sind, der charakteristische Unterschied also erstin der Atmosphäre der höheren Bildung sich auch schärfer ausprägt. Also ist zu sagen:bei der Landjugend ist von den beiden obigen Gesichtspuncten aus gegen das Zusammen-nehmen der Geschlechter nichts zu erinnern; auf der Stufe des Bürgerthums und derhöheren Gesellschaft dagegen ist die Trennung der Geschlechter durch den Unterschiedder ganzen Lebensbestimmung nothwendig gemacht und kann nur, wofern nicht weitereGründe (s. unten) auch hiegegen sprechen, in einzelnen Lehrstunden aufgehoben werden,wie z. B. im Religionsunterricht und in den Gesangstunden.
Allein die Frage hat zweitens auch eine sittliche Seite. Zwar wenn in dieserBeziehung z. B. gesagt wird, für Mädchen wäre eine öffentliche Prüfungsfeierlichkeitgefährlich, weil die weibliche Bescheidenheit dabei Noth leide, so müßen wir sagen:
*) Vgl. d. Art. Geschlechter. D. Red.