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Geschichtlicher Sinn.
Geschlechter.
eines wiedererwachten geschichtlichen Sinnes. Wird derselbe auch in unserer Jugendgeweckt, genährt, gebildet und geübt, vor allem auf dem Grunde des göttlichen Wortes,durch Kirche, Haus, Schule, bürgerliches und vaterländisches Leben, so ist viel gethan,(freilich noch weit nicht alles), um ein Geschlecht heranzuziehen, das sich liebend analles bewährte Alte anschließe, ohne sich an Veraltetes zu hängen und für wahren Fort-schritt unzugänglich zu sein. Männer mit gehörig gebildetem geschichtlichen Sinnewerden das Leben nehmen, wie es ist, sie werden sich keine romanhaften Darstellungenvon den Verhältnissen machen in Kirche und Staat, in Amt und Haus, aber doch auchnicht in jene Resignation gerathen, die an allein Höheren und Idealen verzweifelt; siewerden sich hüten, irgend ein geschichtlich unvorbereitetes Gedankending z. B. eineRepublik, eine Kirche von lauter Heiligen oder sonst etwas im Leben hinstellen zu wollen,sie werden aber darum nicht den Kainpf aufgeben gegen verderbliche Mächte oder Ver-hältnisse. Sie werden nicht von jedem Winde einer neuen Lehre sich wiegen und wägenlassen, aber auch eine neue Sache nicht bloß deshalb verwerfen, weil sie neu ist; dennsie wissen, daß alles gute Alte auch einmal neu war. Geschichtlicher Sinn, richtig ent-wickelt und geleitet, ist ein wesentliches Moment mit, um gute Bürger, sie mögen be-fehlen oder gehorchen, in ihrem Gott zufriedene Menschen, praktische Leute in geistlichenund weltlichen Dingen zu bilden. Namentlich uns zu Subjectivismus und idealerTräumerei, zu Ueberschätzung des Fremden und Unterschätzung des Eigenen geneigtenDeutscheil thäte die gesunde Bildung des genannten Sinnes vor vielem anderen noch.Unsere Ausländerei in Religion und Sitte, in Sprache und Geschmack, in Erziehungund Politik ist uns, besonders Frankreich gegenüber, schon hoch genug zu stehen ge-kommen. Thun wir dazu, daß unsere Jugend aus dem theuer bezahlten Buche derErfahrung lerne; denn wer nicht hört — das lehrt auch die Geschichte — der mußfühlen. (Vgl. d. Art. Heimatsinn). B. Strebet.
Geschlchtstabcllen, s. Geschichte.
Geschlechter. Literatur: Burdach, Anthropologie. Stuttg. 1837. tz. 423 bis428; Heidenreich, die Verkehrtheit in der Erziehung und Bildung der weiblichenJugend. 2te Ausl. Ansbach 1847. — Kant, Anthropologie (Hartenstein'sche Aus-gabe X, S. 339 — 348); W. v. Humboldt, lieber den Geschlechtsunterschied unddessen Einfluß auf die organische Natur (GesammelteWerke IV, S. 272 — 301 >; Ders.,lieber die männliche und weibliche Form (Ebendas. I, S. 2l5 — 26t); Fichte, Grund-lage des Naturrechts II, S. 158 — 226, bcs. S. 218 — 226; Schleiermacher,Grundriß der philosophischen Ethik, herausgeg. v. Twesten, S. 123 ff. — JeanPaul, Levana tz. 75—101; Schleiermacher, Erziehungslehre, S. 95 ff. 116 f.224 ff. 356 ff. 601 f. 638; Benecke, Erzichuugs- UND Unterrichtslehre I, S. 45S—465; II, S. 478 bis 488; K. v. Raumer, die Erziehung der Mädchen (Geschichteder Pädagogik, III, 2, S. 165 — 238); Palmer, Evangelische Pädagogik, Iste Ausl.I, S. 303—306; II, 163—168; A. Monod, Weibliches Leben, 2. Ausl. Berlin1862; Wiese, Zur Geschichte und Bildung der Frauen, 2. Ausl. Berlin 1873;Schäfer, Verschiedenheit der Auswahl und Behandlung des Unterrichts in Knaben-und Mädchenschulen. Gekrönte Preisschrift. Frankfurt 1876; Baur, Erziehungslehre,3. Ausl. 8- 14. 23. 75.
Dieser Artikel bezieht sich weder auf das natürliche geschlechtliche Verhältnis unddessen pädagogische Behandlung (vgl. die Art. Entwicklungsperiode und Ge-schlechtliche Verirrungen u. s. w.), noch auf das Einzelne der besonderen Schul-einrichtungen, welche etwa durch den Geschlechtsunterfchied nöthig werden (vgl. darüberdie Artikel Geschlechtertrennung, Mädcheninstitute, Mädchenschulen,höhere Mädchenschulen), sondern nur von dem allerdings auf der natürlichenGrundlage erwachsenden Unterschiede des geistigen Geschlechtscharaktershat er zu handeln und daraus die allgemeinen pädagogischen Folgerungen ab-zuleiten, indem er auf einzelnes nur insoweit eingeht, als es zur Erläuterung der all-gemeinen Grundsätze erforderlich ist.