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Gelehrtenschulwesen.
gest. 1615, der als Ordensgeneral auch diese Angelegenheit regulirte und dabeilediglich von der Rücksicht auf die Förderung oder mögliche Störung hierarchischerInteressen sich leiten ließ. Die humanistischen Studien und mathematischen Wissen-schaften schienen in dieser Beziehung am empfehlungswerthesten; das religiöse Interessewurde durch todten Mechanismus fast geflissentlich erstickt; der philosophische Unter-richt suchte die Freiheit des Geistes in Fesseln zu schlagen und führte zum Auctoritäts-glauben; selbst das sittliche Bewußtsein wurde geschwächt. Die frühere Arbeit derMönche, besonders der Benedictiner, verschwand dagegen, und selbst die Janse-nisten im Port-Rohal konnten sich in ihren Leistungen nicht mit ihnen messen. Dieungeheure Herrschaft, welche sie über das persönliche Leben der Einzelnen gewannen,mußte bald eine furchtbare werden. In der römischen Hierarchie stand consequenterWeise nichts in directer oder unmittelbarer Beziehung zum Papst, sondern er herrschtedurch Erzbischöfe und Bischöfe über die Geister. Die Jesuiten aber beherrschten in derBeichte die Gewissen und 7000 jährliche Berichte an den General legten die Seelen-zustände klar vor die Augen. «Zwei Sterne kreisen nicht in Einer Sphäre"; »sie wagenalles, alles", sagte Clemens VIII. Frankreich hob 1762 den Orden auf; diesemBeispiele folgten Spanien und Neapel; 1773 hob Clemens XIV. den Orden auf;Pius VII. ließ, als er frei geworden war aus Napoleons Gewalt (was er vorzugs-weise der Hülfe protestantischer Fürsten verdankte), die Herstellung der Jesuiten „denersten großen Act' seiner neuen Amtsführung sein, 1814. Jetzt durften sie wieder.nach der Weise ihres Instituts die Jugend in den Anfangsgründen des Glaubensunterrichten und zu guten Sitten bilden", „sich der Erziehung der katholischen Jugendwidmen, wie auch die Seminarien und Collegien leiten." Indern die gottberechtigteMacht der Persönlichkeit mit der Willkür der Subjectivität blindlings zusammen ge-worfen ward, glaubte man die Reformation und die Revolution gleichmäßig als diebeiden Endziele des feindseligsten Gegenkampfes betrachten zu dürfen.
Der älteste Lehrplan der Jesuiten (v. Raumer 2, S. 300 ff. W. Esser,Franz v. Fürstenberg, S. 205 ff.), die ratio ot iostitutio stuckiorcun svoiotatis Issu,ward zuerst 1588 von 6 Uatros entworfen und nach wiederholter Prüfung 1599 ver-öffentlicht. Im wesentlichen ist dieser immer derselbe geblieben. Er ist äußerlich demSturm'schen Plane sehr ähnlich, innerlich aber doch von ihm verschieden.
Die Anstalten zerfielen in zwei Abtheilungen, eine höhere und eine niedere, stückig,supsriora und iulsriora. Unter einem dem Ganzen vorstehenden Rector standen2 Urnekooti für die beiden Abtheilungen. Die stückig ircksriorg entsprachen einemGymnasium und hatten 5 Classen, die iuümg, ssocmckg oder msäig, tsrtig oder su-xrewg, auch 8zmtgxis, gngrtg xostios. oder llurngvitss, und guiotg rUstoriog. Hierwurde von 5 mit ihren Schülern aufwärts schreitenden Lehrern Latein bis zu einerziemlichen Fertigkeit des Schreibens und Sprechens, und außerdem der Katechismus,durchgehends in lateinischer Sprache (denn die Gesellschaft Jesu war sehr gegen denGebrauch der Volkssprache in der Schule, s. v. Raumer 3, 2. S. 45) gelehrt. Anden übrigen Gegenständen der Gymnasialbildung fehlte es ganz, und wenn auch in denSchulbüchern der Jesuiten von anderen Dingen, z. B. vom Griechischen oder von derMathematik, die Rede war, so kam doch im Unterricht wenig oder gar nichts davonvor. Die Lehrer waren junge, von den Jesuiten selbst gebildete Männer, die nach be-endigtem philosophischen Cursus in den Orden getreten waren, nach vollendetem drei-jährigen Noviziat vorschriftsmäßig als mgAistri den ganzen Gymnasialcursus durch-machten, um dann zu den zweijährigen theologischen Studien überzugehen und dem-nächst, also nach zehnjähriger Prüfung, zu der Profession und zu den geistlichen Weihenzugelassen zu werden. Die Vorbereitung zum Lehramte mußte also mangelhaft sein.Der Schade, den ein schlechter Lehrer anrichtete, war bei dem fünfjährigen Fortgehenseines Unterrichts mit denselben Schülern um so größer. Man verhütete daher auchdie Wahl eines solchen mit möglichster Sorgfalt. Dazu war auch in den besseren Fällendie Methodik eine sehr mangelhafte. Dem lateinischen Unterrichte fehlte namentlich die