Gelchrtenschnlwesen.
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griechischen verglichen werden. Auch sei der kritische Theil der Dialektik (später erst derlogische) und daneben die Rhetorik einzuüben. Als Lectüre werden im Lat. Cicero'sReden für den Roscrus Amerinus und den Rabirius, im Griech. Deinosthenes' olyn-thische und philippische Reden bezeichnet, anderes nach Auswahl des Lehrers und auchder Schüler freigestellt. Tägliche Stilübungen sollten gehalten werden, die Schülerkönnten auch kleine Declamationen schreiben und entweder auswendig lernen oder vomConcept declamiren. Sonntags wurde der Römerbrief auswendig gelernt und hergesagt.Die lateinischen Komödien müßten hier schon besser aufgeführt werden, später auch einStück von Aristophanes, Euripides, Sophokles nach vorheriger Interpretation desLehrers. — In der ersten Classe solle die Rhetorik und Dialektik zwar nicht bis ansdie Spitze getrieben werden, denn das falle dem späteren Studiren anheim, sondernalle xsusru und xurtos befassen, wie sie bei Aristoteles, Hermogenes und Cicero vor-kämen. Gelesen wurden Demosthenes und Cicero (cko otüoiis), Homer und Virgil, auchwerden Euripides' Phönissen und anderes erwähnt. Thukydides und Salust sollten vonden Schülern selbst schriftlich übersetzt werden, doch von den einzelnen Schülern ver-schiedene Stellen. Keine Woche sollte ohne Aufführung von Schauspielen hingehen.Im Schreiben und Declamiren sei hier eine oonsustucko Utorutu zu erwarten, alles,was sie arbeiteten, müße kunstgemäß sein.
Diese Schilderung des Sturm'schen Lehrgangs im einzelnen ist ein deutlichesZeugnis von der herrschenden Art und Weise, wie in jenem ganzen ZeitalteH die Sach^betrieben worden ist. Und leugnen läßt sich nicht, daß in Bezug auf methodische An-eignung und Einübung alle Zeiten, und unsere gegenwärtige nicht am wenigsten, vonjenen: großartigen Vorgänge Sturms lernen können. Freilich ist dabei nicht zu ver-kennen, daß das eigentliche Ziel ausschließlich ein formales, auf die schöne Darstellungim schriftlichen und mündlichen Ausdrucke gerichtet gewesen, der tiefere Inhalt aberweniger beachtet worden ist. Der Werth seiner Leistungen muß nach dem Maßstabeder damaligen Zeit beurtheilt werden. Ein kräftiger Wille lag unbedingt seinem Cha-rakter, ein christliches Element seiner ganzen Pädagogik zum Grunde. Aber in Bezugauf die Kenntnisse und Redekunst, die erstrebt wurden, läßt sich eine große Einseitigkeitnicht verkennen und nur mit den ausdrücklichen Forderungen der Zeit entschuldigen.Fast alle Zeit und Kraft wurde auf die alten Sprachen, besonders auf das Lateinischeverwendet. Zn der deutschen Sprache, in der Mathematik (namentlich Arithmetik, selbstdas Rechnen war sehr mangelhaft), Geographie, Geschichte, Naturgeschichte und Physikfiel aller Unterricht entweder ganz weg oder beschränkte sich auf ein Geringstes. Auchdas Hebräische, Französische und Zeichnen scheinen ganz gefehlt zu haben, das ersteausdrücklich darum, weil es genug sei, bis zum 16 . Lebensjahre zwei Sprachen nureinigermaßen zu erlernen. Die Muttersprache konnte überhaupt unmöglich zu ihremvollen Rechte kommen, was man schon daraus erkennen kann, daß er von sich selberrühmt, er habe einen Reichthum auserlesener (lateinischer) Worte und tägliches Latein-sprechen eingeführt und den Plautus, Terenz und Cicero aus der Unterwelt herauf-beschworen, um mit den Knaben Latein zu sprechen. Classiker wie Livius und Tacituswaren wohl ganz verbannt. Die wesentliche Richtung dieser Schule war also ein ziem-lich einseitiger Formalismus, und wenn auch bisweilen nach einem gewitzen Realismusgestrebt zu werden schien, so war derselbe doch von dem eines Comenius wenigstens»och weit entfernt.
Die an das von Sturm gegründete Gymnasium sich anschließende Akademie waroffenbar keine eigentliche Universität, sondern vielmehr eine Mittelanstalt zwischen einersolchen und einem Gymnasium (erst 1621 wurden ihr auch die Rechte einer Universitätverliehen); sie konnte auch nur die niederen akademischen Grade ertheilen, und nebender philosophischen Facultät, die natürlich bei ihr die Hauptsache war, konnten die an-deren nicht recht aufkommen oder hatten von Anfang her wenig Bedeutung.
An die Sturm'sche Methode reihten sich die Bemühungen vieler Einzelnen an, die-selbe durch entsprechende Lehrbücher zu fördern. So wurde die Erlernung der lateini-